Der Traditionsbetrieb Allroggen in Wevelinghoven feiert sein 50-jähriges Bestehen. Dafür hat sich die Familie etwas Besonderes einfallen lassen: Sie lädt zu einem Theater, das sich explizit an Kinder richtet – und den Jüngsten die Angst vor einem Tabuthema nehmen soll.
Laura und Rita Allroggen mit einer Urne aus Dinkel.
Foto: AllroggenWevelinghoven · Der Traditionsbetrieb Allroggen in Wevelinghoven feiert sein 50-jähriges Bestehen. Dafür hat sich die Familie etwas Besonderes einfallen lassen: Sie lädt zu einem Theater, das sich explizit an Kinder richtet – und den Jüngsten die Angst vor einem Tabuthema nehmen soll.
Das Bestattungsunternehmen Allroggen begeht in diesem Jahr sein Silberjubiläum: Vor 50 Jahren hat Willi Allroggen, von Haus aus Tischler, das Bestattungshaus Münchrath inklusive Schreinerei und Büro an der Poststraße übernommen. Heute führt seine Tochter Rita das Geschäft. Teil des Familienbetriebs sind ihr Mann Holger und ihre Tochter Laura. „Die Arbeit, die meine Eltern gemacht haben, hat mich seit Kindheitstagen geprägt“, sagt Rita Allroggen, die das Lebenswerk ihrer Eltern fortführt. Das 50-jährige Bestehen des Betriebs erfüllt die Familie mit Stolz. Nur: Wie feiert man so ein Jubiläum als ein Unternehmen, das Kunden meist dann aufsuchen, wenn ihnen ganz und gar nicht zum Feiern zumute ist? Mit dieser Frage haben sich auch die Allroggens beschäftigt – und eine bemerkenswerte Lösung gefunden.
„Wir wollten keine große Party“, sagt Laura Allroggen. Stattdessen entschieden sich die Wevelinghovener für ein Figurentheater, das sich explizit an Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren richtet. Wie passt das zusammen? Wie Laura Allroggen berichtet, hat sie kürzlich eine Fachmesse für das Bestattungswesen besucht – eine Messe, auf der auch ein Figurentheater mit dem Titel „Die besten Beerdigungen der Welt“ präsentiert wurde. Es ist angelehnt an den gleichnamigen Kinderbuchklassiker von Ulf Nilsson, den die Familie bereits kannte. So war die Idee geboren, das Theaterstück, bei dem Kinder schonend an das Thema Tod herangeführt werden, nach Wevelinghoven zu holen.
Im Figurentheater, aufgeführt von „Fithe“ aus Ostbelgien, geht es um die Beerdigung einer Hummel. Es ist kein bitterernstes Stück, wie Laura Allroggen beschreibt: Es soll durchaus humorvoll sein, sich aber dennoch sorgsam mit der sensiblen Thematik auseinandersetzen. „Der Tod als Tabu wird aufgebrochen“, sagt sie. Und Mutter Rita Allroggen ergänzt: „Das Stück beantwortet auch Fragen, die sich viele Kinder stellen, die aber von den Eltern oft nur schwer beantwortet werden können.“ Geplant ist die circa 50-minütige Aufführung für Samstag, 19. September, 14 Uhr, im Martinus-Forum. Es ist eine kostenfreie Veranstaltung, allerdings ist eine vorherige Anmeldung nötig – und zwar telefonisch, das ist Rita Allroggen wichtig, weil sie gern den persönlichen Kontakt pflegt. Die Rufnummer lautet 02181 73737.
Losgelöst von der außergewöhnlichen Aktion geht das Bestattungshaus Allroggen neue Wege. Das liegt auch im Wandel begründet, mit dem die Branche konfrontiert ist. So stellt Allroggen keine Holzsärge mehr aus. „Das liegt daran, dass die Nachfrage nach Erdbestattungen zurückgeht. Zudem müssen wir uns mit anderen, nachhaltigeren Bestattungsformen beschäftigen.“ Diese gewinnen mehr und mehr an Bedeutung. So seien mittlerweile etwa Urnen aus Dinkel eine natürliche Alternative. Die Urnen lassen sich individuell gestalten – ein Faktor, dem auch die Kundschaft eine immer größere Bedeutung beimisst.