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SERIE - Im Tessin bekam Patricia Highsmith Besuch vom Meistermörder Tom Ripley. Und schrieb ihr letztes Buch

Дата публикации: 26-10-2025 04:30:00

Seit den sechziger Jahren lebte die amerikanische Schriftstellerin Patricia Highsmith in Europa. 1988 zog sie nach Tegna im Tessin. In ein Haus wie eine Festung, wo sie umgeben war von Katzen und Schnecken.

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Seit den sechziger Jahren lebte die amerikanische Schriftstellerin Patricia Highsmith in Europa. 1988 zog sie nach Tegna im Tessin. In ein Haus wie eine Festung, wo sie umgeben war von Katzen und Schnecken.

Illustration Anja Lemcke / NZZ

Es ist Weihnachten, und sie fragt sich, wie man eine Leiche loswird. «Unbeaufsichtigte Pakete am Flughafen Orly werden nach 20 Minuten zerstört», schreibt Patricia Highsmith am 25. Dezember 1987 in ihr Notizbuch. Doch damit gibt sie sich nicht zufrieden. Sie will es genauer wissen: «Wie zerstört? In Wasser getaucht? Muss ich herausfinden.» Wenn es um Leichen geht, darf man nichts dem Zufall überlassen. Polizeiliche Sicherheitsmassnahmen sind der beste Schutz für einen Mörder: «Man könnte eine Leiche in vier oder fünf Teile zerhacken und in Reisetaschen verstauen», überlegt sie sich.

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Ganz einfach dürfte das nicht sein. Aber mit Leichen kannte sich Patricia Highsmith aus. Sie war sechsundsechzig, eine berühmte Schriftstellerin und hatte zwanzig Romane geschrieben, in denen Dutzende von Menschen umgebracht werden. Erschlagen, vergiftet, erstochen, erwürgt. Aus Eifersucht, Gier, Wut. Manchmal auch emotionslos, aus kalter Berechnung. Gleichgültig, als ob ein gewaltsamer Tod etwas ganz Natürliches wäre. Oft erfährt man nicht genau, wie die Opfer zu Tode kommen. Weil sich die Autorin nicht dafür interessiert.

Die Taten stehen nicht im Mittelpunkt von Highsmiths Büchern. Sie ergeben sich, manchmal fast zufällig. Wer sie begangen hat, steht von vornherein fest. Highsmith folgt den Tätern. «Ich kann mir nichts vorstellen, was geeigneter wäre, die Phantasie in Gang zu setzen, als der Gedanke – die Tatsache –, dass jeder Mensch, an dem man irgendwo auf der Strasse vorbeigeht, ein Sadist sein kann, ein triebhafter Dieb oder sogar ein Mörder», sagte sie einmal. Ob Täter bestraft werden, war ihr egal. Gerechtigkeit fand sie langweilig: «Weder das Leben noch das Schicksal oder die Natur kümmert sich darum, ob der Gerechtigkeit Genüge getan wird.»

Das Problem mit der Leiche, das sie an Weihnachten wälzte, scheint sich irgendwie gelöst zu haben. Aber in Highsmiths Kopf gärte die Geschichte weiter. Seit sieben Jahren lebte sie im Tessin. In Aurigeno im Maggiatal. Das Dorf gefiel ihr: «Es ist ein Ort voll von alten Häusern, mit einfachen Leuten und ein paar Touristen im Sommer», schrieb sie einer Freundin über Aurigeno. Aber das Haus, in dem sie wohnte, fand sie zu dunkel und zu wenig komfortabel, vor allem im Winter.

Verzweifeltes Heimweh

Anfang der achtziger Jahre hatte sie ihren Wohnsitz aus Frankreich in die Schweiz verlegt, aus Ärger über die französischen Steuerbehörden. Zufällig war die Wahl des Wohnorts nicht. In Zürich war ihr Verlag. Eine Freundin lebte im Tessin. Eine enge Bindung zur Schweiz hatte Highsmith kaum, aber sie schätzte sie. «Immer wenn ich verzweifeltes Heimweh habe, aber nicht so verzweifelt, dass ich mehrere hundert Dollar ausgeben würde, um nach Amerika zu reisen, gehe ich in die Schweiz», schrieb sie in den fünfziger Jahren einmal. Die Schweiz sei wie ein Klub: «Nicht alle wollen Mitglied sein. Aber für diejenigen, die Ordnung und ein ruhiges Leben mögen, ist sie der richtige Ort.»

