Hauptkamera für den weiten Blick, Telekamera für entfernte Details: Die Insta360 Luna Ultra setzt auf zwei Perspektiven. Wie gut das funktioniert, klärt COMPUTER BILD im Praxis-Test.
Hauptkamera für den weiten Blick, Telekamera für entfernte Details: Die Insta360 Luna Ultra setzt auf zwei Perspektiven. Wie gut das funktioniert, klärt COMPUTER BILD im Praxis-Test.
Die Insta360 Luna Ultra überzeugt vor allem mit ihrer zweiten Kamera: Entfernte Motive zeigt sie sichtbar detailreicher als eine am Computer vergrößerte Aufnahme der Hauptkamera. Dazu hält der Gimbal Geh- und Laufaufnahmen ruhig, und im gemischten Betrieb sind rund zwei Stunden Laufzeit drin. Grenzen gibt es beim maximalen 12-fachen Zoom, bei bewusst hektischen Schwenks und nach 52 Minuten 8K-Daueraufnahme, wenn die Kamera eine Hitzepause einlegt. Wer gezielt entfernte Motive filmen will, bekommt einen echten Mehrwert. Wer die Telekamera kaum nutzt, schöpft den wichtigsten Vorteil der Luna Ultra nicht aus. Insgesamt hinterließ sie im Praxis-Test einen sehr guten Eindruck.
Pro
Kontra
Mit zwei Kameras wagt Insta360 einen ungewöhnlichen Schritt bei den kompakten Gimbal-Kameras. Ob die zusätzliche Telekamera im Alltag tatsächlich Vorteile bringt, zeigt der Praxis-Test von COMPUTER BILD.
Wandert der Trend zu immer mehr Kameras vom Smartphone jetzt auch zu den Mini-Gimbals? Offenbar schon. Die Idee dahinter kennt man aus der klassischen Fotografie: Soll viel aufs Bild, setzen Fotografen ein Weitwinkelobjektiv an die Kamera. Für entfernte Motive tauschen sie es gegen ein Objektiv mit längerer Brennweite. Die Luna Ultra macht diesen Objektivwechsel überflüssig. Die zweite Kamera hat das Teleobjektiv praktisch schon fest eingebaut.

Direkt nebeneinander wirken die beiden Kameras fast wie ein kleines Augenpaar.
Foto: COMPUTER BILD
Auf dem Fußballplatz wird der Unterschied sofort deutlich. Die Hauptkamera zeigt so viel wie eine Kleinbildkamera mit 20-Millimeter-Objektiv – damit haben Sie gleich einen großen Teil des Platzes im Bild. Die Telekamera entspricht einem 60-Millimeter-Objektiv und holt gezielt einzelne Spieler oder entfernte Spielszenen näher heran.
Auch im Inneren unterscheiden sich die Kameras. Die Hauptkamera arbeitet mit einem größeren 1-Zoll-Sensor und einer f/1,8-Optik. Die Telekamera hat einen kleineren 1/1,3-Zoll-Sensor und eine etwas lichtschwächere f/2,0-Optik. Beides spricht für die Hauptkamera bei wenig Licht: Sie kann mehr Licht aufnehmen und erzielt dadurch meist die bessere Bildqualität.
Im Bildtest zeigten sich die Folgen dieser Unterschiede. Bei Tageslicht liefert die Luna Ultra ein scharfes Bild. Kanten wirken sauber, feine Muster bleiben klar erkennbar. Richtig knackig wirkt das Video aber nicht immer: Die Kontraste fallen eher zurückhaltend aus, dadurch fehlt manchen Aufnahmen der letzte Biss.

