Am Dienstag fand ein Gedenkgottesdienst für die Opfer der Bluttat von Stade statt. Eine Kollegin der Opfer fand dabei gegenüber FOCUS online besonders bewegende Worte.
Am Dienstag fand ein Gedenkgottesdienst für die Opfer der Bluttat von Stade statt. Eine Kollegin der Opfer fand dabei gegenüber FOCUS online besonders bewegende Worte.
Auch für die drei Monate alte Tochter des mutmaßlichen Täters wird eine Kerze entzündet, ebenso wie eine für die Polizisten, Ärzte und zahlreichen Einsatzkräfte, die mit der Tat und ihren Folgen konfrontiert waren und sind.
„Uns allen ist sehr bewusst: Es wird viel Zeit brauchen, bis diese Wunde langsam heilen kann”, sagt Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies. „Nichts ist mehr so, wie es gestern Morgen noch war.”
Die Namen der Opfer werden an diesem Abend nicht genannt. „Die sechs Toten“, derer hier gedacht wird und die wohl einige der hier Anwesenden gut kennen, sind und bleiben anonym. Das geschieht aus Diskretion und wohl auch zum Schutz der Angehörigen.
Die Kirche ist dennoch voll an diesem Dienstagabend, viele finden keinen Platz mehr und bleiben stehen. Man sieht verweinte Augen, hört das Rascheln von Taschentüchern, Menschen halten sich gegenseitig im Arm.
Manche haben Blumen mitgebracht, um damit der Opfer zu gedenken. In der Stille zwischen den Gebeten könnte man eine Stecknadel fallen hören, wären da nicht auch ein paar Kleinkinder, die ihre fröhlichen Kleinkindgeräusche machen – und damit auch schmerzlich daran erinnern, wo die Bluttat eigentlich stattgefunden hat. In einer Einrichtung für Kinder- und Jugendhilfe, wo Mütter mit ihren Kindern Schutz und Hilfe finden sollten. Ihre Helfer, die Mitarbeitenden der Einrichtung und des Jugendamtes, sind nun: „die sechs Toten“.
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Nach der Andacht stehen viele Menschen noch vor der Kirche zusammen. Eine von ihnen ist eine ehemalige Mitarbeiterin der Einrichtung, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte (der Redaktion bekannt).
Auch sie weint um ihre früheren Kollegen. Sie kennt die Gespräche wie das, das am Montagmittag in einem Blutbad endete. Ein Hilfeplangespräch, kurz HPG, soll dabei helfen, herauszufinden, was Familien in ihren spezifischen Situation brauchen. „In einem solchen Gespräch sehen wir die Nöte der Mutter und des Kindes – sind aber trotzdem nicht gegen den Vater.”
Und dann sagt sie einen Satz, den vielleicht nur Menschen verstehen können, die selbst in einem helfenden Beruf arbeiten und die Gespräche mit Eltern erlebt haben: „Wenn einem das Sorgerecht für sein Kind entzogen wird, ist man in einem Ausnahmezustand. Vielleicht war seine einzige Ressource, damit umzugehen, die Gewalt.”
Dass ausgerechnet jene, die eigentlich dort waren, um zu helfen, nun tot sind, ist das Bestürzende an der Tat. Viele Kollegen habe sie in der Andacht nicht gesehen, sagt sie noch. „Die können einfach noch nicht.“
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