Opel frischt den Astra auf und hält an einer Antriebsart fest, die andere Hersteller längst gestrichen haben. Der Diesel ist die wohl beste Version des Kompaktklassemodells.
Opel frischt den Astra auf und hält an einer Antriebsart fest, die andere Hersteller längst aus der Kompaktklasse gestrichen haben. Aus gutem Grund, denn der Diesel ist die wohl beste Version des Kompaktklassemodells.
In Rüsselsheim hängt derzeit der Himmel derzeit voller Geigen. Zumindest gefühlt. Während vorschnelle Verbalpropheten schon Zeilen über die angeblich sterbende Stadt am Main verfassten und den Abgesang auf den einst stolzen Autobauer mit dem Blitz- Markenlogo anstimmten, sprechen manche Fakten eine andere Sprache. Der Stellantis-Konzern stampft gerade den „grEEn- campus“ aus dem Boden und macht dafür ehemalige Produktionshallen dem Erdboden gleich. Dort wird unter anderem Opel sein Hauptquartier aufschlagen. Zum anderen hat der Multimarkenkonzern unlängst verkündet, dass die nächste Opel-Astra-Generation in Rüsselsheim entwickelt und gebaut wird. Bis 2030 sollen vier neue Modelle mit dem Blitzemblem auf den Markt kommen. Darunter ein C-Segment-SUV, das gemeinsam mit Leapmotor entsteht. So lautet der Plan. Doch in diesen volatilen Zeiten kann sich schnell vieles ändern.
Noch ist es nicht so weit. Noch muss die aktuelle Modellpalette für Umsätze sorgen. Und da rächt sich nun der kompromisslose Sparkurs des ehemaligen Konzernchefs Carlos Tavares. Dass der Astra ein ansehnliches Gefährt ist, steht außer Frage. Schön allein reicht halt nicht, wenn die Konkurrenz aus Asien gefühlt im Minutentakt neue Software und Funktionen in die Autos bringt. So sieht bei Opel Technologieoffenheit nach dem Motto „Wie ihr wollt“ aus. Den Astra gibt es als hybridisierten Benziner und vollelektrisch. Erstaunlicherweise spielt ein alter Bekannter, der für viele schon zum alten Eisen gehört, wieder eine Hauptrolle – der Dieselmotor. „Wir verzeichnen hohe Auftragseingänge bei den Dieselmodellen des Astra“, erklärt Opel-Deutschlandchef Patrick Dinger. Bei rund 30 Prozent der kompakten Opels, die in Deutschland verkauft werden, werkelt ein Selbstzünder unter der Motorhaube. Bei den Flottenkunden sind es sogar mehr als die Hälfte.
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Vor allem die „Total Cost of Ownership“, also die Gesamtbetriebskosten. Grund genug, uns den aufgefrischten Astra 1,5 Diesel zu schnappen und eine ausgiebige Runde zu drehen. Zunächst sind wir unterwältigt: Mit der Ruhe, die man in einem Elektromobil mittlerweile gewöhnt ist, ist es schnell vorbei. Sobald man den Startknopf drückt, melden sich die vier Töpfe vernehmbar zum Dienst und knurren dann auch weiter. Ein Flüsterdiesel ist das Triebwerk nicht. Auf der Straße nimmt die Geräuschkulisse dann merklich ab. Dann beginnt die eigentliche Stärke des Opels. Die Leistung von 96 kW / 130 PS und das maximale Drehmoment von 300 Newtonmetern machen den Opel-Vierzylinder nicht zwingend zu einem Temperamentsbolzen, der alles in Grund und Boden fährt. Das muss er auch gar nicht, denn das ist nicht die Tätigkeitsbeschreibung dieses Fahrzeugs. Der Astra soll entspannt Kilometer „fressen“. Zumal der Astra mit 209 km/h noch immer Geschwindigkeiten erreicht, von denen viele Elektroautos in dieser Klasse nach wie vor nur träumen können.
Wir lassen uns genau auf dieses Konzept ein und schwimmen sowohl auf der Landstraße als auch auf der Autobahn im Verkehr mit. Das Verbrauchsergebnis des Bordcomputers liefert das Pro-Diesel-Argument schlechthin: 4,1 Liter pro 100 km, das sind 0,9 l/100 km weniger als im Datenblatt angegeben. Noch einmal: Wir waren nicht als rollende Wanderdüne unterwegs, sondern auf der Autobahn mit 120 bis 130 km/h. Zum Komfort tragen auch die guten Sitze mit der langen Beinauflage und das Fahrwerk bei. Das ist zwar spürbar straffer als bei den französischen Konzernbrüdern des Opels, aber wir fühlen uns auf Dauer mit einer Feder-Dämpfer- Abstimmung, die die Karosserie nicht bei jeder Bodenunebenheit nachwippen lässt, wohler.
Die Neuerungen des Opel Astra des Modelljahres 2026 finden ohnehin um den Motor herum statt. Eine davon ist besonders für Vielfahrer wichtig, die auch nachts unterwegs sind. Es geht um das LED-Licht. Bisher waren es beim Astra insgesamt 168 LED- Elemente, also 84 pro Scheinwerfer. Jetzt sind es exakt 51.200 Lichtpunkte, also 25.600 pro Seite. Der Lichtteppich wirkt homogener, feiner dosiert und präziser ausgeschnitten als bisher. Entgegenkommende oder vorausfahrende Fahrzeuge werden aus dem Lichtkegel ausgeblendet, der ausgesparte Lichttunnel fällt schmaler aus, während der Rest der Fahrbahn hell bleibt. Außerdem folgt das System in Kurven dem Straßenverlauf und hellt zusätzlich seitlich auf. Im Schlechtwettermodus reagiert die Steuerung auf nasse Fahrbahnen und reduziert störende Reflexionen. Verkehrszeichen werden abgedimmt, damit ihre Rückstrahlung nicht blendet. Bei der Ultimate-Version gehört Intelli-Lux HD zur Serienausstattung. Sonst kostet es im GS-Paket 1.500 Euro Aufpreis.
Der Auftritt ist dementsprechend selbstbewusster. Der Opel Vizor wird schmaler und präziser, der Blitz ist erstmals dauerhaft beleuchtet und sitzt im stärker hervorgehobenen Opel-Kompass. Dazu kommen neue 17- und 18-Zoll-Räder und zusätzliche Farben. Auch im Innenraum geben sich die Rüsselsheimer Mühe, dem Astra eine eigene Note zu verleihen. Der Klavierlack verschwindet an entscheidenden Stellen. Das ist eine gute Nachricht, da diese spiegelnden Flächen in der Praxis meist schnell verkratzen, Fingerabdrücke sammeln und schon nach kurzer Zeit gebraucht aussehen. Stattdessen kommt unter anderem eine matt schimmernde, graue Oberfläche in der Mittelkonsole zum Einsatz. Das wirkt ruhiger, wertiger und entspannt die Augen des Autobahn-Kapitäns. Ein Schnäppchen ist der Astra Diesel mit einem Basispreis von mindestens 35.040 Euro allerdings nicht.
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Von Wolfgang Gomoll
Das Original zu diesem Beitrag "Selbst gezündet" stammt von press-inform.
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