Die Aufnahme zeigt viele Details. Selbst beim Hineinzoomen bleiben Konturen klar.
Foto: COMPUTER BILD
Bei wenig Licht bleibt das Rauschen zunächst unauffällig. Wird es finsterer, nimmt es sichtbar zu. Die Luna Ultra hellt dunkle Bereiche zwar kräftig auf, das Bild wirkt dadurch aber nicht immer natürlich. Gegen das Rauschen hilft der Aufnahmemodus "PureVideo". Er reduziert die Störungen, stellt die Szene aber deutlich dunkler dar. Der normale Videomodus zeigt mehr von der Umgebung, rauscht dafür stärker.
Eine stärkere Vergrößerung allein garantiert noch keine bessere Bildqualität. Schluckt die Vergrößerung feine Details, bringt auch das nähere Bild wenig. Im Test musste die Telekamera deshalb gegen eine am Computer vergrößerte Aufnahme der Hauptkamera antreten. Das Ergebnis: Die Telekamera zeigte entfernte Motive sichtbar detailreicher. Einzelne Dachziegel und Fensterrahmen ließen sich besser erkennen.

Das Weitwinkelobjektiv bekommt das komplette Axel-Springer-Hochhaus in Berlin aufs Bild.
Foto: COMPUTER BILD
Zwischen Haupt- und Telekamera wechseln Sie per Taste oder über das Display – auch während der Aufnahme. Der Wechsel von einer Kamera zur anderen bleibt aber sichtbar: Dabei springt die Helligkeit leicht. Das fiel im Test auf, störte aber kaum. In einigen Modi ist der Kamerawechsel eingeschränkt oder gar nicht möglich, etwa bei Zeitlupe.

Bei maximaler Vergrößerung leidet zwar die Detailzeichnung, das Motiv bleibt aber klar erkennbar.
Foto: COMPUTER BILD
Für zusätzliche Vergrößerung wirbt Insta360 mit einem bis zu 6-fachen "verlustfreien" Zoom. Im Test blieben die Aufnahmen bis zu dieser Stufe detailreich. Darüber hinaus lässt die Qualität nach: Beim maximalen 12-fachen Zoom verschwanden feine Details. Wer möglichst viele davon erhalten will, sollte diese Einstellung meiden. Ein durchgehend verstellbares Zoomobjektiv ersetzt die Luna Ultra nicht. Sie springt zwischen zwei festen Brennweiten – den Rest erledigt die Software.
Der Gimbal ist das mechanische Stabilisierungssystem der Luna Ultra. Kleine Motoren gleichen eine unruhige Hand und die Bewegungen beim Gehen aus. Im Test wirkten Gehaufnahmen ruhig, selbst beim Laufen blieb das Bild stabil. Sichtbar blieb nur ein leichtes Auf und Ab im Takt der Schritte. Eine zusätzliche Stabilisierung im Schnitt war für normale Aufnahmen aus der Hand nicht nötig.
Bei Teleaufnahmen zählt die Stabilisierung besonders: Der enge Bildausschnitt verzeiht kleine Wackler weniger, weil das Motiv schneller durchs Bild springt. Im Test hielt die Luna Ultra entfernte Motive trotzdem ruhig im Bild.

Mit Akkugriff wächst die kompakte Luna Ultra ordentlich in die Länge.
Foto: COMPUTER BILD
An seine Grenze kam der kleine Gimbal erst, als wir es bewusst darauf anlegten: Bei abrupten Richtungswechseln und schnellen Schwenks aus dem Handgelenk ruckelte das Bild sichtbar. Können die Motoren die Bewegung nicht mehr ausgleichen, springt das Bild. Für ruhige Kamerafahrten und kontrollierte Bewegungen eignet sich die Luna Ultra deshalb deutlich besser als für hektische Schwenks.
8K-Auflösung über fast eine Stunde – das fordert die kleine Luna Ultra ordentlich. Im Dauertest hielt sie 52 Minuten durch. Nach 30 Minuten legte die Kamera automatisch eine neue Datei an, die Aufnahme lief aber praktisch lückenlos weiter. Weitere 22 Minuten später war Schluss: Die Luna Ultra unterbrach die Aufnahme mit einer Hitzemeldung und brauchte eine kurze Abkühlpause. Für normale Clips ist das kein Problem. Wer Veranstaltungen oder lange Gespräche am Stück in 8K filmt, muss die Hitzepause einplanen.

