Der rasante Renditeanstieg lässt die Risikoprämien großer Institute des Landes steigen. Experten sehen noch keine Krise – doch ein attraktiver Vorteil geht französischen Banken verloren.

Absturz französischer Bonds: Banken und Unternehmen unter Druck. Foto: Picture Alliance [M]
Frankfurt. Der massive Renditeanstieg französischer Staatsanleihen wird für Banken des Landes zu einer Belastung: Die Aktien der Großbanken BNP Paribas, Société Générale sowie Crédit Agricole haben sich seit Anfang September deutlich schlechter entwickelt als europäische Banken insgesamt, wie Bloomberg-Daten zeigen.
Während der europäische Bankenindex Stoxx 600 Banks seit Anfang September knapp zwei Prozent an Wert verloren hat, gaben die Aktien der drei französischen Großbanken jeweils um rund sieben Prozent nach. Analysten von Morgan Stanley beziffern den Bewertungsabschlag französischer Banken im Vergleich zum Gesamtmarkt aktuell auf 30 Prozent.
Der Markt für Kreditausfallversicherungen zeichnet ein ähnliches Bild.
Während der Index Itraxx Europe Senior Financials, der die Risikoprämien für vorrangige europäische Bankanleihen abbildet, seit Anfang September um 0,14 Prozentpunkte gestiegen ist, betrug der Anstieg bei den französischen Instituten etwa 0,2 Prozentpunkte. Mittlerweile sind die Risikoprämien der französischen Großbanken höher als die der Deutschen Bank. Anfang September war es noch umgekehrt.
GRAFIK FÜR AKTIENGRAFIK
„Der Stress bei französischen Staatsanleihen hat bereits auf die Bewertung französischer Banken übergegriffen“, sagt Thomas Höfer, Leiter Investment Grade Credit bei der Fondsgesellschaft DWS. „Französische Staatsanleihen sind ein wichtiger Bezugspunkt für die Finanzierungskosten“, sagt Anke Reingen, Bankanalystin von RBC Capital. „Wenn sich die Risikoprämie erhöht, kann das auch die Finanzierung von Banken und Unternehmen langfristig verteuern.“
Und die Verzinsung europäischer Staatsanleihen ist mittlerweile auf Niveaus gestiegen, die es seit mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr gegeben hat. Vor allem Frankreich ist davon betroffen. Die Rendite der zehnjährigen französischen Staatsanleihe stieg am Mittwoch erneut deutlich auf 4,9 Prozent.
„Steigende Zinsen, höhere staatliche Finanzierungskosten und die zunehmende Emission von Staatsanleihen haben die Sorge neu entfacht, dass Spannungen an den europäischen Staatsanleihemärkten erneut auf den Bankensektor übergreifen könnten“, schreibt die Ratingagentur DBRS in einem Bericht.
Gleichwohl sehen Experten bislang keinen Grund für Panik. „Eine fundamentale Bankenkrise oder eine Staaten-Banken-Abwärtsspirale, in der sich Staaten und Banken gegenseitig nach unten ziehen, ist aktuell nicht unser Basisszenario“, sagt DWS-Experte Höfer. Der Bestand französischer Staatsanleihen der großen Banken sei begrenzt, und die potenziellen Auswirkungen auf Kapital und Erträge der Institute erschienen beherrschbar.
Ähnlich sieht es Christian Knopf, Leiter Portfoliomanagement Renten und Währungen bei Union Investment. „Die Investoren unterscheiden zwischen dem französischen Staat und französischen Unternehmen“, erklärt er. Viele der großen Banken und Unternehmen hätten ein „erhebliches Auslandsgeschäft“. „Sie sind dem Wohl und Wehe der französischen Volkswirtschaft nicht so sehr ausgesetzt wie kleinere Unternehmen, die sich über Banken und nicht den Kapitalmarkt finanzieren.“
Renditevorteil eingebüßtDennoch: Französische Banken und Großunternehmen haben durch den rasanten Renditeanstieg einen langjährigen Vorteil bei den Refinanzierungskosten eingebüßt, zeigt eine Analyse der Fondsgesellschaft Union Investment, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt.
„Französische Banken und Unternehmen konnten sich in den vergangenen Jahren meist günstiger finanzieren als Banken und Unternehmen anderer Mitgliedstaaten im Euro-Raum“, sagte Portfoliomanager Knopf dem Handelsblatt. Dieser Renditevorteil habe bei Bankanleihen etwa bei fünf Basispunkten gelegen, bei Unternehmensanleihen guter Bonität etwa zehn Basispunkte. Ein Basispunkt entspricht einem Hundertstel Prozentpunkt.
Staatsdefizit Proteste, Schulden, Nervosität: Frankreich wird an den Finanzmärkten zum Risikofall
Das ist Vergangenheit. „Mittlerweile werden Banken und Unternehmen am Kapitalmarkt dafür abgestraft, wenn sie ihren Sitz in Frankreich haben“, sagt Knopf. Die zusätzliche Risikoprämie vorrangiger Bankenanleihen liege mittlerweile bei etwa 15 Basispunkten, bei nachrangigen Bankenanleihen seien es mehr als 20 Basispunkte, zeige die Analyse. „Bei Unternehmensanleihen preisen Investoren mittlerweile ein Frankreichrisiko von durchschnittlich zehn bis 30 Basispunkten ein, abhängig vom Rating“, sagt er.