Highsmith schätzte das ruhige Leben. Und die Ordnung auch. Chaos hatte sie in ihrem Leben genug gehabt. 1921 kam sie in Fort Worth, Texas, zur Welt. Als ungewolltes Kind. Ihre Mutter trank Terpentin, als sie merkte, dass sie schwanger war. Weil sie abtreiben wollte. Vor Patricias Geburt liess sie sich scheiden. Das Kind kam zur Grossmutter. Dann heiratete die Mutter wieder, die Familie zog nach New York. «Mein Familienleben war ein einziges Durcheinander», erinnerte sich Highsmith später. Dauernd Streit. Mutter und Stiefvater vertrugen sich nicht. Immer wieder wurde Patricia zur Grossmutter verfrachtet: «Ich wusste nie, wo ich war.»

Sie habe nie etwas erlebt, was ihr Vertrauen in Beziehungen hätte geben können, sagte Highsmith einmal. Während des Studiums am New Yorker Barnard College schlug sie sich die Nächte um die Ohren. In den Bars und Klubs von Greenwich Village, wo sich die homosexuelle Schickeria traf. Sie trug Hosen, rauchte, trank masslos. Sie war attraktiv, begehrt, lebenshungrig. Aber auch verschlossen, ängstlich und traurig. Als sie zwanzig war, schrieb sie in ihr Notizbuch: «Ich glaube nicht an das Glück im menschlichen Leben.»

Nach dem Studium arbeitete sie als Texterin in Comic-Studios. Schrieb Sprechblasen zu Geschichten über Superhelden und Fantasy-Figuren. Daneben verfasste sie Erzählungen, arbeitete an Romanen. Und träumte von einem Leben als erfolgreiche Schriftstellerin. 1948 erhielt sie ein Stipendium für eine New Yorker Künstlerkolonie. Dort fühlte sie sich wohl, genoss die Freiheit. Sie flirtete mit Frauen und Männern, verlobte sich mit einem jungen Engländer. Und beendete ihren ersten Roman, «Zwei Fremde im Zug». Er wurde von einem renommierten Verlag übernommen und von Alfred Hitchcock verfilmt.

Hochgefühle, Krisen

Das war der Durchbruch. Patricia Highsmith war eine anerkannte Autorin und begann den zweiten Roman, «Salz und sein Preis». Eine Liebesgeschichte. Die wohl einzige Geschichte von Patricia Highsmith, in der die Liebe nicht in eine Katastrophe mündet, sondern reines Glück ist. Eine Liebe zwischen zwei Frauen. In Amerika war das damals unmöglich. Highsmith veröffentlichte das Buch unter dem Namen Claire Morgan. Es wurde zum Kultroman. Bevor sie die ersten Seiten schrieb, begann sie eine Psychoanalyse, um sich von ihrer Homosexualität zu heilen.

Erst vierzig Jahre später erschien «Salz und sein Preis» unter Patricia Highsmiths Namen mit dem Titel «Carol». Die Therapie brach Highsmith schon nach wenigen Wochen ab. «Nach allen platonischen Gesetzen», hielt sie im Tagebuch fest, «bin ich ein Mann und liebe Frauen.» Ihr Beziehungsleben blieb eine Achterbahn, sie begann zu reisen. Nach Mexiko. Nach Europa. Anfang der fünfziger Jahre war sie mehr oder weniger pausenlos unterwegs, auch in der Schweiz. Zürich bezeichnete sie als «sehr adrett und bourgeois und opulent», bei der Fahrt über den Gotthard wurde ihr schwindlig.

