Melinda Kemmann aus Wevelinghoven ist Turnerin, Trainerin und Talent. Sie trainiert drei bis viermal die Woche das Rhönradturnen. Demnächst könnte sie sich für die Weltmeisterschaft qualifizieren. Mit dem „Rhönrad-Fieber“ hat die 14-Jährige auch schon ihre Eltern angesteckt.
Melinda Kemmann beim Turnen in der Disziplin „Spirale“.
Foto: privatWevelinghoven · Melinda Kemmann aus Wevelinghoven ist Turnerin, Trainerin und Talent. Sie trainiert drei bis viermal die Woche das Rhönradturnen. Demnächst könnte sie sich für die Weltmeisterschaft qualifizieren. Mit dem „Rhönrad-Fieber“ hat die 14-Jährige auch schon ihre Eltern angesteckt.
Melinda Kemmann steht im Rhönrad und dreht sich. Das 2,05 Meter große Turngerät legt sie bewusst in Schieflage und befindet sich etwa im 60-Grad-Winkel zum Boden. Sie macht einen Spagat, während sich das Rad kontinuierlich weiterdreht. Nun verkleinert sie den Kreis und ihr Gesicht befindet sich nur noch etwa einen Meter vom Boden entfernt. Das Rad dreht sich wie eine Münze, die zu Boden fällt. Doch zum Fallen kommt es nicht. Sie richtet das Rhönrad im Drehen wieder auf und beendet ihre Kür.
Schon ihr halbes Leben macht die 14-Jährige diesen Sport. „Ich hab‘ sofort gemerkt, das ist das Richtige für mich“, sagt sie. Mit sechs Jahren hat die Grevenbroicherin mit dem Rhönradturnen angefangen. Sie kam durch die WDR-Serie „Kann es Johannes?“ auf die Idee, Rhönradturnen auszuprobieren. In der Kinderserie lässt sich der Moderator Johannes Büchs zwei Tage lang einen Sport von einem Kind beibringen. Am Ende legt er eine Prüfung ab. Der Deutsche Turner-Bund verweist auf seiner Internetseite sogar auf die Episode. Rhönräder haben einen Durchmesser von 1,30 bis 2,45 Meter.
„Das Tolle am Rhönradturnen ist die Kombination aus allem: Man muss immer auf das Rad achten, verschiedene Schwerpunkte setzen und auf das Timing achten“, erzählt die Leistungssportlerin des TV Germania Liedberg aus Korschenbroich. Erst vor wenigen Wochen, am 20. Juni, hat Melinda auf der Deutschen Jugendmeisterschaft den neunten von 25 Plätzen erreicht.
Melinda Kemmann bei ihrem Erfolg auf den Deutschen Jugendmeisterschaften. Sie belegte den 9. Platz.
Foto: privat
Melindas Trophäensammlung mit Glückshase. Den hat sie von ihrer alten Trainierin geschenkt bekommen.
Foto: Kerstin KleinfeldVor vier Jahren ist sie bei ihrer ersten Meisterschaft angetreten. Diese Saison hat sie den Sprung von der Landes- in die Bundesklasse geschafft. „Man kann sich vorstellen, dass die Bundesklasse die Erste Liga ist und die Landesklasse die Zweite.“ Beim Deutschland-Cup, der zur Landesklasse gehört, hat sie 2025 den dritten Platz belegt. Sie ist aktuell die Einzige in ihrem Verein, die in der höheren Klasse antritt.
„Ich hätte nicht damit gerechnet, dass ich mich im ersten Jahr der Bundesklasse direkt für die Deutschen Jugendmeisterschaft qualifiziere“, sagt sie. „Ich bin sehr stolz.“ Denn der Weg ging von den NRW-Meisterschaften über die Norddeutsche Meisterschaft bis hin zur Deutschen Meisterschaft. In der Bundesklasse trainiert sie nun für alle drei Disziplinen des Rhönradturnens: Geradeturnen, Spirale und Sprung. Zuvor waren es zwei.
Beim Geradeturnen rollen die Athleten das Rhönrad vorwärts und rückwärts und turnen dabei im und auf dem Rad. Bei der Spirale drehen sie sich erst in einem Winkel von 60 Grad und anschließend in einem Winkel von unter 30 Grad. Hier ist das Rhönrad 15 Zentimeter kleiner, damit man sich besser stützen kann. „Am Anfang hatte ich Angst, bei der Spirale umzukippen, aber mit der Zeit habe ich gelernt, auf mich zu vertrauen“, erzählt Melinda. Die letzte Disziplin ist der Sprung: Hier bringt die turnende Person das Rad ins Rollen. Die Athleten laufen an, schwingen sich auf das Rad und machen von dort einen Sprung auf eine Matte. Das kann zum Beispiel ein Salto oder eine Schraube sein.
Für ihren Sport trainiert Melinda drei bis viermal die Woche für gute zwei Stunden. Abseits vom eigenen Training bringt sie auch noch jüngeren Athletinnen das Rhönradturnen bei. In ihrem alten Verein SG Gierath in Jüchen zeigt sie Sechs- bis Neunjährigen, wie man die Disziplinen richtig ausführt. „Ich würde sehr gerne den Trainerschein machen“, sagt die 14-Jährige. Aber dafür muss sie noch zwei Jahre warten. Allerdings macht sie bereits den Schein zur Trainerassistentin. Mit dem „Rhönrad-Fieber“ hat sie auch ihre Eltern angesteckt. Ihre Mutter hat einen Trainerschein gemacht und trainiert ebenfalls bei der SG Gierath. Melindas Ziel ist es, irgendwann auf der Weltmeisterschaft zu turnen. Das könnte schon in einem Jahr sein, da man sich ab 15 Jahren qualifizieren kann.
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