Der Chef der Bundesnetzagentur geht davon aus, dass die Gasspeicher ausreichend voll sind. Vom November-Ziel ist Deutschland aber weit entfernt. Reicht das Gas für den Winter?
Der Chef der Bundesnetzagentur geht davon aus, dass die Gasspeicher ausreichend voll sind. Vom November-Ziel ist Deutschland aber weit entfernt. Reicht das Gas für den Winter?
Je näher die Heizsaison rückt, umso unwahrscheinlicher wird es, dass Deutschland seine Gasspeicher nach Plan auffüllt. Vom Chef der Bundesnetzagentur hieß es bereits, dass die Speicher zwar noch voller werden, aber es seien schon mehr als 56 Prozent in den Tanks – mehr, als im vorigen Winter entnommen wurde. Würde das auch in der kommenden Heizperiode ausreichen?
Das Wichtigste in Kürze:
Um herauszufinden, ob die Gasvorräte ausreichen, stellen wir die verfügbare Gasmenge in den Gasspeichern dem täglichen Verbrauch gegenüber. Stand 22. September waren die Speicher zu fast 57 Prozent gefüllt, was in etwa 140,7 Terawattstunden Gas entspricht. Laut Bundesnetzagentur hat Deutschland im Jahr 2025 um die 864 TWh Gas verbraucht, was 2,2 Prozent mehr sind als im Vorjahr 2024. Die Haushalts- und Gewerbekunden hatten daran einen Anteil von 40 Prozent. Pro Tag ergibt sich ein Schnitt von ungefähr 2,36 TWh.
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Am 22. September haben Deutsche im Schnitt 1,69 TWh Gas verbraucht. Angenommen, dieser Verbrauch bleibt konstant, würde allein diese Gasreserve annähernd 83 Tage ausreichen – bis zum 16. Dezember 2026.
Das lässt aber außer Acht, dass der große Bedarf erst im Oktober noch kommt. Bis Januar steigt er monatlich an, ehe er im Februar langsam und dann im März rapide fällt.
Nehmen wir die Mittelwerte für die Monate in der Heizperiode, sieht die Rechnung schon anders aus.
Bis Oktober sind es zwar noch ein paar Tage, aber bei einem Tempo von ungefähr 0,30 Prozent Speicherfülle pro Tag dürften die Speicher bis dahin kaum nennenswert voller werden. In diesem Szenario würden die aktuellen Speicherstände nicht ausreichen, um die Bundesrepublik auch nur bis Dezember zu versorgen.
Das Szenario ignoriert mehrere Effekte. Zum Beispiel ist der Gasbedarf 2025 im Vergleich zu 2024 leicht gewachsen – wenn dieser Trend anhält, dann sind die Bedarfszahlen für 2026 im Szenario zu niedrig angesetzt. Darüber hinaus warnen Meteorologen seit einigen Tagen, dass Wetterereignisse im Pazifik arktische Windströme beeinflussen könnten, was unter Umständen zu einem massiven Kälteeinbruch führt. Wie der Bedarf in der Heizsaison 2026 aussieht, ist also ungewiss.
Stellen wir der ersten Rechnung jedoch ein „Import-Szenario“ gegenüber, sieht die fehlende Menge deutlich anders aus. Deutschland hat durch die Diversifizierung seiner Gasflüsse weniger Risiko beim Ausfall einzelner Zulieferer. Pro Tag importiert der Staat durchschnittlich 2,53 Terawattstunden Gas. Unter Berücksichtigung dieser Mengen kommt folgender Verbrauch heraus:
Unter Berücksichtigung der Importe müssten die Speicher lediglich noch um 85,51 TWh erleichtert werden – und das halten sie nach aktuellem Stand aus. Dass Deutschland aber ohne Importe mit halben Gastanks durch den Winter kommt, wie Netzagentur-Chef Müller sagte, ist nicht realistisch. Müller könnte vielmehr gemeint haben, dass die Speicherstände in der Heizperiode 2025/2026 von um die 75 auf rund 20 Prozent gefallen sind. Das heißt aber nicht, dass währenddessen der Import ausgefallen ist.
Unabhängig von den aktuellen Vorkommnissen hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) bereits angekündigt, „stets Vorsorge“ getroffen zu haben und „mögliche Handlungsoptionen“ bereitzuhalten. Bei einer Verschlechterung der Lage will es umgehend reagieren und die Versorgungssicherheit gewährleisten.
Damit könnte das BMWE zum Beispiel die nach wie vor fragile Lage am Persischen Golf meinen. Außerdem warnen Ökonomen schon seit einer Weile davor, dass die USA bei den LNG-Exporten einen gefährlichen Hebel haben, der auch Deutschland erpressbar macht. Wenn sich US-Präsident Donald Trump dazu entscheidet, hier neu verhandeln zu wollen, kann es sein, dass Gasverbraucher auch von dieser Front weitere Teuerungen befürchten müssen.
Gasreserven im Winter: Leser zweifeln an der Vorsorge
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