Robert Sandler fliegt seit 26 Jahren über Bayerns Autobahnen und funkt Staus durch. Wie der Nachmittag in seinem Cockpit aussieht.
Robert Sandler fliegt seit 26 Jahren über Bayerns Autobahnen und funkt Staus durch, bevor sie in irgendeiner App auftauchen. Ein Nachmittag im Cockpit.
„Drei Kilometer Rückstau auf der Fernpassstraße, nach dem Grenzübergang bei Füssen.“ Robert Sandlers Stimme klingt ruhig und klar, als er die Meldung über sein Funkgerät an den Radiosender „Antenne Bayern“ durchgibt. Unter dem rechten Flügel seines weißen Ultraleichtflugzeugs wälzt sich eine Blechschlange durch die Berge, kurz vor dem Tunnel stauen sich die Autos bis zur Ausfahrt Füssen zurück, auf der österreichischen Tunnelseite geht es weiter. Wer ausweichen will, wird von der Polizei gestoppt. Auf den Handys der Reisenden dort unten steht davon in diesem Moment noch nicht so viel. Gelbe Strecke, um die fünf Minuten Verspätung. Robert weiß es besser. Es werden eher 15 bis 30 Minuten werden.
Drei Stunden zuvor, an diesem Sonntag der Sommerreisewellen, beginnt Sandlers Tag auf dem kleinen Flugplatz Unterwössen, eingebettet zwischen zwei Bergen südlich des Chiemsees, seit 2024 die neue Basis der ADAC-Flugbeobachtung. Sandler, 77 Jahre alt, weißes Käppi, gelbes ADAC-Hemd mit der Aufschrift „Staubeobachtung“, ist ein Mann mit Routine und einer Checkliste: Flugzeugausrüstung, ein letzter Blick aufs Wetter, den Piloten sprechen. „Das ist mein Ritual vor dem Abflug“, sagt er. Vor dem Start installiert er eine kleine Konsole auf seinem Schoß – das Gerät, mit dem er live zu „Antenne Bayern“ und den anderen Stauberatern Kontakt aufnehmen kann.
ANZEIGE
ANZEIGE
Zwei Maschinen starten an diesem Tag, kleine Ultraleichtflugzeuge mit Propeller. In der einen sitzt Sandler mit Pilot, in der zweiten der FOCUS online Reporter mit Pilot. Der Kurs folgt der A8 Richtung München, vorbei an Holzkirchen und dem Inntaldreieck, Orte, die jeder Südbayern-Urlauber schon einmal aus dem Stau beobachtet hat. Aus 300 Metern Höhe sind Autos und Ortschaften noch gut zu erkennen.
Auch den Irschenberg sieht man gut. Der Pilot lenkt die Maschine leicht nach links. Sandler meldet sich über Headset: „Unter dem rechten Flügel siehst du, warum hier ein Tempolimit gilt.“ Unten auf der Autobahn fahren die Autos merklich langsamer, an manchen Stellen nur noch 80 statt 100 oder 120, obwohl der Verkehr gar nicht dicht ist. Die Erklärung liefert Sandler gleich mit: „Wenn ein Auto bremst, bremst das dahinter stärker. Das zieht sich durch den ganzen Verkehr. Am Berg fahren Lkw und Wohnwagen langsamer, die von hinten kommenden Autos müssen abrupt runter – so entsteht Stau. Begrenzt man alle auf 80, bleibt der Verkehr fließen. Das ist am Ende schneller.“
,regionOfInterest=(376,621)&hash=a60ba496dff1ffdd37e4222a5b522740852eadfba418fe9f02d2485fa9a6aded)
Über dem Kreuz München-Süd beginnt es zu rumpeln. Thermik, ein sonniger Nachmittag, die kleine Maschine tanzt, zuckt und ruckelt. Nicht jeder Passagier verträgt das gut – Sandler kennt das. Wer zum ersten Mal in einem Ultraleichtflugzeug sitzt, sollte eine Tüte griffbereit haben. Der Reporter wäre, sagt er lachend ins Headset, nicht der erste Journalist, dem hier schlecht geworden sei. Ihm selbst macht das nach all den Jahren nichts mehr aus.