Sie verliebte sich. Immer wieder. Affären. Hochgefühle, Krisen, Trennungen. In München lernte sie 1951 Ellen Hill kennen. «Ellen und ich streiten oder missverstehen uns in jedem Gespräch», notierte Highsmith im Tagebuch: «und vielleicht war ich zu betrunken, um zu merken, dass wir dabei waren, uns ineinander zu verlieben». Vier Jahre lang waren die beiden ein Paar. Ein hektisches Auf und Ab. Ellen beging mehrere Selbstmordversuche, einen davon in Highsmiths Gegenwart. Befreundet blieben sie bis an Highsmiths Lebensende.

1952 reisten Highsmith und Ellen Hill durch Europa. Von Paris an die Côte d’Azur, dann nach Florenz, Ischia. Und nach Positano. Vom Balkon des Hotels aus sah Highsmith dort eines Morgens einen jungen Mann, der am Strand entlangging. In Shorts und Sandalen, ein Badetuch über der Schulter. Weder im Notizheft noch im Tagebuch hielt sie die Szene fest. 1990 erinnerte sie sich in einem Essay für eine Zeitschrift daran: «Er schien tief in Gedanken versunken, vielleicht war er besorgt. Hatte er mit jemandem gestritten? Was ging ihm durch den Kopf?»

Mr. Ripley

Sie sah ihn ein paar Minuten. Und dann nie wieder. Aber sie vergass ihn nicht. Er wurde zur Keimzelle für die Figur des Tom Ripley. Ein Meistermörder. Mehr als das: Ripley ist der vielleicht abgründigste Mörder der Weltliteratur. Kultiviert, ein Dandy, bewandert in Kunst und Musik, ein angenehmer Gesprächspartner. Und zugleich ein skrupelloser Mensch, der sich nimmt, was er will, auch wenn er dafür töten muss. Weil er überzeugt ist, dass es ihm zusteht.

Drei Jahre nach der Italienreise liess Highsmith Tom Ripley zum ersten Mal auftreten. Im Roman «Der talentierte Mr. Ripley» tötet er zwei Menschen, fälscht ein Testament und schafft so die Grundlage für ein finanziell unbeschwertes Leben. Und Highsmith bringt es fertig, dass man als Leser Ripley mag. Dass man froh ist, wenn seine Verbrechen nicht aufgedeckt werden. Auch wenn man abgestossen ist von seinem aalglatten Opportunismus, davon, dass für ihn Gut und Böse nur eine Frage des Standpunkts und Gewalt ein legitimes Mittel ist, wenn man sich einen Vorteil verschaffen kann.

Ripley wird Highsmiths erfolgreichste Figur. In fünf von ihren Romanen ist er Protagonist. Und manchmal ist er auch in den Büchern gegenwärtig, in denen er nicht auftritt. In den für Highsmith typischen Mördern, die sich um ihre Taten keine grossen Gedanken machen und Moral für ein edles, aber entbehrliches Accessoire halten. Seit er am Strand von Positano auftauchte, hat Ripley Patricia Highsmith nie ganz verlassen. Manchmal unterschrieb sie Briefe mit «Ripley».

Im Winter 1987 meldete er sich wieder, in Aurigeno. Hinter der knappen Notiz vom Weihnachtstag steckt Tom Ripley, auch wenn er nicht genannt wird: Der Flughafen Orly liegt nahe bei Villeperce-sur-Seine, dem fiktiven Wohnort, den Highsmith ihm zugewiesen hatte. Und Leichen zu beseitigen, ist Ripleys Spezialgebiet. Ein paar Tage nach Weihnachten war er dann ganz da. Anfang Januar notierte sich Highsmith: «Ripley wird verrückt.» Ein Jahr später begann sie «den neuen Ripley» zu schreiben, gut zwei Jahre später war die erste Fassung von «Ripley Under Water» fertig.

Im Bunker

Es sollte der letzte Ripley-Roman sein. Die Arbeit ging langsamer voran, als Highsmith es gewohnt war. In Aurigeno hatte sie, was sie brauchte: Ruhe zum Schreiben. Aber es ging ihr schlecht. Sie fühlte sich erschöpft, war gereizt, deprimiert. Im Frühling vorher hatten die Ärzte Lungenkrebs entdeckt, sie hatte sich in London operieren lassen. Erfolgreich. Sie schöpfte Hoffnung und beschloss, ein neues Haus zu suchen. Erwog, wieder nach Frankreich zu ziehen, reiste sogar nach Montcourt, wo sie lange gelebt hatte, fand aber nichts Geeignetes.

