Richtig gute Kompaktkameras sind selten. Zu den wenigen Ausnahmen gehört die Panasonic Lumix L10 mit lichtstarkem Zoom und extragroßem Sensor. Hier der Test von COMPUTER BILD.
Sehr kompakt und schön leicht – die Panasonic Lumix L10 passt locker in die Jackentasche.
Foto: Sven Schulz
Richtig gute Kompaktkameras sind selten. Zu den wenigen Ausnahmen gehört die Panasonic Lumix L10 mit lichtstarkem Zoom und extragroßem Sensor. Hier der Test von COMPUTER BILD.
Die Panasonic Lumix L10 kombiniert ein lichtstarkes Zoom mit einem extragroßen Sensor in einem kleinen Gehäuse. Unauffälliger als eine Systemkamera, aber fast genauso gut. Besser sind nur deutlich größere und teurere Kompaktkameras mit APS-C- oder Vollformatsensor. Die Lumix L10 bietet viele Bedienelemente. Damit lassen sich Kameraeinstellungen schnell anpassen. Nur ein Joystick zum schnellen Verschieben des Autofokus-Messpunkts fehlt.
Pro
Kontra
Totgesagte leben länger. Das gilt vor allem für Kompaktkameras. Die erleben gerade einen zweiten Frühling, die Verkaufszahlen gehen deutlich nach oben. Neue Modelle sind aber immer noch selten. Nur Panasonic ist hier fleißig und bringt nach der
Panasonic Lumix TZ300die Lumix L10, die bei der eingebauten Technik eine besonders interessante Kombi zeigt.
Die Panasonic Lumix L10 ist so klein (12,7x7,4x6,7 Zentimeter) und leicht (506 Gramm), dass Sie sie in die Jackentasche stecken können oder sie den ganzen Tag locker an der Schulter baumeln kann. Das eingebaute Zoom hat einen eher kleinen Zoombereich (umgerechnet ins Kleinbildformat 24 bis 75 Millimeter). Dafür punktet es mit einer besonders hohen Lichtstärke: Je nach eingestellter Brennweite bietet eine Anfangsblende von f1.7 bis f2.8 – das ist etwa viermal lichtstärker als bei Kompaktkameras üblich und bringt gleich zwei Vorteile. Bei Schummerlicht fällt mehr Licht auf den Sensor, da muss die Kamera nicht so schnell hohe ISO-Werte einstellen – das sorgt für eine höhere Bildqualität. Und durch die geringere Schärfentiefe bei offener Blende hebt sich das Motiv stärker vom Hintergrund ab.

Das Zoom-Objektiv fällt wegen der hohen Lichtstärke und des großen Sensors größer aus als bei Kompaktkameras üblich.
Foto: Sven Schulz
Bei der Lumix L10 kommt ein besonders großer Akku zum Einsatz. Der
DMW-BLK22liefert mit 16 Wattstunden rund doppelt so viel Energie wie bei Kompaktkameras üblich und steckt sonst in hochwertigen Systemkameras wie der
Panasonic Lumix S5 IIoder der
Panasonic Lumix GH7. Die Lumix L10 übernimmt aber nicht nur den Akku der Lumix GH7, sondern auch deren Bildsensor und Bildprozessor. Damit erhält die Lumix L10 unter anderem den aufwendigen Autofokus mit einer sehr feinen Motiverkennung, die sich auch äußerst genau an das Motiv anpassen lässt. Zudem arbeitet der Autofokus dank Phase-Change-Messung schneller und bei Motivbewegungen genauer als bei kleineren Kompaktkameramodellen von Panasonic.

Ungewöhnlich: Auf der Unterseite gibt es gleich zwei Klappen: einmal für den Akku, einmal für die Speicherkarte.
Foto: Sven Schulz
Der Bildsensor in der Lumix L10 ist ein MicroFourThirds-Modell (MFT) mit 25 Megapixeln, von dem die Kamera 20 Megapixel nutzt. Eine Besonderheit dabei: Das Seitenverhältnis lässt sich ähnlich wie bei der
Leica D-Lux 8über einen Schiebeschalter am Objektiv (siehe erstes Bild oben) von extrabreit (16:9) bis quadratisch (1:1) umschalten. Im typischen Fotoformat 3:2 schießt die Lumix L10 5408x3608 Pixel. Damit ist die genutzte Sensorfläche gut die Hälfte größer als bei einer Kompaktkamera mit 1-Zoll-Sensor wie der
Sony Cyber-shot RX100 VII. Das sorgt für eine hohe Bildqualität, auch bei Schummerlicht, dicht an der
Fujifilm X100VImit einem größeren APS-C-Sensor. Bis ISO 1600 sehen die Fotos top aus, danach lässt die Bildschärfe nach. Klar besser sind unter den Kompaktkameras nur noch die sündhaft teuren Leica-Vollformatmodelle
Q3und
Q3 43.