Bei Überhitzung ist Schluss: "Got it" bestätigt lediglich die Warnung.
Foto: COMPUTER BILD
Anschließend nahm die Luna Ultra in Full HD mit 30 Bildern pro Sekunde weitere 68 Minuten auf. Dann war der Akku leer. Zusammen mit der vorherigen 8K-Aufnahme sind damit in einem gemischten Aufnahmeszenario rund zwei Stunden drin.
Trotz der zwei Kameras bleibt die Luna Ultra handlich: Sie misst 5,2x17x3,9 Zentimeter und wiegt 233 Gramm. Das Kunststoffgehäuse wirkt stabil und sauber verarbeitet. Kleine Komfortmacken bleiben: Die flachen Tasten sind gerade mit großen Händen schwer zu ertasten. Bei quer gedrehtem Display drückt zudem die Gehäuseunterseite gelegentlich gegen den Daumen. Bei kurzen Clips stört die Kante kaum, bei längeren Aufnahmen schon.

COMPUTER BILD wiegt die Luna Ultra auf der Feinwaage.
Foto: COMPUTER BILD
Ein echter Clou ist das abnehmbare Display. Die Kamera bleibt auf dem Stativ, der Bildschirm kommt mit. So lassen sich Bildausschnitt und Aufnahme bequem aus der Entfernung kontrollieren. Im Test funktionierte die Verbindung zuverlässig und blieb selbst quer durch das Großraumbüro von COMPUTER BILD stabil.
Zum guten Video gehört verständlicher Ton. Für kurze Clips reichen die eingebauten Mikrofone: Stimmen blieben im Test gut verständlich, klangen aber etwas dünn und hallig. Mit dem Funkmikrofon klangen sie voller und wärmer. Auf der windigen Dachterrasse dämpfte der mitgelieferte Windschutz die störenden Windgeräusche deutlich, ganz verschwanden sie aber nicht.

Was auf dem Mikrofon angezeigt wird, lässt sich in der App festlegen.
Foto: COMPUTER BILD
Auch das abnehmbare Display nimmt Ton auf. Dafür muss es jedoch nah an den Mund – dann gelingen ordentliche Sprachaufnahmen. Für Vlogs, Interviews und Moderationen bleibt das Funkmikrofon die bessere Wahl: Es sitzt näher am Sprecher und liefert den klareren, verlässlicheren Ton.
Von der Grundausstattung bis zum umfangreichen Zubehörpaket: Die Luna Ultra gibt es in mehreren Bundles. Wer einfach losfilmen will, greift zum Standard-Bundle für 729 Euro. Neben der Kamera sind Schutzhülle, Windschutz, Gewindegriff und Handschlaufe dabei.
Das Creator-Bundle für 929 Euro ergänzt die Grundausstattung um Funkmikrofon, Weitwinkellinse, Akkugriff und Tragetasche. Wer nur bestimmte Extras braucht, wählt eines der Spezialpakete – etwa das Ausdauer-Bundle für 829 Euro mit Akkugriff für längere Drehs oder das Vlog-Bundle für 858 Euro mit Funkmikrofon, Filter und Umhängegurt (alle Preise zum Testzeitpunkt). So gibt es zwischen Basis und umfangreicher Ausstattung passende Pakete für unterschiedliche Einsätze.
Insta360
701,89 EUR
Die Insta360 Luna Ultra überzeugt vor allem mit ihrer zweiten Kamera: Entfernte Motive zeigt sie sichtbar detailreicher als eine am Computer vergrößerte Aufnahme der Hauptkamera. Dazu hält der Gimbal Geh- und Laufaufnahmen ruhig und im gemischten Betrieb sind rund zwei Stunden Laufzeit drin. Grenzen gibt es beim maximalen 12-fachen Zoom, bei bewusst hektischen Schwenks und nach 52 Minuten 8K-Daueraufnahme, wenn die Kamera eine Hitzepause einlegt. Wer gezielt entfernte Motive filmen will, bekommt einen echten Mehrwert. Wer die Telekamera kaum nutzt, schöpft den wichtigsten Vorteil der Luna Ultra nicht aus. Insgesamt hinterließ sie im Praxis-Test einen sehr guten Eindruck.
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