Die Commerzbank-Chefin stichelt live auf der OMR-Bühne, Fintech-Urgestein André Bajorat plaudert im Podcast und ein Deutscher steigt bei PayPal auf: das und vieles mehr in unserem wöchentlichen Newsletter „Finance Forward“.
Liebe Leserin, liebe Leser,
ein Meeting im Bällebad? Autoscooter fahren mit den Kollegen? Networking mit Robotern und zum Schluss noch ein Erinnerungsfoto auf dem Eisernen Thron? In Hamburg ist das gestern und heute der ganz normale Tagesablauf. Zumindest auf dem OMR-Festival. „Es ist wie ein Zirkus für Erwachsene“, sagte mir ein Fintech-Gründer gestern mit leuchtenden Augen. Und ja, genau deswegen ist die Businesskonferenz so erfolgreich: Wirtschaft darf auch mal Spaß machen. Meine Kollegen und ich sind live vor Ort und haben selbstverständlich auch die relevanten Finance-Themen im Blick: Zu den Highlights zählten am ersten Tag unter anderem die Auftritte von Klarna-CMO David Sandström, DKB-Wachstumsstratege Sascha Dewald und Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp. Die wichtigsten Schlagzeilen, Zitate und Insights zum Mitreden haben wir für Euch in unserem Ticker zusammengefasst.
Unsere weiteren Themen der Woche:
OMR-Festival: Commerzbank-Chefin stichelt live auf der Bühne
Podcast: DWS-Topmanager André Bajorat über die heißesten Fintech-Themen
Köpfe: Ein Deutscher steigt bei PayPal auf
On Stage: Commerzbank-CEO Bettina Orlopp im Interview mit manager-magazin-Redakteurin Katharina Slodczyk
Foto: Kathrin Vogt / OMRCommerzbank-CEO Bettina Orlopp (55) trat gestern in einem historischen Moment auf der Finance Forward-Bühne auf: Während meine Kollegin Katharina Slodczyk mit ihr in Hamburg über die Abwehrschlacht gegen die italienische Großbank UniCredit sprach, legte deren Chef Andrea Orcel (62) praktisch zeitgleich in Mailand die offizielle Übernahmeofferte vor. Orlopp gab sich jedenfalls kämpferisch: Die Commerzbank-Aktionäre sollten einen „anständigen Preis“ erhalten, betonte sie, „und das ist im Moment nicht der Fall“. Zudem stichelte sie gegen die aufmüpfigen Italiener – den genauen Wortlaut sowie ihren Konter zu den UniCredit-Plänen könnt Ihr hier nachlesen.
Früher Fintech-Believer: Gründer und Investor André Bajorat beobachtet die Szene seit vielen Jahren
Foto:[M] manager magazin, privat
Raus aus den Schulden: Der Ex-Solaris-Manager Nicolas Knecht soll den Umschuldungsdienst Plus 1 in Deutschland groß machen
Foto: PRNicolas Knecht (35) soll den schwedischen Umschuldungsdienst Plus1 in Deutschland groß machen. Unterstützung erhält er dabei von Jessica Holzbachs (36) Fintech-Schmiede 0TO9, zu deren Portfolio das Start-up gehört. Der Produktstratege hat zuvor acht Jahre bei Solaris gearbeitet. Wie sie den Deutschen aus den Schulden helfen wollen, lest Ihr exklusiv bei Finance Forward .
Matteo Benedetti, Tony Zabel und Brandon Baumgarten, das Gründer-Trio hinter dem Frankfurter Fintech Debtist, gelingt ein Mega-Exit. Nach Informationen meines Kollegen Caspar Schlenk haben sie die Mehrheit an ihrer Inkassofirma für mehr als 100 Millionen Euro verkauft – an einen skandinavischen Private-Equity-Investor. Die Details zum Deal lest ihr heute bei Finance Forward.
