Der große Wettlauf ums Altersvorsorgedepot, neuer Spitzenjob von Jörg Kukies, Marsalek-Vertraute ausgeliefert, Luxusflucht aus Dubai und unsere Fintech-Touren beim OMR Festival: das und vieles mehr in unserem wöchentlichen Newsletter „Finance Forward“.
Liebe Leserin, lieber Lesern,
in der ZDF-Mediathek läuft gerade eine sehenswerte Doku über den Sparkassen-Einbruch von Gelsenkirchen: Eine dreiste Diebesbande räumte dort in aller Seelenruhe rund 3200 Schließfächer aus. Man lernt dabei Erstaunliches über Kernbohrungen, Sandwich-Tresore, den Ehrenkodex der Unterwelt – und vor allem: dass die eigene Rente nicht einmal hinter meterdicken Stahlbetonwänden sicher ist. Womöglich ist das vielleicht die beste Werbung für das neue Altersvorsorgedepot, das die Bundesregierung gerade beschlossen hat und das jetzt die ganze Brokerbranche elektrisiert : Mit digitalen Sparplänen kann man immerhin nicht durch die Tiefgarage abhauen.
Unsere Themen der Woche:
Altersvorsorgedepot: Wie sich die Neobroker in Stellung bringen
Exklusiv: Ex-Finanzminister Jörg Kukies heuert bei Morgan Stanley an
Neobanking, Stablecoins, KI: unsere Profi-Touren beim OMR Festival
ETF-Bonanza: Die staatliche Förderung soll Börsenmuffel zur privaten Vorsorge für die Rente motivieren
Foto: Alina Grünky / dpaDer Bundestag hat am Freitag die Reform der privaten Altersvorsorge auf den Weg gebracht – und sorgt damit für Goldgräberstimmung bei den hiesigen Neobrokern. „Das wird einen größeren Boom auslösen als Corona“, sagte mir etwa Thomas Soltau (39), CEO von Smartbroker. Er hofft auf mehr als zehn Millionen neue Anleger, die sich dank der staatlich geförderten ETFs in den nächsten Jahren an die Börse trauen. Ähnlich optimistisch zeigt sich Scalable-Capital-Gründer Florian Prucker (43): „Wir gehen von einem kleinen bis mittleren zweistelligen Milliardenbetrag aus, der dadurch jährlich in den Kapitalmarkt fließen wird.“ Der Wettbewerb um die Börsenneulinge, so viel ist jetzt schon klar, wird wohl mit einem knallharten Preiskampf geführt. Ich habe mich bei den Anbietern umgehört, wie sie sich auf die große Depot-Bonanza vorbereiten und wo noch Hindernisse liegen.
Zurück ins Bankgeschäft: Ex-Finanzminister und Ex-Goldman-Sachs-Mann Jörg Kukies
Foto: Hannes P Albert / picture alliance / dpaVom Genosse wieder zum Bosse sozusagen: Jörg Kukies (58) wechselt nach Recherchen meiner Kollegin Katharina Slodczyk wieder ins Bankgeschäft. Schon bevor der SPD-Mann als Bundesfinanzminister und Troubleshooter von Ex-Kanzler Olaf Scholz (67) in Berlin gewirkt hat, war er in einer Spitzenfunktion in der Finanzbranche tätig. Kukies war ja einst Co-Chef von Goldman Sachs in Deutschland. Nun heuert er wieder bei einer US-Großbank an: Morgan Stanley. Hier die Hintergründe der spektakulären Personalie.
Europas mächtigste Neobankerin: Monzo-Chefin Diana Layfield soll für Ruhe und Wachstum sorgen
Foto: Steven Ferdman / Getty ImagesDiana Layfield, CEO der britischen Neobank Monzo, meldet einen neuen Höchststand von 15 Millionen Kundinnen und Kunden – das sind in etwa so viele, wie Konkurrent Revolut allein im vergangenen Jahr hinzugewonnen hat. Monzo war in letzter Zeit allerdings auch viel mit sich selbst beschäftigt: Der Aufsichtsrat hatte sich wegen des Rauswurfs von Layfields Vorgänger TS Anil überworfen.
Brigitte Häuser-Axtner (49), bei Wirecard einst rechte Hand von Jan Marsalek (46), ist aus Singapur nach Deutschland ausgeliefert worden. Die deutschen Behörden verdächtigen sie im Rahmen der sogenannten Operation Chargeback der Bildung einer kriminellen Vereinigung und der Geldwäsche. Neben Wirecard sollen angeblich auch Mitarbeiter von Unzer, Payone und Nexi beteiligt gewesen sein.
Nicolas Kipp (36) knackt die Milliardenmarke: Gut sechs Monate nach dem Start seines Fintechs Credibur verzeichnet er mehr als 2 Milliarden Euro an Debt-Fazilitäten auf seiner Plattform. Credibur vernetzt alternative Kreditgeber mit institutionellen Investoren und automatisiert Refinanzierungen. Zu den Geldgebern des Fintechs zählen unter anderem Redstone, MS&AD Ventures und Inovia.
Joachim Müller (54), CEO des angeschlagenen Versicherungs-Start-ups Wefox, benötigt offenbar dringend 15 Millionen Euro, um das weitere Überleben der Firma zu sichern. Laut dem „Handelsblatt “ verhandelt sein Team derzeit einen entsprechenden Notfall-Wandelkredit mit den Bestandsinvestoren Chrysalis Investments und Target Global.
Shayne Coplan (27), Gründer des US-Fintechs Polymarket, hat erneut Ärger mit den US-Behörden. Nutzer können auf seiner Plattform sogenannte Gesellschaftswetten platzieren, etwa auf die Oscarpreisträger oder die Dauer des Irankriegs. Bundesstaatsanwälte aus Manhattan wollen jetzt untersuchen, inwiefern sich Insider auf der Plattform bereichert haben könnten. Ob man wohl auf den Ausgang der Untersuchung wetten kann?
Luxusflucht: Vermögensverwalter bieten ihren Kunden neuerdings exklusive Evakuierungsdienste aus Dubai an
Foto: Anton Petrus / Moment / Getty ImagesEs ist noch gar nicht so lange her, da ließ sich mit dem sogenannten Golden Visa in Dubai noch richtig viel Geld verdienen: Wer umgerechnet rund 500.000 Euro in den lokalen Immobilienmarkt investierte, erhielt das Aufenthaltsrecht für zehn Jahre gleich mit obendrauf. Steuerparadies-as-a-Service, vor allem beliebt bei den Superreichen (und dem ein oder anderen Fintech-Gründer). Seit dem Krieg in Iran hat die Anziehungskraft der Emirate jedoch deutlich nachgelassen. Gutbetuchte interessieren sich jetzt eher für einen anderen Dienst: den Golden Exit. Laut der „Financial Times “ verdienen sich Vermögensverwalter derzeit eine goldene Nase mit exklusiven Fluchtpaketen: Evakuierung im Privatjet, Chauffeurservice über die Grenze, Aufenthaltsgenehmigungen für die Schweiz. Sogar die Dienste eines „ehemaligen CIA-Mitarbeiters“ könne man anbieten, sagte Susie Cranston, Chefin des US-Vermögensverwalters Cresset.
Das war es für diese Woche. Wenn ihr Anregungen oder Recherchehinweise habt, meldet euch gern unter financeforward@manager-magazin.de . Und empfehlt uns gern Freunden und Freundinnen weiter – sie können den Newsletter hier abonnieren.
Viele Grüße
Eure Hannah Schwär