Südlich von München herrscht an diesem Nachmittag noch kein Stau. Also schwirrt das Gespann weiter Richtung Alpen vorbei an Starnberger See, Tegernsee und sogar an Schloss Neuschwanstein. Das blau der Seen wirkt wie aus einer Postkarte der Karibik herausgeschnitten. Die Berge strahlen an diesem Tag in hellem Grau. Die Bäume haben hier noch sattes Grün. „Der Ausblick macht den Job zu etwas Besonderem“, sagt Sandler, „aber oft kann ich ihn gar nicht genießen. Es ist ja auch Arbeit.“
Dann, über Füssen, sieht Sandler wieso er hier oben ist: der Stau vor und nach dem Grenztunnel, jene drei Kilometer, die er kurz darauf durchfunkt. Aus der Luft erkennt er aber mehr als nur den Stau. Er sieht, dass an der Grenze noch keine Blockabfertigung läuft, meldet aber trotzdem eine klare Warnung: „Nicht von der Autobahn abfahren, die österreichische Polizei kontrolliert die Abfahrt.“ Von oben wirken die Beamten, die ausweichende Autofahrer stoppen und zurückschicken, wie Ameisen. Der Stau selbst hält sich in Grenzen – Sandler schätzt 15 bis 30 Minuten zusätzliche Fahrzeit.
Kleine Verzögerung, verglichen mit dem, was Sandler auf der Tauernautobahn vor fast 20 Jahren erlebt hat: 40 Kilometer Rückstau, im Schnitt sechs Stunden Zeitverlust. „Die Kolonne nahm einfach kein Ende“, erinnert er sich. Von oben beobachtete er, wie gestrandete Urlauber Tische und Stühle auf dem Standstreifen aufbauten und picknickten.
Damals hatte der Tauerntunnel nur eine Röhre, weshalb der Verkehr aus Sicherheitsgründen vor dem Nordportal regelmäßig per Blockabfertigung gestoppt wurde, mit mehrstündigen Wartezeiten bis zurück zum Autobahnkreuz Bischofshofen. Seit 2011 gibt es zwei Röhren, das Problem hat sich seither weitgehend erledigt. Wer jetzt aber aufatmet: Ab 2027 steht wegen Sanierungsarbeiten für einige Zeit wieder nur eine Röhre zur Verfügung. Autofahrer Richtung Süden sollten sich also schon mal auf ähnliche Szenen einstellen.
Für solche Situationen existiert das System, dessen sichtbarster Teil Sandler ist. Seine Beobachtungen aus der Luft laufen im mobilen StauStudio zusammen, das als Relaisstation zwischen Flugzeug, Radiosendern und den ADAC-Stauberatern auf den Motorrädern fungiert. Die verteilen an verstopften Abschnitten Wasser und Spielzeug für Kinder, leisten erste Hilfe bei Unfällen oder sichern liegengebliebene Fahrzeuge ab. Was Sandler aus 300 Metern Höhe sieht, entscheidet oft, wohin die Motorräder am Boden als Nächstes geschickt werden.
An diesem Sonntag bleibt es an der Rückreisefront zunächst ruhig. Ein zweiter Flug ist trotzdem für den Nachmittag angesetzt, wenn der Rückreiseverkehr aus dem Süden laut ADAC-Prognose seinen Höhepunkt erreichen soll.
Aber warum gibt es Sandlers Job noch, wenn es Echtzeit Staubeobachtung per Apps gibt?
„Weil ich die Ursachen für den Stau erkennen kann“, sagt Sandler. Über Füssen wird es dann auch klar wieso. Unter dem Flieger bildet sich ein klassischer Rückstau. Wäre hier aber ein Unfall gewesen, würde das Navi keinen Unterschied erkennen. Egal ob Wartezeit eine Stunde beträgt oder zehn Minuten. Sandler kann durch seine über 20-jährige Erfahrung dagegen viel bessere Einschätzungen abgeben.
