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Дата публикации: 01-02-2026 22:03:00

Alltägliche Apps sammeln Bewegungsdaten in gigantischem Ausmaß – und machen daraus ein lukratives Überwachungsgeschäft mit Folgen für Sicherheit, Privatsphäre und Demokratie.

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Alltägliche Apps sammeln Bewegungsdaten in gigantischem Ausmaß – und machen daraus ein lukratives Überwachungsgeschäft mit Folgen für Sicherheit, Privatsphäre und Demokratie.

Ihr Smartphone verrät mehr über Sie, als Sie denken. Eine investigative Recherche von „Le Monde” enthüllte kürzlich, wie Werbedaten die Identitäten und täglichen Bewegungen französischer Polizisten, Militärangehöriger und sogar Mitglieder von Eliteeinheiten offenlegten. 

Das Erschreckende: Die Betroffenen hatten nichts falsch gemacht – sie nutzten einfach ganz normale Apps auf ganz normalen Smartphones.

Das gigantische Ausmaß der Datensammlung

Die Zahlen sind erschütternd: Laut der US-Handelsaufsicht FTC sammeln allein die Datenhändler Gravy Analytics und Venntel täglich mehr als 17 Milliarden Standortsignale von rund einer Milliarde Smartphones weltweit. Bei einer gemeinsamen Untersuchung von „Wired”, Bayerischer Rundfunk und „Netzpolitik.org” konnte ein Datensatz mit 3,6 Milliarden Standortkoordinaten erworben werden – erfasst im Millisekundenintervall mit metergenauer Präzision von bis zu 11 Millionen Geräten in Deutschland innerhalb nur eines Monats.

Die Datenerfassung erfolgt über sogenannte Software Development Kits (SDKs), die App-Entwickler in ihre Anwendungen einbauen. 

Ob Wetter-Apps, Navigations-Tools, Spiele oder Fitness-Tracker – viele dieser scheinbar harmlosen Programme sammeln kontinuierlich GPS-Daten und verkaufen diese an Werbefirmen weiter.

Wie aus anonymen Daten Identitäten werden

Jedes Smartphone besitzt eine eindeutige Werbe-ID: die AAID bei Android-Geräten und die IDFA bei Apple. Diese Kennung wurde ursprünglich geschaffen, um personalisierte Werbung zu ermöglichen, ohne direkt persönliche Daten zu verknüpfen. Doch die Realität sieht anders aus.

Eine ganze Industrie hat sich darauf spezialisiert, diese vermeintlich anonymen Werbe-IDs mit persönlichen Informationen anzureichern. Der Prozess wird in der Forschung als „Mobility-Pattern-Deanonymisierung” bezeichnet: Durch die Analyse von Bewegungsmustern – welches Fitnessstudio besucht wird, welche Bars frequentiert werden, wo gearbeitet wird – lassen sich Identitäten rekonstruieren. Tägliche Routinen sind so einzigartig wie ein Fingerabdruck.

Welche Behörden diese Daten bereits nutzen

In den USA ist der staatliche Zugriff auf kommerzielle Standortdaten längst Realität. Das Heimatschutzministerium (DHS), die Zoll- und Grenzschutzbehörde (CBP), die Einwanderungsbehörde ICE, der Secret Service, das FBI und sogar das Finanzministerium haben Verträge mit Datenanbietern wie Babel Street abgeschlossen.

Die internationale Dimension

Die Recherche von „Wired” und „Netzpolitik.org” deckte auf, dass präzise Standortdaten von US-Militär- und Geheimdienstpersonal auf deutschen Luftwaffenstützpunkten – darunter Standorte, an denen vermutlich US-Atomwaffen gelagert werden – zum Verkauf standen. 

Die Daten stammten von der litauischen Werbefirma Eskimi und wurden über den US-Datenbroker Datastream in Florida vertrieben.

Wenn Kriminelle mitlesen

Die gleichen Daten, die Behörden nutzen, können auch in falsche Hände geraten. Die US-Handelsaufsicht FTC warnt ausdrücklich: Kriminelle können Standortdaten für Phishing-Angriffe, Identitätsdiebstahl oder physische Übergriffe missbrauchen. 

