Diese Zeiss-Kamera hängt am Baum, statt im Fotokoffer zu ruhen: Die Secacam 1 wacht an Zaun, Gartenhaus und Futterplatz. COMPUTER BILD prüft im Test, ob die Wildkamera dem großen Namen gerecht wird.
Diese Zeiss-Kamera hängt am Baum, statt im Fotokoffer zu ruhen: Die Secacam 1 wacht an Zaun, Gartenhaus und Futterplatz. COMPUTER BILD prüft im Test, ob die Wildkamera dem großen Namen gerecht wird.
Die Zeiss Secacam 1 macht ihren Job gut: Sie ist schnell eingerichtet, schickt Fotos per Mobilfunk aufs Handy und liefert auch nachts gute, detailreiche Aufnahmen, die Tagesfotos überzeugen ebenfalls. Die Schwächen sitzen aber an empfindlichen Stellen: Der Bildversand kostet nach dem Kauf weiter Geld, der Erfassungswinkel ist eingeschränkt, und im Sturztest brach die Antenne ab. Dennoch: Wer wissen will, was die Kamera nachts aufgenommen hat, bekommt eine Wildkamera, die ihre guten Aufnahmen bequem zum Handy schickt.
Pro
Kontra
Eine
Wildkameramuss für den richtigen Moment gerüstet sein: ein Rascheln am Waldrand, ein Tier am Futterplatz, eine Bewegung hinter dem Schuppen. Genau dann muss die Kamera auslösen – und die idealerweise gute Aufnahme ohne Umweg zum Handy schicken. Ob das bei der Zeiss Secacam 1 zuverlässig klappt, wie gut ihre Bilder tatsächlich sind und wo der Komfort endet, klärt COMPUTER BILD im Test.
Der Lieferumfang macht auf den ersten Blick einen guten Eindruck. Zum Testzeitpunkt kostete die Zeiss Secacam 1 rund 120 Euro. Dafür kommt sie fast einsatzbereit aus dem Karton: Die SIM-Karte für die Mobilfunkverbindung, und die Batterien stecken bereits im Gerät. Nutzer müssen nur den Kunststoffstreifen zwischen den Batteriekontakten herausziehen. Antenne und Baumgurt liegen bei.

In der harten Belastungsprobe des COMPUTER BILD-Tests waren die mitgelieferten Batterien schnell leer – Ersatzbatterien mussten ran.
Foto: COMPUTER BILD
Die Montage geht schnell: Gurt um Baum oder Pfosten legen, festziehen, Kamera ausrichten – fertig. Der Gurt passt an Stämme oder Pfosten mit 5 bis 56,7 Zentimetern Durchmesser und lässt sich sicher spannen. Beim Verschluss spart Zeiss sichtbar: Er wirkt einfacher verarbeitet als das Kameragehäuse. Gut: Ein Stativgewinde ist vorhanden. Für die feste Montage an Wand, Hütte oder Schuppen fehlt aber eine Halterung. Wer die Kamera nicht nur an einen Baum gurten will, muss daher selbst nachrüsten.

Sehr einfach anzulegen: Die Befestigung der Secacam erklärt sich von selbst.
Foto: COMPUTER BILD
Am Gehäuse selbst gab es im Test kaum etwas auszusetzen. Scharniere, Display und Tasten saßen sauber. Zur zusätzlichen Sicherung bringt die Secacam 1 zudem eine Schlossöse mit für ein Vorhängeschloss und eine PIN-Sperre, also eine Sperre per Zahlencode. Damit ist sie schnell einsatzbereit, gut zu befestigen und gegen schnellen Zugriff durch Unbefugte abgesichert. Die fehlende Wandhalterung bleibt aber die erste Lücke im Paket.
Nach der Montage entscheidet der Empfang darüber, ob die Zeiss Secacam 1 ihren größten Komfortvorteil ausspielt: Für den Bildversand in die App braucht sie Mobilfunk. Ohne Netz nimmt sie zwar weiter auf und speichert Fotos und Videos auf dem internen Speicher mit 32 Gigabyte. In der App erscheinen neue Aufnahmen dann aber nicht. Die Aufnahmen sind also nicht verloren – der Nutzer muss sie halt direkt von der Kamera holen. Das ist alles andere als komfortabel.

Alle Secacam-Modelle nutzen dieselbe App. Zu den Funktionen gehört die Tiererkennung, unten links im Bild.
Foto: COMPUTER BILD
Im Test führte die Zeiss-Secacam-App verständlich durch die Einrichtung. Nach wenigen Schritten waren Kamera und App verbunden, kurz darauf trafen die ersten Fotos ein. Darunter waren auch etliche Schnappschüsse vom Aufbau.
Auch direkt an der Kamera bleibt die Bedienung übersichtlich. Das Display zeigt ein kontrastreiches Menü, die wichtigsten Optionen finden Nutzer schnell. Das zählt draußen besonders: Die Kamera wird meist dort eingestellt, wo sie später aufnehmen soll – nicht am Schreibtisch.
Nach Montage, Netzcheck und Einrichtung folgt die Hauptdisziplin: den richtigen Moment erwischen. Zeiss nennt eine Auslösezeit von 0,35 bis 0,45 Sekunden. Das ist schnell, und bei einer Wildkamera zählt genau dieses Tempo: Huscht ein Tier durchs Bild, gibt es meist keine zweite Chance.