Über Freunde wurde sie auf ein Grundstück in Tegna aufmerksam. Drei Dörfer weiter Richtung Locarno, etwas erhöht, in den Terre di Pedemonte. Heller und freundlicher als in Aurigeno. Aber teuer. Highsmiths Freunde waren sich einig, dass sie für das Grundstück viel zu viel bezahlt habe. Ihr war es egal. Vom Zürcher Architekten Tobias Ammann liess sie ein Haus entwerfen, nach ihren Vorstellungen. Ein Haus wie eine Festung, aus hellem Sichtbackstein, der sich wie ein Panzer um den Bau legt. Kleine Fenster, eine schmale Eingangstür. «Hitlers Bunker» soll eine Freundin gesagt haben, die zum ersten Mal zu Besuch kam. «Ein starkes Haus», sagte Patricia Highsmith selbst.

Sie scheint sich wohlgefühlt zu haben. Soweit sie das konnte. Innen war das Haus hell. Karg, aber freundlich eingerichtet, einzelne Möbel hatte Highsmith selbst gezimmert. Von dem Garten, in dem keine einzige Blume wuchs, hatte man Aussicht in die Berge. Zur Ruhe kam Highsmith darin nicht. Sie war oft unterwegs. Nach Italien, Marokko, nach London. Verhandelte über Filmrechte. Sie war eine der berühmtesten Autorinnen und dementsprechend gefragt. Für Lesungen, Reden, Interviews. An Preisverleihungen und Buchmessen. Das wurde zu viel für sie. Sie war krank. Fühlte sich zu müde zum Arbeiten.

Trotzdem plante sie einen neuen Roman. Er sollte in Zürich spielen. In einer Schwulenbar. Eine Liebesgeschichte mit einem Mord, an dem die Autorin allerdings bald das Interesse verlor und der ins Leere läuft. Für die Recherchen vor Ort hatte Highsmith keine Kraft mehr und delegierte sie an eine Freundin. Als im März 1991 ihre Mutter starb, reiste sie nicht zur Beerdigung. Ein Jahr später ging sie ein letztes Mal nach Texas, um ihren Cousin Dan zu besuchen. Nach ihrer Rückkehr ins Tessin, nahmen die gesundheitlichen Beschwerden zu, die Arztbesuche wurden häufiger.

Ausweglos

Highsmith zog sich in ihr Haus zurück, arbeitete an dem Roman, der erst nach ihrem Tod unter dem Titel «Small g – eine Sommeridylle» erscheinen sollte. Ein seltsam schwebendes Buch, eine Geschichte, die scheinbar ziellos vor sich hin treibt. Das übliche Schreibpensum, acht Seiten pro Tag, schaffte Highsmith nicht mehr. Ärgerte sich darüber, war unzufrieden. Sie hatte Angst um ihren Besitz, unterbreitete ihrem New Yorker Anwalt am Telefon kriminelle Vorschläge, wie sich das Vermögen vermehren liesse. Manchmal glaubte sie, irgendwelche Leute seien hinter ihrem Geld her. Und überlegte dauernd, wie sie ihren Nachlass regeln sollte.

Sie lebte allein, umgeben von ihren Katzen. Und Schnecken, zu denen sie schon als junge Frau grosse Zuneigung gefasst hatte. Sie züchtete sie mit Hingabe und nahm auf Reisen immer ein paar Exemplare mit. Das erzählte sie jedenfalls. Wenn sie Besuch empfing, war sie gastfreundlich – zumindest, solange es um Bier und Whisky ging. Zum Essen stellte sie höchstens Hering oder Milchprodukte auf. Dinge, die man auch an die Katzen verfüttern konnte.

Ihr Gesundheitszustand verschlimmerte sich. Der Krebs kam wieder, dazu diagnostizierten die Ärzte eine Anämie, ihr Knochenmark bildete zu wenig Blutzellen. Sie hätte eine Chemotherapie gebraucht. Aber die hätte das Knochenmark noch mehr geschädigt. Ausweglos. Als sich zeigte, dass Highsmith nicht mehr allein im Haus leben konnte, vermittelte ihr Verleger eine Haushalthilfe. Bruno Sager, einen ehemaligen Musikagenten, der das Haus in Schuss hielt, einkaufte und kochte. Für vierhundert Franken monatlich. Highsmith akzeptierte es widerwillig.