Frank Keller steigt bei PayPal zum „President Checkout Solutions & PayPal“ auf – und verantwortet damit effektiv das Kerngeschäft des US-Zahlungsriesen. Der Deutsche geht somit als einer der mächtigsten Konzernmanager aus der jüngsten Reorganisation hervor. Welche bisweilen kreativen Titel sich CEO Enrique Lores (60) noch so ausgedacht hat, beschreibe ich unten in der Rubrik Margin Call.
Brian Armstrong (43), CEO von Coinbase, schmeißt recht rabiat 14 Prozent der Belegschaft raus. Gründe: schwieriges Geschäft und Effizienzsteigerung durch KI. Künftig soll es auch keine Manager, sondern nur noch „Spielertrainer“ geben, schrieb Armstrong in einer Mail . „In den letzten 13 Jahren haben wir vier Kryptowinter überstanden (...) Dieses Mal wird es nicht anders sein.“
Jürgen von der Lehr (54), bisher Banker bei der ING Deutschland, löst Luis Fiestas de Fuentes als Deutschlandchef der BBVA ab. Die spanische Großbank versucht seit vergangenem Jahr, deutsche Kunden mit einer Banking-App anzusprechen – hatte aber einige Startschwierigkeiten.
Will Gaybrick, Produktchef und rechte Hand der Stripe-Gründer, rollt die hauseigene Kreditvermittlung „Stripe Capital“ jetzt auch für deutsche Marktplätze aus. Der US-Bezahldienst stürzt sich damit in den umkämpften Markt für Embedded Lending, in dem sich auch schon Banxware und YouLend tummeln.
Die Deutschen bezahlen an der Ladenkasse immer häufiger mit dem Handy: Knapp jede fünfte Kartenzahlung (19,3 Prozent) wurde 2025 via Apple Pay, Google Pay oder einem anderen Wallet abgewickelt, wie das EHI Retail Institute ermittelt hat . Im Vorjahr machten die mobilen Zahlungen lediglich 12,8 Prozent aus. Möglicherweise hat der Anstieg auch mit den Kampagnen des US-Zahlungsdiensts PayPal und des europäischen Pendants Wero zu tun. Beide Unternehmen rühren seit ein paar Monaten die Werbetrommel für ihre digitalen Geldbörsen. Über den „Wallet War“ spricht mein Kollege Caspar Schlenk heute übrigens mit Wero-Chefin Martina Weimert (59) auf dem OMR-Festival (ab 15 Uhr auf der Yellow Stage ).
Komplizierter Titel: PayPal-Chef Enrique Lores hat eine CAITSO in den Vorstand berufen
Foto:Annabelle Chih / Bloomberg / Getty Images
PayPal-Chef Enrique Lores (60) setzt seit Neuestem auf eine CAITSO im Vorstand. Bitte was? Ja, richtig gelesen: Der Zahlungsriese hat jetzt eine „Chief AI Transformation & Simplification Officer“. Also quasi eine Chef-Entrümplerin. Das einst so fitte Fintech ist mit seinen 27 Jahren nämlich schnell gealtert, mit trägen Konzernstrukturen und ein paar Akquisitionen zu viel auf dem Buckel. Entsprechend lahmte zuletzt auch die Aktie. Techmanagerin Anshu Bhardwaj soll die Arbeitsweise von PayPal künftig mithilfe von KI „simplifizieren“. Klingt erst mal gut, zumindest als Kosmetik gegen Aktionärssorgenfalten. Aber folgt der Ankündigung auch eine echte Verschlankung? Etwas skeptisch macht mich jedenfalls ihr Titel, der mit 43 Buchstaben ziemlich sperrig daherkommt. Ich finde: Simplifizierung geht anders.
Das war es für diese Woche. Wenn Ihr Anregungen oder Recherchehinweise habt, meldet Euch gern unter financeforward@manager-magazin.de . Und empfehlt uns gern Freunden und Freundinnen weiter – sie können den Newsletter hier abonnieren.
Viele Grüße
Eure Hannah Schwär