Für den Test ging es in die Höhe: Damit der Vergleich fair bleibt, hingen die Wildkameras direkt nebeneinander.
Foto: COMPUTER BILD
Die kurze Auslösezeit allein rettet nicht jedes Motiv. Mit 60 Grad Erfassungswinkel deckt die Secacam 1 nur einen eingeschränkten Bereich ab. Im
Tierpark Stendalstand sie direkt vor dem Waldrapp-Nest. Für diese Szene reichte das, weil die Kamera genau auf den erwarteten Punkt zeigte. Viel Reserve bleibt aber nicht: Steht sie zu weit seitlich oder zielt sie knapp vorbei, verpasst sie das Motiv trotz schneller Reaktion. Entscheidend ist also nicht ein breites Panorama, sondern die genaue Ausrichtung auf die Stelle, an der Bewegung zu erwarten ist.
Hat die Kamera ausgelöst, zählt die Bildqualität: Was lässt sich wirklich erkennen? Fotos speichert die Secacam 1 standardmäßig mit 3.072x1.728 Pixeln; in den Einstellungen sind bis zu 4.800x2.560 Pixel wählbar. Bei Tageslicht lieferte sie im Test gute Kontrollbilder. Im Waldrapp-Gehege blieben die roten Schnäbel, die Maserung der Holzkästen, der Stamm, dünne Zweige und die Steinmauer sauber sichtbar. Ganz knackig wirkt das Bild nicht, rechts im Testbild unten hellt es sichtbar auf. Für den Zweck reicht die Detailzeichnung aber locker.

Einen Fotopreis gewinnt die Secacam 1 nicht – für eine Wildkamera liefert sie dennoch sehr starke Bilder.
Foto: COMPUTER BILD
Nachts wird der Anspruch höher. Dann zählt weniger Farbe als Zeichnung: Auf den Aufnahmen trennt die Secacam 1 die Waldrappen noch sauber vom dunklen Holz und vom Hintergrund. Federkonturen, Schnäbel, Nistkästen und feine Äste verschwinden nicht in einer grauen Fläche. Genau hier spielt die Zeiss ihre Stärke aus.

Vor allem nachts spielt die Kamera ihre Stärke aus: Details bleiben klar erkennbar.
Foto: COMPUTER BILD
Videos nimmt die Kamera mit 1.920x1.080 Pixeln bei 30 Bildern pro Sekunde auf. Die Clips wirkten im Test bei Tag und im Nachtmodus ordentlich, bleiben aber eher Belegmaterial. Die stärkeren Argumente liefert die Secacam 1 bei Fotos.
Nach der Aufnahme kommt der Komfort, der die Zeiss von einfachen Wildkameras trennt: Neue Fotos landen per Mobilfunk direkt in der Secacam-App für
Androidund
iOS. Dort sehen Nutzer Batterie- und Speicherstand, ändern wichtige Einstellungen und bekommen Auswertungen zu den übertragenen Aufnahmen.
Für Nutzer heißt das: Ein Blick aufs Handy ersetzt den Weg zur Kamera. Ein Livebild gibt es aber nicht. Das ist die klare Komfortgrenze: Die Secacam 1 meldet Ereignisse, streamt aber nicht. Sie sehen also nicht sofort, was gerade vor der Kamera passiert.
Und dieser Komfort ist nicht vollständig im Kaufpreis enthalten. Der App-Service läuft über Credits, also Guthabenpunkte für übertragene Fotos, oder über ein monatliches Abo. Zum Testzeitpunkt kosteten 100 Credits 1,99 Euro, 1.000 Credits 16,99 Euro. Ein Abo mit 100 Fotos pro Monat startete bei 2,99 Euro. Wer die Kamera an einem Ort mit viel Bewegung vor der Linse montiert, sollte diese Folgekosten nicht als Kleingedrucktes abtun, sondern vor dem Kauf einplanen.

Für jeden etwas dabei: Das Abo lässt sich bei Zeiss sehr einfach abschließen.
Foto: Zeiss
Am Einsatzort zählt nicht nur das Bild. Regen, Staub und Stöße gehören bei einer Wildkamera zum Alltag. Die Beregnungsprobe meisterte die Secacam 1 problemlos. Die Schutzart IP66 ordnet das ein: Das Gehäuse ist staubdicht und gegen starkes Strahlwasser geschützt, aber nicht zum Untertauchen gedacht.

Ohne Antenne war's das mit der Verbindung: Für stabilen Empfang braucht die Secacam 1 die Antenne.
Foto: COMPUTER BILD
Deutlich schlechter sah es im Falltrommel-Test aus: COMPUTER BILD simulierte dafür wiederholte Stürze. Dabei fiel die Kamera zehnmal aus 80 Zentimetern Höhe. Danach war die Antenne abgebrochen, das Batteriefach sprang heraus. Für eine Outdoor-Kamera ist das ein harter Befund: Regen steckt die Secacam 1 weg, wiederholte Stürze nicht. Für den Outdoor-Anspruch ist das eine echte Schwäche. Eine Ersatzantenne gibt es zwar – zum Testzeitpunkt kostete sie 17 Euro.
Testsieger
Testsieger
Zeiss
115,00 EUR
Die Zeiss Secacam 1 macht ihren Job gut: Sie ist schnell eingerichtet, schickt Fotos per Mobilfunk aufs Handy und liefert auch nachts gute, detailreiche Aufnahmen, die Tagesfotos überzeugen ebenfalls. Die Schwächen sitzen aber an empfindlichen Stellen: Der Bildversand kostet nach dem Kauf weiter Geld, der Erfassungswinkel ist eingeschränkt, und im Sturztest brach die Antenne ab. Dennoch: Wer wissen will, was die Kamera nachts aufgenommen hat, bekommt eine Wildkamera, die ihre guten Aufnahmen bequem zum Handy schickt. So ist die Secacam 1 am Ende die aktuell beste von COMPUTER BILD geprüfte Wildkamera.
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