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Beide unter Mordverdacht: Das ist das Stader Flucht-Duo

Дата публикации: 03-07-2026 15:59:00

Nach dem Sechsfachmord von Stade kommen immer neue Details ans Licht. Der mutmaßliche Todesschütze soll bereits in der Türkei wegen schwerer Straftaten gesucht worden sein.

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Nach dem Sechsfachmord von Stade kommen immer neue Details ans Licht. Der mutmaßliche Todesschütze soll bereits in der Türkei wegen schwerer Straftaten gesucht worden sein.

Jeden Tag fördert der Sechsfachmord in Stade im Zuge eines Sorgerechtsstreits neue erschreckende Nachrichten zu Tage. Offenbar blickt der Todesschütze Fatih G., 45, auf eine kriminelle Vergangenheit in seiner türkischen Heimat zurück. Und nun wird auch gegen die Mutter seines Kindes und seine Schwiegermutter wegen Mordverdacht ermittelt.

Der inhaftierte mutmaßliche Mehrfachmörder steht angeblich auf der Fahndungsliste der türkischen Behörden. Wie „Bild“ berichtet, soll Fatih G. bereits 2007 in der türkischen Stadt Kahramanmaraş wegen eines Sexualdeliktes auffällig geworden sein.

Im Video: Schwiegermutter von SPD-Politiker fuhr Fluchtwagen

Bericht mit Details zum Tatverdächtigen von Stade

Zudem soll er im Juni 2022 eine Tochter schwer missbraucht haben. Laut dem türkischen Polizeisystem saß G. zuvor in Untersuchungshaft,  konnte aber aus dem Gefängnis fliehen und wird seitdem gesucht. Wie es scheint, setzte sich der mutmaßliche Täter, der im Harz geboren wurde, nach der Flucht nach Deutschland ab. Laut „Bild“ ging er drei Ehen ein und ließ sich dann wieder scheiden.

Die Staatsanwaltschaft Hannover führte nach eigenen Angaben vor den tödlichen Schüssen von Stade ein Ermittlungsverfahren gegen den Tatverdächtigen wegen des Verdachts der Bedrohung. „Der Beschuldigte soll am 22. April im Zusammenhang mit der Behandlung seiner Tochter wegen eines Schütteltraumas gegenüber Ärzten der MHH-Klinik aggressiv aufgetreten sein und ihnen verbal gedroht haben“, teilte ein Sprecher der Behörde mit. Die Ermittlungen dauerten an.

Eine durch den 45-Jährigen am 5. Mai an die Ärzte der Medizinischen Hochschule Hannover versandte Mail erfülle dagegen nicht den Tatbestand der Bedrohung. Das Verfahren wurde eingestellt, wie es weiter hieß.

Tatverdächtiger ist türkischer Staatsbürger

Im Sorgerechtsstreit um das dreimonatige Kind steht zudem noch eine Entscheidung des Oberlandesgerichts (OLG) Celle aus. Beide Elternteile hätten Beschwerde gegen ein familiengerichtliches Eilverfahren vom Amtsgericht Neustadt am Rübenberge eingelegt, bestätigte eine Sprecherin des OLG. Das Amtsgericht hatte unter anderem angeordnet, dass die Kindsmutter und die Tochter gemeinsam in einer Mutter-Kind-Einrichtung untergebracht werden sollen. Zudem bestätigte man, dass den Eltern die Gesundheitssorge entzogen bleibt.

Der mutmaßliche Täter und Vater der Tochter hielt sich zuletzt in Garbsen bei Hannover auf. Trotz der Geburt in Deutschland habe er nur die türkische Staatsbürgerschaft. Der 45-Jährige war am Montag in der Jugendhilfeeinrichtung erschienen, weil es bei einem Termin um den Umgang mit seiner Tochter gehen sollte.

Auseinandersetzung mit Klinik

Hintergrund war eine Strafanzeige der behandelnden Klinik in Hannover. Dort soll ein behandelnder Arzt den Verdacht geäußert haben, das Kind leide unter den Folgen eines Schütteltraumas, das durch einen gewaltsamen Akt entstanden sein könnte. Die Eltern hingegen sollen dem Vorwurf widersprochen haben. Im Zuge der mehrwöchigen Behandlung des Kindes soll es unterschiedliche Auffassungen zwischen Eltern und Ärzten gegeben haben. So soll der Vater des Kindes laut dem Recherchenetzwerk NDR, WDR und SZ die Polizei eingeschaltet haben, um eine Notoperation zu verhindern.

