Eine innige Beziehung zwischen Geisel und Entführer kommt uns widersprüchlich vor. Im 19. Jahrhundert hingegen schien das ganz normal. Wie kam es zu diesem Wandel? Ein Vortrag der Historikerin Juliane Hornung.
Eine innige Beziehung zwischen Geisel und Entführer kommt uns widersprüchlich vor. Im 19. Jahrhundert hingegen schien das ganz normal. Wie kam es zu diesem Wandel? Ein Vortrag der Historikerin Juliane Hornung.
Stockholm im August 1973: Zwei Banditen überfallen eine Bank und nehmen mehrere Geiseln. In den sechs Tagen, die die Geiseln mit den Bankräubern verbringen, entsteht zwischen ihnen eine emotionale Beziehung. Als sich die Bankräuber der Polizei ergeben, verabschieden sich die Geiseln herzlich von ihnen.
"Clark war zärtlich zu mir. Ja, wir haben Händchen gehalten, aber wir hatten keinen Sex."
Kristin Enmark, Geisel beim Banküberfall in Stockholm
Als sogenanntes Stockholm-Syndrom wurde das Geiseldrama von Stockholm zur Chiffre für eine irrationale, krankhafte, emotionale Bindung zwischen Entführungsopfern und Kidnappern, sagt die Historikerin Juliane Hornung.
Sie untersucht, wie sich die Beziehungen zwischen Geiseln und Entführern historisch verändert haben. Zurzeit ist Hornung Fellow am Historischen Kolleg München.
Das Stockholm Syndrom ist medizinisch höchst umstritten: Es fehlt eine klare Definition und die Datenlage ist schwierig. Entführungen sind – zum Glück – Einzelfälle.
© IMAGO I imagebroker
Am 23. August 1973 überfallen zwei Kriminelle eine Bank im Zentrum von Stockholm. Die Täter nehmen vier Angestellte als Geiseln, fast sechs Tage lang. Der Überfall endet unblutig.Die emotionale Beziehung einer Geisel zu ihrem Entführer kommt uns heute widersprüchlich vor. Im 19. Jahrhundert war es jedoch sehr verbreitet, dass Geiseln nach ihrer Freilassung von engen emotionalen Bindungen zu ihren Entführern berichteten. In Ihrem Vortrag beschreibt Juliane Hornung, welche Gründe das hatte.
"Die Sexualisierung weiblicher Geiseln prägte zum Teil auch das psychiatrische und kriminologische Wissen der 1970er Jahre."
Juliane Hornung, Historikerin
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