Die VW-Spitze berät am Donnerstag über die Zukunft des Konzerns. Die IG Metall zeigt ihren Widerstand gegen die Sparpläne des Autobauers auch in Neckarsulm.
Stand: 09.07.2026, 08:46 Uhr
Von: Adrian Kilb

Die VW-Spitze berät am Donnerstag über die Zukunft des Konzerns. Die IG Metall zeigt ihren Widerstand gegen die Sparpläne des Autobauers auch in Neckarsulm.
Mit einer „umfassenden Transformation“ und einer „Neuaufstellung des Unternehmens“ möchte VW die Wende einleiten. Über die neuen Sparpläne von Europas größtem Automobilproduzenten brütet am Donnerstag, dem 9. Juli, in Wolfsburg der Aufsichtsrat. IG Metall und Betriebsrat haben auch eine Meinung dazu und zu einem bundesweiten Aktionstag an allen Konzernstandorten aufgerufen. Auch in Neckarsulm (Landkreis Heilbronn) gehen die Mitarbeiter am Nachmittag in den lautstarken Widerstand.
Vier Werke des VW-Konzerns in Deutschland sollen sogar mittelfristig von einer Schließung bedroht sein. Dazu gehören neben Hannover, Emden und Zwickau auch Neckarsulm. An diesen vier Standorten könnte der Fahrzeugbau bis Ende 2034 auslaufen, wenngleich laut drei Aufsichtsratsmitgliedern Neckarsulm nicht akut gefährdet ist. Die Belegschaft ist aufgebracht und wird das am Donnerstag in vielen Kundgebungen zeigen.
In Wolfsburg plant die Gewerkschaft unmittelbar vor Beginn der Aufsichtsratssitzung um 14:30 Uhr eine Aktion direkt vor dem Vorstandshochhaus, in dem das Gremium sich zusammenfindet. Auch an allen anderen Konzernstandorten in Deutschland, wie beim VW-Tochterunternehmen Audi in Neckarsulm, machen die Facharbeiter ihrem Unmut Luft. Bei der Heilbronner Stimme lässt sich die Aktion am Donnerstag im Livestream verfolgen.
Laut IG Metall ist eine Kundgebung mit über 500 Menschen geplant. Aufgerufen zur Teilnahme seien unter anderem Betriebsräte und Vertrauensleute. Vor dem Tor 6 in der Zeit von 14 bis 14.30 Uhr rund um den Schichtwechsel sprechen vor dem Audi-Werk unter anderem Yvonne Möller, Erste Bevollmächtigte der IG Metall Heilbronn-Neckarsulm, sowie Robin Lörcher aus dem Betriebsrat. Dieser hat eine Postkarten-Aktion initiiert, über welche die Heilbronner Stimme exklusiv berichtet. Den Vertretern ist nach eigener Aussage wichtig, wieder mehr miteinander ins Gespräch zu kommen.
Bis zu 100.000 Stellen und damit doppelt so viele wie geplant, könnten weltweit bei VW wegfallen. Bisher hatte das Unternehmen bereits den Abbau von konzernweit 50.000 Arbeitsplätzen in Deutschland angekündigt. 35.000 Jobs sollen bei der Kernmarke wegbrechen, der Rest bei Töchtern wie Audi und Porsche. Mehr als 37.000 Beschäftigte haben bereits entsprechende Vereinbarungen unterschrieben.
Es geht zudem um die Frage, wie die Autowerke ausgelastet werden können, wenn die weltweite Nachfrage nach Fahrzeugen sinkt beziehungsweise US-Zölle höhere Produktionen unrentabel machen. Es kursiert die Idee, dass in den Produktionsstätten künftig Rüstungsgüter hergestellt werden. Die Autoproduktion könnte sich hingegen noch stärker nach Osteuropa verlagern, wo die Arbeitskosten günstiger sind. Die Industrie gerät auch in der Region Heilbronn ins Stolpern und „qualifizierte Arbeitnehmer bekommen Probleme“.
Für die beiden deutschen Audi-Standorte gilt eine Zukunftsvereinbarung mit einer Beschäftigungssicherung, die bis Ende 2033 betriebsbedingte Kündigungen ausschließt. Wichtig zu wissen: Nach IG-Metall-Angaben handelt es sich nicht um einen Arbeitskampf, also keine Warnstreiks mit Arbeitsniederlegungen.
Eine wegweisende Entscheidung wird beim Treffen des VW-Kontrollgremiums in Wolfsburg nicht erwartet. In den kommenden Wochen folgen weitere Aufsichtsratssitzungen, wie die Heilbronner Stimme weiter berichtet. Erst danach gibt es allmählich Klarheit, wie es bei den einzelnen Automarken weitergeht.
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