Seit Jahren häufen sich Belästigungen, Pöbeleien und Schlägereien in deutschen Freibädern. Ein ZDF-Team hat sich an Brennpunkten umgehört.
Seit Jahren häufen sich Belästigungen, Pöbeleien und Schlägereien in deutschen Freibädern. Ein ZDF-Team hat sich an Brennpunkten umgehört.
Schwimmen mit Wachpersonal. Ist das die neue Normalität? „Je heißer es wird, desto erhitzter werden die Gemüter“, sagt jedenfalls Jessie. Sie ist Mitglied eines privaten Security-Dienstes in Berlin und läuft regelmäßig Patrouille im Schwimmbad Humboldthain im Berliner Stadtteil Wedding, wenn sie von den Schwimmmeistern angefordert wird.
Die ZDF-Reportage „Brennpunkt Freibad: Sommer, Sonne Schlägereien“ (in der ZDF-Mediathek zu sehen) begleitete die Schwimmmeister- und Security-Teams in drei verschiedenen Bädern. Es ließ sich feststellen: Früher war es besser.
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„Früher ist man respektvoller miteinander umgegangen“, sagte etwa Frank Hansch, Betriebsleiter im Sport-Paradies in Gelsenkirchen. Mit 48.000 Quadratmetern, vier Becken plus Zehner-Sprungturm und einem Gästeaufkommen von bis zu 5.000 Schwimmfreudigen täglich ist es eines der größten Bäder Deutschlands.
Laut Hansch ist „dieses Egomanische früher nicht so in den Vordergrund gerückt“. Jetzt ist das anders. Da ahnt Schwimmmeister David Conrad schon mal früh am Vormittag: „Da wird schon was passieren.“
Sich schubsende Kinder, das althergebrachte Springen vom Beckenrand, aber auch uneinsichtige Eltern, die ihre Schwimmflügel-Kinder auch auf mehrmaligen Hinweis eisern - und verbotenerweise - mit ins tiefe Schwimmbecken nehmen - die Einsatzorte für die Schwimmmeister-Teams sind vielfältig.
Mit Geduld und Einfühlungsvermögen versuchen die Schwimmmeister zu erklären, zu vermitteln und zu deeskalieren. Aber: Regeln sind nicht verhandelbar. Wer nicht hören will, muss fühlen. Schwimmmeisterin Jocelyna Conrad: „Dann ist der Spaß für die Leute leider vorbei.“ Auch Diana Reimann aus Berlin weiß: Ob sie Stress kriegt, „liegt auch daran, wie gut gelaunt die Gäste sind“.
Es bleibt nicht immer bei Diskussionen über Ausweiskontrollen oder Sprüngen vom Beckenrand. Im letzten Jahr gab es fast 300 Einsätze wegen schwerer Körperverletzung. 266-mal ausgelöst von Männern, nur 26-mal von Frauen. In den Berliner Freibädern musste 151-mal die Polizei eingreifen - zwischen April und Juni.
Für Betriebsleiter Hansch keine Überraschung. „Freibäder sind ein Spiegel der Gesellschaft.“ Und die Gesellschaft habe sich „auch nicht nur zum Positiven gewandelt“.
Badegast Marcel meint: „Die Security gibt Sicherheit. Es ist trotzdem komisch, dass man die überhaupt einstellen muss.“ Und im Gegensatz zu etlichen boulevardesken Schlagzeilen geht es bei den Querulanten nicht nur um Leute mit Migrationshintergrund: „Es ist nicht nur wegen der Ausländer“, sagt Marcel, „die Deutschen sind genauso. Es gibt überall solche und solche.“
Christa leistet im Sport-Paradies ihren eigenen Beitrag zur „Befriedung“ der Gäste. Sie verkauft im Kiosk die Schwimmbad-Pommes. „Die sind das Nonplusultra.“ Im Sport-Paradies gehen täglich bis zu 600 Portionen über den Tresen.
Sie weiß, dass sie mehr tut, als die Leute abzufüttern. „Wir haben hier, glaube ich, schon mit die wichtigste Aufgabe. Denn wer kennt es nicht: Wer Hunger hat, ist automatisch auch ein bisschen 'hangry'“ - gemeint ist das Kofferwort aus den englischen Begriffen für „hungrig“ und „wütend“. Wer unterzuckert, bei dem kürzt sich gerne mal die Zündschnur.
Dann lieber schnell zu Christa und was essen, bevor es Ärger mit der Security gibt.
Von Jürgen Winzer
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