Verglichen mit früheren politischen Schreckmomenten sind diese Auswirkungen allerdings bislang noch überschaubar: Nach der Ankündigung vorgezogener Parlamentswahlen in Frankreich 2024 hatte der europäische Bankenindex um neun Prozent nachgegeben, die Aktien französischer Banken stürzten sogar um zwölf bis 25 Prozent ab, schreiben die Analysten von Morgan Stanley.
Am Unbehagen vieler Investoren ändert das allerdings wenig. Immerhin haben Banken im Euro-Raum in den vergangenen Jahren beträchtlich in Staatsanleihen investiert. Der Ratingagentur DBRS zufolge stiegen die Bestände zwischen Ende 2022 und Juni 2026 um 44 Prozent auf 4,54 Billionen Euro. Das entspricht dem 2,6-Fachen des durchschnittlichen Kernkapitals europäischer Institute und 14,7 Prozent von deren Bilanzsumme.
DBRS betont, Banken würden ihre Anleihebestände mittlerweile weniger stark auf Anleihen ihres jeweiligen Heimatlandes konzentrieren. Doch die Bundesbank bescheinigte Banken in ihrem Monatsbericht September noch immer eine hohe Konzentration auf heimische Bonds. Sie bezifferte diesen „Home Bias“, den Anteil heimischer Staatsanleihen an allen Staatsanleihen aus Euro-Ländern in Frankreich mit 83,9 Prozent.
Börse im Fokus Droht den Finanzmärkten eine neue Krise?
Gemessen an der Bilanzsumme der französischen Geldhäuser spielen Staatsanleihen aber eine wesentlich geringere Rolle, wie Statistiken der Europäischen Zentralbank (EZB) belegen: Ihr Anteil beträgt in Frankreich rund vier Prozent. In Italien sind es dagegen etwa 15 Prozent, in Spanien rund zehn Prozent.
Dennoch schlagen die aktuellen Kursverluste dieser Anleihen derzeit nicht massiv durch: Französische Banken bilanzieren Staatsanleihen überwiegend so, dass sie Kursverluste nicht von ihrem Eigenkapital abziehen müssen. Die Analysten von Morgan Stanley gehen deshalb davon aus, dass diese Bestände kaum einen Einfluss auf die Kapitalposition oder die Gewinn-und-Verlust-Rechnung französischer Banken haben dürften. Es entstehen allerdings stille Lasten in der Bilanz.
Auch die aktuell höheren Renditeforderungen von Investoren sind auf kurze Sicht kein Thema für französische Institute: Analysten zufolge haben die Geldhäuser ihren Finanzierungsbedarf für dieses Jahr weitgehend gedeckt.
Verwandte Themen
Frankreich
Morgan Stanley
EZB
Deutsche BankVollständige Entwarnung wollen Experten dennoch nicht geben. „Das Risiko und der Ansteckungseffekt für das französische Bankensystem wäre bei einer länger anhaltenden und einer noch deutlicheren Ausweitung der Renditeabstände französischer Staatsanleihen gegeben“, sagt DWS-Experte Höfer. In diesem Szenario würden die Refinanzierungskosten der französischen Banken deutlich steigen und aus seiner Sicht auch Ratingrisiken entstehen.
Einige Investoren stellen auch die Frage, wie sich politische Instabilität und hohe Renditen auf die französische Wirtschaft auswirken. „Die Sorge der Investoren richtet sich vor allem auf die Folgewirkungen der hohen Renditen auf die Wirtschaft“, sagt Bankanalystin Reingen. Eine schwächelnde Wirtschaft würde Unternehmen und private Haushalte des Landes weiter belasten und könnte zu höheren Kreditausfällen und weniger Geschäftsmöglichkeiten von Banken führen.
remind.me Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
AnzeigeImmoScout Jetzt kostenlos den Wert deiner Immobilie ermitteln
AnzeigeIT BOLTWISE Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
AnzeigePresseportal Direkt hier lesen!
AnzeigeSTELLENMARKT Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
AnzeigeExpertentesten.de Produktvergleich - schnell zum besten Produkt
| # | Наименование новости | Тональность | Информативность | Дата публикации |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Frankreichs Lage ist schlimmer als während der Euro- und Finanzkrise | 0 | 8.71 | 04-09-2026 |
| 2 | Verschuldung: Französische Regierung: Druck der Finanzmärkte „hilft uns vielleicht etwas“ | 0 | 12.28 | 06-10-2026 |
| 3 | Börse: Frankreich gerät an den Anleihemärkten unter Druck und die Regierung kann sich kaum wehren | 0 | 10.89 | 01-10-2026 |
| 4 | Рост долга Франции усилил риски нового кризиса еврозоны | 1 | 15.23 | 06-10-2026 |
| 5 | Euro-Zone: Inflation auf Drei-Jahres-Hoch, Frankreich unter großem Druck: Für die EZB wird es brenzlig | 0 | 11.52 | 02-10-2026 |
| 6 | Anleihen: Kursverlust, massiver Renditeanstieg: US-Staatsbonds erleben ein fatales Quartal | 0 | 17.26 | 01-10-2026 |
| 7 | Kreditrisiken belasten Kapitalbasis von Banken | 0 | 7.6 | 22-09-2026 |
| 8 | 54 Milliarden Sparpaket: Bondrenditen auf 24-Jahres-Hoch: Frankreich setzt auf harten Sparkurs | 0 | 12.11 | 01-10-2026 |
| 9 | The new sick man of Europe: Could France trigger a new sovereign debt crisis? | 0 | 8.22 | 07-10-2026 |