Beide Parteien bemühten denn auch die Staatsanwaltschaft. Ärzte der Klinik erstatteten demnach am 22. April bei der Polizei Anzeige gegen den 45-Jährigen, weil sie sich unter anderem durch sein aggressives Verhalten bedroht gefühlt hätten. Am 18. Mai habe wiederum der Vater seinerseits Strafanzeige gegen fünf Krankenhaus-Beschäftigte gestellt. Darin gehe es etwa um falsche Verdächtigungen, teilt die Staatsanwaltschaft weiter mit.

Patentante steuerte den Fluchtwagen - Verwandte von SPD-Mann

Bei dem Besuchstermin in der Jugendhilfeeinrichtung am Montagmittag sollte eigentlich das weitere Prozedere im Umgang mit dem Baby geklärt werden. Fatih G., das ergaben laut Medienberichten die Ermittlungen, soll sich im Vorfeld eine Pistole für 4000 Euro beschafft haben. Wohl als die Dinge nicht so verliefen, zückte er mutmaßlich die Waffe und drückte ab. Vier Männer und zwei Frauen starben.

Der Tatverdächtige versuchte mit einem Mercedes zu fliehen, wurde aber alsbald gestellt. Wie sich herausstellte, hatte ihn eine 65-jährige Frau zu dem Termin gefahren. Nach ihren eigenen Angaben ist sie die Patentante des Kleinkindes und hatte im Vorfeld an mehrere Redaktionen ein 20 Seiten langes Pamphlet versandt. Darin machte sie den Behörden und der Staatsanwaltschaft Vorwürfe, dass man Fatih G. Unrecht getan und mit falschen Verdächtigungen überzogen habe.

Inzwischen stellte sich heraus, dass es sich um die Schwiegermutter eines bekannten Politikers aus dem niedersächsischen Landtag handelt.

Deniz Kurku, 43 und SPD-Abgeordneter, fungiert gleichzeitig als Landesbeauftragter für Migration und Teilhabe. Über seinen Anwalt machte er in einer Pressemitteilung schnell klar, dass er „selbstverständlich keine Erkenntnisse vor der Tat von der möglichen Tat“ hatte. Allen Opfern, ihren Angehörigen, den ihnen nahestehenden Personen und all jenen, die diese schreckliche Tat miterleben mussten sprach er seine „tief empfundene Anteilnahme“ aus.

Rolle der Mutter und der Patentante ist unklar - Mordermittlungen

Ein Sprecher der Landesregierung teilte dem NDR auf Nachfrage mit, die familiäre Verbindung habe keine unmittelbaren Auswirkungen auf die ehrenamtliche Tätigkeit von Deniz Kurku als Landesbeauftragter. Kurku sei hoch anerkannt und führe seine Aufgabe „mit größtem, persönlichem Engagement aus“. Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) wünschte dem Parlamentarier und seiner Familie die notwendige Kraft für die Bewältigung dieser äußerst schweren Situation. Er habe richtig handelt, „offen zu informieren, dass seine Schwiegermutter in das Geschehene verwickelt ist“, betonte Lies. Kurku selbst treffe keine Schuld, so der Ministerpräsident weiter.

Nach wie vor stellt sich die Frage nach der Rolle der Schwiegermutter des SPD-Politikers bei der Tat.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt zwar gegen die Frau, inzwischen auch wegen Mordes, hat aber keinen Haftbefehl erlassen. Die Mitsechzigerin beteuert, nichts von den Mordplänen ihres Bekannten gewusst zu haben. Auch sei er nach den tödlichen Schüssen in ihr Auto gestiegen und habe sie mit vorgehaltener Pistole aufgefordert, loszufahren.  Und ähnlich mysteriös ist die Rolle der Mutter des Kindes, gegen die jetzt ebenfalls wegen Mordes ermittelt wird

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