Zu viele Optionen blockieren eine klare Wahl. Mit einfachen Regeln entscheiden Sie in Zukunft schneller und gelassener.
Zu viele Optionen blockieren eine klare Wahl. Mit einfachen Regeln entscheiden Sie in Zukunft schneller und gelassener.
Viele Optionen zu haben fühlt sich oft erstmal nach Freiheit an, kann Entscheidungen aber paradoxerweise schwieriger machen. Mit jeder zusätzlichen Möglichkeit steigt die Zahl der Dinge, die wir vergleichen müssen und gleichzeitig die Sorge, vielleicht die „beste“ Option zu verpassen.
Außerdem lohnt es sich, den Anspruch an die perfekte Entscheidung loszulassen: Bei vielen Alltagsentscheidungen gibt es nicht die eine richtige Wahl, sondern mehrere gute.
Eva Elisa Schneider ist Psychotherapeutin und Expertin für mentale Gesundheit am Arbeitsplatz. Sie ist Teil unseres Expertennetwerks EXPERTS Circle.
Eine Entscheidung getroffen zu haben, bedeutet nicht automatisch, dass sich sofort Erleichterung einstellt. Wer beispielsweise einen neuen Job angenommen hat, kann sich schon beim ersten schwierigen Arbeitstag fragen: „War der Wechsel wirklich richtig?“ Solche Zweifel sind kein Beweis für eine falsche Entscheidung, sondern häufig eine normale Reaktion darauf, dass wir uns festgelegt und andere Möglichkeiten ausgeschlossen haben.
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Hilfreich ist, die Qualität einer Entscheidung nicht nur an ihrem späteren Ergebnis zu messen: Auch eine sorgfältig getroffene Entscheidung kann ungünstig ausgehen, weil wir die Zukunft nicht kontrollieren können. Man sollte sich stattdessen fragen:
Habe ich mit den Informationen, die mir damals zur Verfügung standen, nachvollziehbar entschieden?
Und wenn sich später tatsächlich zeigt, dass der neue Job dauerhaft nicht passt, ist eine Kurskorrektur kein Scheitern, sondern eine neue Entscheidung auf Basis neuer Informationen.
Stress verengt unsere Aufmerksamkeit und kann dazu führen, dass wir vorschnell reagieren oder vor allem die unmittelbarste Gefahr sehen. Deshalb lautet die erste Frage: Muss ich diese Entscheidung wirklich genau jetzt treffen? Wer zum Beispiel nach einem langen Arbeitstag ein überraschendes Jobangebot bekommt, muss nicht unbedingt noch am selben Abend zu- oder absagen. Wenn möglich, kann schon etwas Abstand helfen, etwa eine Nacht darüber zu schlafen.
Muss es schnell gehen, hilft eine einfache Struktur:
Auch vorher festgelegte Regeln entlasten, etwa: „Ich sage bei neuen Aufgaben nicht sofort zu, sondern prüfe zuerst meinen Kalender.“ Selbstbewusst entscheiden bedeutet schließlich nicht, hundertprozentig sicher zu sein, sondern trotz einer gewissen Unsicherheit handlungsfähig zu bleiben.
Die Vorstellung, wir müssten uns zwischen rationalem Denken und Bauchgefühl entscheiden, ist irreführend, denn gute Entscheidungen können beides einbeziehen. Intuition ist besonders hilfreich, wenn wir viel Erfahrung haben: Eine erfahrene Führungskraft kann etwa schnell spüren, dass in einem Team etwas nicht stimmt, weil sie ähnliche Situationen schon häufig erlebt hat.
Bei neuen oder emotional aufgeladenen Situationen kann sich ein vermeintliches Bauchgefühl dagegen auch aus Ängsten oder einzelnen Erfahrungen speisen. Deshalb lohnt es sich, das Gefühl als Information zu betrachten, aber nicht automatisch als Urteil: „Mein Gefühl sagt Nein, aber worauf reagiert es eigentlich?“
Umgekehrt reichen Fakten bei persönlichen Entscheidungen oft nicht aus: Zwei Jobs können auf dem Papier gleich attraktiv sein, aber unterschiedlich gut zu den eigenen Bedürfnissen passen. Als Faustregel gilt: Fakten helfen beim Einordnen, Gefühle zeigen, was uns persönlich wichtig ist.
Eine berufliche Entscheidung mitzutragen bedeutet nicht, sie persönlich richtig finden zu müssen. Hilfreich ist, zwischen Zustimmung und professioneller Akzeptanz zu unterscheiden: Ich kann etwa gegen eine neue Arbeitsregelung sein, meine Einwände äußern und trotzdem akzeptieren, dass die Entscheidung bei der Geschäftsführung liegt. Bedenken sollte man möglichst konkret formulieren:
Vielleicht kann ich die Umsetzung im eigenen Team verbessern oder anregen, die Regelung nach einigen Monaten zu überprüfen. Eine Grenze gibt es, wo Entscheidungen gegen ethische Grundsätze, berufliche Standards, die Gesundheit oder rechtliche Vorgaben verstoßen.