Das Display der Panasonic Lumix L10 lässt sich zur Seite schwenken – oder ganz einklappen zum Schutz des Displays.
Foto: Sven Schulz
Die Lumix GH7 baut Panasonic speziell für Videoprofis. Da ist es wenig überraschend, dass die Lumix L10 mit der Bildelektronik auch jede Menge Videomodi von der Lumix GH7 übernimmt: Die Lumix L10 filmt beispielsweise mit bis zu 5.6K (5632x2976 Bildpunkte) mit 60 Bildern pro Sekunde. Das ist aber eher etwas für Profis, die die Videos bei der Nachbearbeitung noch beschneiden wollen. Die Bildqualität ist bereits in 4K (3840x2160 Bildpunkte) richtig gut, der Ton klingt wie bei den meisten Digitalkameras etwas hallern. Wer besseren Klang will, steckt einfach ein externes Mikrofon an.

Die Panasonic Lumix L10 bietet so viele Videoeinstellungen, dass sie sich zur schnelleren Auswahl filtern lassen.
Foto: Sven Schulz
Durch den großen Akku hält die Lumix L10 sehr lange durch. Sie schafft 143 Minuten mit einer Akkuladung. Allerdings immer nicht am Stück, denn die kleine Kamera erwärmt sich bei Videoaufnahmen und schaltet automatisch ab, bevor sie zu warm wird. An einem warmen Sommertag war nach 79 Minuten Schluss. Bei neuen Kameras inzwischen üblich: Panasonic legt kein Netzteil zum Aufladen der Kamera mehr bei – als Ersatz kann nahezu jedes beliebige USB-C-Netzteil dienen.

Der Autofokus der Panasonic Lumix L10 ist besser als bei Kompaktkameras üblich. Er reagiert schnell und stellt auch bei Tieren aufs Auge scharf.
Foto: Sven Schulz
Mit dem mechanischen Verschluss schafft die Lumix L10 bei Serienaufnahmen mit eingeschaltetem Autofokus 10 Bilder pro Sekunde. Viel wichtiger für Actionschnappschüsse: Die Motiverkennung des Autofokus reagiert schnell und genau (dazu bitte die passende Motivart über die Autofokus-Einstellungen wählen, geht über die Kreuztaste auf der Rückseite am schnellsten). Sportfotografinnen und -fotografen dürfte da eher die kurze Telebrennweite stören – aber dafür gibt es eine Krücke: Mit der Funktion "Crop-Zoom" zoomt die Kamera weiter bis auf 211 Millimeter (umgerechnet ins Kleinbildformat). Dabei schneidet sie aber einfach das Bild zurecht. Bei der maximalen Brennweite bleiben dann nur noch 1920x1280 Pixel übrig.
Ein weiterer Vorteil der topaktuellen Elektronik der Lumix L10: Als App kommt hier Lumix Lab (gibt es für
Androidund
Apple) zum Einsatz. Die App ist schnell eingerichtet, leicht zu bedienen und kann Standortdaten für die Fotos der Lumix L10 liefern. Zusätzlich lassen sich auch Fotos aufs Handy herunterladen und bearbeiten sowie LUTs auf die Kamera überspielen. Mit einer LUT (Look Up Table) lässt sich die Farbwiedergabe der Kamera einstellen, um den Fotos einen neuen Look zu verpassen, etwa um die Farbwiedergabe analoger Filme zu simulieren.
Panasonic
1.479,00 EUR
Die Panasonic Lumix L10 kombiniert ein lichtstarkes Zoom mit einem extragroßen Sensor in einem kleinen Gehäuse. Unauffälliger als eine Systemkamera, aber fast genauso gut. Besser sind nur deutlich größere und teurere Kompaktkameras mit APS-C- oder Vollformatsensor. Die Lumix L10 bietet viele Bedienelemente. Damit lassen sich Kameraeinstellungen schnell anpassen. Nur ein Joystick zum schnellen Verschieben des Autofokus-Messpunkts fehlt.
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