Stalker nutzen diese Informationen, um ihre Opfer aufzuspüren. Das Stalking Prevention Awareness & Resource Center schätzt, dass jährlich 1,5 Millionen Amerikaner durch Technologie verfolgt werden.

Was Nutzer tun können – und warum iPhones nur bedingt sicherer sind

Apple führte 2021 mit der „App Tracking Transparency” (ATT) eine wichtige Schutzfunktion ein: Apps müssen seither aktiv um Erlaubnis fragen, bevor sie Nutzer tracken dürfen. Laut Electronic Frontier Foundation (EFF) entscheiden sich rund 85 Prozent der Nutzer weltweit gegen das Tracking – in den USA sogar 94 Prozent. 

Vor der Einführung von ATT nutzten nur etwa 20 Prozent die versteckte Opt-out-Option. Die Funktion kostete Meta (Facebook) nach eigenen Angaben mehrere Milliarden Dollar an Werbeeinnahmen.

Doch die Werbeindustrie schlägt zurück – und zwar erfolgreich. In Europa haben intensive Lobbyaktivitäten dazu geführt, dass Apple mit massiven Strafen konfrontiert wird: Frankreich verhängte im März 2025 eine Geldbuße von 150 Millionen Euro, Italien folgte im Dezember 2025 mit 98,6 Millionen Euro. Auch Deutschland und Polen haben Verfahren eingeleitet. 

Die Begründung: ATT verschaffe Apple einen unfairen Wettbewerbsvorteil gegenüber Werbetreibenden. Apple warnte daraufhin, dass „intensive Lobbyarbeit in Deutschland, Italien und anderen europäischen Ländern” das Unternehmen zwingen könnte, die Datenschutzfunktion für europäische Nutzer abzuschalten.

Grundsätzlich gilt: iPhones bieten durch ATT mehr Schutz als Android-Geräte. Bei Android ist die Werbe-ID standardmäßig für alle Apps zugänglich – Nutzer müssen aktiv in den Einstellungen widersprechen. 

Eine Studie zeigte, dass der Zugriff auf die Werbe-ID bei Android-Apps deutlich weiter verbreitet ist als bei iOS. Allerdings sammelt auch Apple selbst Nutzerdaten für eigene Werbezwecke.

  • Konkrete Schutzmaßnahmen für iPhone-Nutzer: Unter Einstellungen → Datenschutz & Sicherheit → Tracking kann geprüft werden, welche Apps Tracking-Zugriff haben. Die Option "Apps erlauben, Tracking anzufordern" sollte deaktiviert sein. Zusätzlich empfiehlt die EFF, unter Einstellungen → Datenschutz & Sicherheit → Apple-Werbung die personalisierte Werbung zu deaktivieren.
  • Für Android-Nutzer: Seit Android 12 kann die Werbe-ID dauerhaft gelöscht werden unter Einstellungen → Datenschutz → Werbung → Werbe-ID löschen. Dies verhindert, dass Apps künftig darauf zugreifen können.
  • Für alle Nutzer gilt: Standortdienste bei Nicht-Gebrauch deaktivieren, App-Berechtigungen regelmäßig überprüfen. In Kalifornien können Verbraucher seit Januar 2026 über die Plattform DROP bei allen registrierten Datenbrokern gleichzeitig die Löschung ihrer Daten beantragen.

Doch selbst diese Maßnahmen bieten keinen vollständigen Schutz. Wie Zach Edwards, Sicherheitsanalyst bei Silent Push, es ausdrückt: „Werbefirmen sind lediglich Überwachungsunternehmen mit besseren Geschäftsmodellen.” 

Solange keine strengeren Datenschutzgesetze greifen – und solange die Werbeindustrie erfolgreich gegen bestehende Schutzmechanismen lobbyiert – bleibt die Massenüberwachung durch kommerzielle Daten ein ungelöstes Problem.

Hermann Sauer ist IT-Sicherheitsexperte engagiert sich seit über 20 Jahren für Datenschutz und Online-Anonymität. Er ist Teil unseres Expertennetzwerks EXPERTS Circle.

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