Aus über zwei Jahrzehnten in der Luft hat Sandler auch für Autofahrer klare Empfehlungen mitgebracht.
Auf der Autobahn bleiben, nicht ausweichen. Vor allem in Österreich rät Sandler grundsätzlich davon ab, bei Stau auf die Landstraße zu wechseln. Steigen mehrere Autofahrer gleichzeitig auf dieselbe Ausweichstrecke um, verlagert sich der Stau nur dorthin. Weil inzwischen die Masse der Autofahrer denselben Navi-Empfehlungen folgt, sind die Probleme in den Dörfern entlang mancher Alternativrouten mittlerweile so groß, dass in Österreich und neuerdings auch in Bayern, eigene Abfahrts- und Durchfahrtsverbote erlassen wurden.
Der beste Abfahrtstag ist selten der naheliegende. Unter der Woche ist es in der Regel ruhiger, auch wenn dort der Lkw-Verkehr zunimmt. Von Freitag und Samstag rät Sandler ab, Sonntagmittag bis früher Nachmittag sei oft überraschend entspannt. Der ADAC beobachtet dabei einen generellen Trend weg vom Wochenende hin zu Werktagen (Montag bis Donnerstag) und vermutet, dass der Reisedruck 2026 insgesamt etwas schwächer ausfällt als in den Vorjahren, möglicherweise wegen der aktuellen Spritpreise. Ausdrücklich als subjektiver Eindruck, nicht als belastbare Zahl.
Zu früh losfahren kann sich rächen. An Tunneln und Verkehrsknoten sorgt ausgerechnet der frühmorgendliche Verkehr regelmäßig für Rückstau, weil viele Reisende zur exakt gleichen Zeit denselben Gedanken haben. Sandler hat dafür einen eigenen Spruch: „Die treffen sich für den Cappuccino.“
Nachts fahren lohnt sich – mit Vorsicht. Das Verkehrsaufkommen ist in der Nacht deutlich niedriger. Die ausdrückliche Warnung: Wer eine Nachtfahrt startet, sollte ausgeruht und ausgeschlafen sein. Übermüdung am Steuer ist ein erhebliches Risiko – für einen selbst und für andere. Kaffee oder Energy-Drinks sind dabei kein wirksamer Ersatz für Schlaf.
| # | Наименование новости | Тональность | Информативность | Дата публикации |
|---|---|---|---|---|
| 1 | War zuvor Flugbegleiter: Mann (34) gibt sich als Pilot aus und jettet jahrelang kostenlos um die Welt | 0 | 8.8 | 11-08-2026 |
| 2 | Schocktest für Autofahrer: Viele Winterreifen sind mangelhaft | 0 | 15.56 | 25-09-2026 |
| 3 | Airbus und Boeing verschrotten Flugzeuge, die noch Jahrzehnte fliegen könnten | 0 | 8.54 | 17-09-2026 |
| 4 | Meet the air traffic controller who flies himself to work | 0 | 6.35 | 03-10-2026 |
| 5 | Russen-Airbus A321 vergammelt in Genf und niemanden stört es: Nicht mal die Triebwerke wurden abgedeckt | 0 | 9.42 | 22-09-2026 |
| 6 | Десятки рейсов задержались в аэропорту Сочи из-за ночных ограничений | 0 | 21.11 | 29-09-2026 |
| 7 | ADAC-Tipps: Dieser Begleiter im Kofferraum treibt den Spritverbrauch in die Höhe | 0 | 10.99 | 25-09-2026 |
| 8 | В аэропорту Сочи более чем на 5 часов задерживаются 33 рейса | 0 | 20.53 | 28-09-2026 |
| 9 | The National: Flydubai не может раскрыть национальности пилотов экстренно севшего рейса | 0 | 10 | 30-09-2026 |
| 10 | Тот самый транспорт, когда не охото стоять в очереди за⛽ ... | 0 | 2.5 | 29-09-2026 |