Den Opel Zafira sollte es eigentlich nur noch elektrisch geben. Doch wie schon beim VW ID Buzz gilt: Großer Van plus Batterieantrieb hat Grenzen. Umso mehr überzeugt der neue Diesel im Zafira. Ein Langstrecken-Test.
Den Opel Zafira sollte es eigentlich nur noch elektrisch geben. Doch wie schon beim VW ID Buzz gilt: Großer Van plus Batterieantrieb hat Grenzen. Umso mehr überzeugt der neue Diesel im Zafira. Ein Langstrecken-Test.
Der Dieselantrieb spielt bei Neuwagen eine immer kleinere Rolle. Das liegt am Erfolg der Elektroautos, aber auch an immer sparsameren Benzinmotoren mit Hybridunterstützung. Trotz dieses Trends machen viele Hersteller bei bestimmten Modellen wieder eine Rolle rückwärts. Denn je größer, schwerer und weniger aerodynamisch das Auto, desto schwerer tut sich der Elektroantrieb. Beim dicken Q7 zum Beispiel rückt Audi jetzt wieder den Dieselantrieb in den Fokus. Mazda überzeugt bei seinen großen SUV CX-6 sogar mit einem Sechszylinder-Diesel. Und auch bei den Familienvans und Hochdach-Kombis konnte der E-Antrieb den Selbstzünder bislang nicht verdrängen. Den Opel Zafira gibt es zwar elektrisch, aber jetzt auch wieder mit einem neu entwickelten 2,2-Liter Diesel. Wir haben den Familien-Laster getestet.
Mit dem früheren Zafira, einem klassischen Minivan, hat die aktuelle Generation nichts mehr gemeinsam. 2020 machte Opel aus dem Wagen einen Hochdach-Kombi im Stil des Renault Kangoo, die technische Basis teilt sich der Wagen mit anderen Autos aus dem Stellantis-Konzern. Neben dem Grandland und dem Combo ist der Zafira Opels letzte echte Familienauto. Etwas irritierend: Das nackte Basismodell des Zafira heißt „Vivaro Kombi”.
Den Zafira gibt es in der von uns getesteten „Kurz”version (knapp fünf Meter lang) und als gestreckte 5,3-Meter-Variante (XL). Als Familienlaster reicht die Kurzversion eigentlich aus, und das liegt am genialen Sitzkonzept des Autos. Es gibt den Zafira wahlweise als 6-, 7-, 8- oder 9-Sitzer. Die beste Familien-Option ist der 6-Sitzer mit Einzelsitzen. Die vier hinteren Sitze lassen sich völlig variabel benutzen:
Zudem bieten die vorderen Sitze je nach Ausstattung Heizung und Massage-Funktion. Das Cockpit selbst ist schmucklos und einfach. Es gibt eine Menge Hartplastik. Für ein Familienauto hat das immerhin den Vorteil, dass die ganzen Oberflächen kratzfest und leicht zu reinigen sind. Ablagen gibt es genügend, man vermisst allerdings ein gekühltes Handschuhfach.
Die elektrischen Schiebetüren (in der Top-Ausstattung serienmäßig, im Basismodell manuell) lassen sich entweder am Autoschlüssel, am Armaturenbrett oder mit Knöpfen in den B-Säulen öffnen. Zudem öffnen und schließen sie sich, wenn man den Türgriff anhebt.
Das 10 Zoll große Touchscreen-Navigations-Display ist relativ klein und das System selbst schmucklos, aber die Routenführung funktioniert gut. Es gibt die üblichen Assistenzsysteme. Ärgerlich: Das 8-Gang-Automatik-Getriebe hat weder einen manuellen Schaltmodus noch Schaltwippen am Lenkrad. Bei Bergabfahrten ist das nervig, da das Getriebe zwar mit Daten der Neigungssensoren und Gaspedalstellung bei Bedarf eine Motorbremsung einleiten kann, das aber nicht immer funktioniert.
Die Elektro-Variante des Zafira hat eine 42 oder 69 kWh große Batterie, für ein so großes Fahrzeug ergibt das natürlich keine reisetauglichen Reichweiten. Selbst ein größerer Akku hätte keine Chance gegen den Verbrenner, was man schon an den enttäuschenden Reichweiten des VW ID Buzz sehen kann. In dieser Fahrzeugklasse bleibt der E-Antrieb allenfalls die zweitbeste Lösung.
Umso überzeugender ist der neue 2,2-Liter Dieselmotor im Opel. 180 PS reichen locker aus. Die Beschleunigung ist mit 10,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h nur mittelmäßig, aber kraftvoll genug für die Autobahn auch bei beladenem Fahrzeug und bergauf. Während die Elektro-Version auf 130 km/h begrenzt ist, läuft der Diesel-Bus 185 km/h. Kleines Manko: Es gibt den Zafira nur mit Frontantrieb; eine Allrad-Option wie bei Mercedes V-Klasse, VW Multivan oder Hyundai Staria (dort ist 4WD serienmäßig) existiert nicht.
Dafür ist der Opel genügsam. Bei sparsamer Fahrt, in unserem Fall lange Autobahnstrecken mit Tempo-Begrenzung, lässt sich der Verbrauch auf 5,9 Liter drücken. Selbst bei einer normalen Fahrweise sind es im Schnitt 6,5 bis 7,5 Liter.
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Je nach Sitzkonfiguration wiegt der Opel Zafira zwei bis 2,2 Tonnen, die Zuladung liegt zwischen 620 und 942 Kilogramm. Der Wagen liegt ruhig und sicher auf der Straße, das Fahrwerk bietet einen guten Federungskomfort und holpert auf Querfugen kaum. Der Wendekreis liegt bei 12,4 Metern. Der Kasten-Opel ist leichter einzuparken und zu rangieren als so manches unübersichtliche SUV.
Den Nackt-Bus Vivaro mit Stahlfelgen gibt es ab 39.990 Euro, den Zafira Edition ab 41.990 Euro und den wegen der guten Ausstattung als Familienfahrzeug am meisten empfehlenswerten Zafira GS ab 49.450 Euro (jeweils in der kurzen Variante). Zur Serienausstattung zählen LED-Scheinwerfer, elektrische Schiebetüren – eine elektrische Heckklappe gibt es leider nicht – Infotainmentsystem, Zwei-Zonen-Klimaautomatik, Rückfahrkamera und elektrische Sitzverstellung am Fahrersitz sowie das Soundsystem mit 10 Lautsprechern. Erwägenswerte Extras sind das Panorama-Glasdach, das allerdings nur aus zwei kleinen Segmenten besteht, Anhängerkupplung (700 Euro) und Standheizung (400 Euro).
Der Opel Zafira, den es übrigens als Schwesternmodell auch von Toyota, Peugeot und Citroen gibt, ist einer der vielseitigsten und praktischsten Familien-Laster auf dem Markt. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist letztlich besser als bei vielen großen SUV, denn der Zafira bietet einfach mehr Nutzwert. Dazu hat er einen sparsamen Dieselmotor. Ein echtes „No Frills”-Auto und die perfekte Alternative zu schickeren, aber auch deutlich teureren Modellen wie Mercedes V-Klasse oder VW Transporter / Multivan. Die Elektro-Variante ist zumindest in diesem Fahrzeug keine Option, es sei denn, sie dient als Stadtfahrzeug oder Handwerker-Bus mit wenig Strecken-Bedarf.
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