Gegen Fatih Khan G. (45) soll in der Türkei wegen mehrerer Sexualdelikte ermittelt worden sein. Angeblich floh er 2021 aus der Untersuchungshaft, wird seither von den türkischen Behörden gesucht
Stade
Fatih Khan G. (45), der Mann, der mutmaßlich in Stade sechs Menschen erschossen hat. In der Türkei soll gegen ihn bereits wegen Sexualdelikten ermittelt worden sein, 2021 floh er demnach aus der U-Haft, wird seither von den türkischen Behörden gesucht. Olaf Wunder/privat
Gegen Fatih Khan G. (45) soll in der Türkei wegen mehrerer Sexualdelikte ermittelt worden sein. Angeblich floh er 2021 aus der Untersuchungshaft, wird seither von den türkischen Behörden gesucht
Fatih Khan G., der mutmaßliche Sechsfach-Mörder von Stade. Er war offenbar alles andere als ein unbeschriebenes Blatt. Er soll in der Türkei bereits eine lange kriminelle Vorgeschichte gehabt haben. Der 45-Jährige war dort offenbar nicht nur Beschuldigter in mehreren Strafverfahren. Er soll auch aus der Untersuchungshaft geflohen sein. Seitdem fahndeten die türkischen Behörden nach ihm.
So berichtet „Bild“. Sollten sich die Angaben bestätigen, bekäme die Bluttat von Stade eine noch brisantere Dimension. Dann stünde nicht nur die Frage im Raum, wie ein Sorgerechtsstreit derart eskalieren konnte. Sondern auch, ob deutsche Behörden hätten wissen können oder müssen, mit wem sie es zu tun hatten.
Dem Bericht zufolge soll Fatih Khan G. ein bewegtes Leben geführt haben. Der 45-Jährige war demnach bereits dreimal verheiratet, alle Ehen wurden geschieden. Aus früheren Beziehungen soll er mehrere Kinder haben. Der 45-Jährige wurde am 4. April 1981 in Goslar in Niedersachsen geboren. Sein Vater stammte aus der türkischen Provinz Kahramanmaraş und starb 2021 in der Türkei.
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Nach Unterlagen aus dem türkischen Justizsystem UYAP soll gegen G. unter anderem wegen des Verdachts eines schweren Sexualdelikts ermittelt worden sein. Der Fall soll sich bereits am 15. Mai 2007 in der Stadt Kahramanmaraş ereignet haben. 2022 gab es laut Bild außerdem ein Verfahren gegen ihn wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs seiner eigenen Tochter.
Besonders brisant ist ein weiterer Punkt: Fatih Khan G. soll 2021 wegen eines anderen Delikts in der Türkei in Untersuchungshaft gesessen haben. Er soll ausgebrochen sein. Seitdem soll er sich der türkischen Justiz entzogen haben. Ein Halbbruder von Fatih Khan G. sagte gegenüber „Bild“, er habe seit dem angeblichen Gefängnisausbruch keinen Kontakt mehr zu ihm gehabt.
Julia Pirk, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Stade, will sich zur Frage möglicher Vorstrafen des Tatverdächtigen nicht äußern. „Ich sage dazu zum derzeitigen Zeitpunkt nichts.“
Offenbar rückte Fatih Khan G. erstmals Mitte April ins Blickfeld der deutschen Behörden. Dabei ging es um seine damals fünf Wochen alte Tochter. Das Baby wurde wegen des Verdachts auf ein Schütteltrauma medizinisch behandelt. Im Zusammenhang damit soll G. an der Medizinischen Hochschule Hannover aggressiv gegenüber Ärzten aufgetreten sein.
Daraufhin geriet die familiäre Situation stärker in den Fokus. Das Jugendamt wurde eingeschaltet. Es ging um die Frage, ob das Kind in der Familie sicher war. Später wurde das Mädchen nicht einfach zu den Eltern zurückgegeben, sondern in einem geschützten Rahmen untergebracht: in einer Mutter-Kind-Einrichtung in Stade.
Dort sollte am vergangenen Montag in einem Hilfeplangespräch geklärt werden, wie es weitergeht. Weil G. als schwierig und aggressiv galt, fand der Termin offenbar in größerer Runde statt. Anwesend waren mehrere Beschäftigte der Jugendhilfeeinrichtung und Mitarbeiter des Jugendamts. G. soll eine Waffe gezogen und sechs Menschen erschossen haben. Anschließend versuchte er mit einer Mercedes-Limousine zu fliehen.
Die Spurensicherung geht vor der Jugendeinrichtung in Stade ihrer Arbeit nach. Ulrich Perrey/dpa
Die Polizei konnte den Wagen nach kurzer Verfolgung stoppen. Dabei sollen Beamte auf die Reifen des Autos geschossen haben. Anschließend wurden der Tatverdächtige und eine 65-jährige Fahrerin, die Patentante des Kindes, festgenommen. Die Frau kam später wieder auf freien Fuß.
Fatih Khan G., der mutmaßliche Sechsfach-Mörder von Stade. Er war offenbar alles andere als ein unbeschriebenes Blatt. Er soll in der Türkei bereits eine lange kriminelle Vorgeschichte gehabt haben. Der 45-Jährige war dort offenbar nicht nur Beschuldigter in mehreren Strafverfahren. Er soll auch aus der Untersuchungshaft geflohen sein. Seitdem fahndeten die türkischen Behörden nach ihm.
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