Ein halbes Jahr lebte Sager bei Highsmith. Sie war krank, schwach, depressiv. Ass wenig, trank unvermindert. Mit dem Rauchen hatte sie auf Anraten der Ärzte aufgehört. Die Arbeit ging stockend voran. Highsmith sei mit düsterer Miene durchs Haus gegangen. «Ich dachte, sie sei wütend, bis ich verstand, dass das ihr normaler Gesichtsausdruck war», erzählte Sager später. Der Kontakt sei sehr freundlich gewesen. Nur über Politik habe er sich nicht mit ihr unterhalten können.

«Er ist ein Jude, wissen Sie»

Highsmiths politische Ansichten waren extrem, abstrus und von Vorurteilen bestimmt. Vor allem vom Hass auf Israel und Juden. Den Holocaust bezeichnete sie als «Semicaust», schliesslich hätten die Nazis «nur die Hälfte» der Juden umgebracht. Über praktisch alle ihre Verleger ausser Daniel Keel äusserte sie sich gehässig und pflegte hinzuzufügen: «Er ist ein Jude, wissen Sie.» Bei einem Abendessen mit Freunden kam das Gespräch auf die Shoah. Highsmith soll den Ärmel ihres Pullovers hochgekrempelt und sich mit einem Kugelschreiber eine Nummer auf den Unterarm geschrieben haben. Dann habe sie laut gelacht.

Auch in den letzten Monaten ihres Lebens zeigte Patricia Highsmith die zwei Gesichter, die sie hatte: eine Misanthropin, die charmant sein konnte. «Sie war nicht nett, und sie war selten höflich», schrieb ihre Biografin Joan Schenkar. Die Künstlerin Ingeborg Lüscher, die mit ihr befreundet war, beschreibt Highsmith als liebevoll und mitfühlend. Sie sei gastfreundlich gewesen, habe Freude daran gehabt, andere zum Lachen zu bringen, und sich rührend um ihre Freunde gekümmert, auch als es ihr selbst schlechtgegangen sei.

Die letzte Haushalthilfe, die nach Bruno Sager bei Highsmith lebte, zeichnet ein ganz anderes Bild. In einem Beitrag für eine amerikanische Zeitschrift schilderte Elena Gosalvez Blanco kürzlich die Stimmung im Haus: beklemmend. Highsmith sei unfreundlich gewesen und habe sie wegen unbedeutender Dinge beschimpft. Ihr Freund habe das Haus nicht betreten dürfen, Highsmith habe ihr Szenen gemacht, wenn sie länger als eine Stunde weg gewesen sei, und ihr verboten, das Telefon im Haus zu benützen: «Manchmal dachte ich, sie wolle mich umbringen. Sie verhielt sich wie eine eifersüchtige Geliebte.»

Das war sie vielleicht tatsächlich. Elena weckte in Highsmith Erinnerungen. An die Frau, die sie selbst einmal gewesen war. An Frauen, die sie geliebt hatte. Am 4. Februar 1995 starb Patricia Highsmith in einer Klinik in Locarno. Bis zuletzt hatte sie Pläne für neue Bücher. Und bis zuletzt war Tom Ripley bei ihr. Auf dem Einband des letzten Notizheftes hatte sie Titel für neue Ripley-Romane notiert: «Ripleys Glück», «Ripley und die Stimme der Toten». Den zweiten Titel strich sie wieder durch.

Hier finden Sie weitere Schweizer Orte und die Künstler, die von ihnen inspiriert wurden.

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rbl. · Die einen gehen an den Genfersee, andere zieht es ins Tessin oder ins Berner Oberland: Künstler suchen sich besondere Orte. Sei es, weil sie Anregungen erhalten durch die Landschaft oder weil sie ein Haus finden, das ihnen als Rückzugsort ungestörtes Schaffen verspricht. In einer Reihe von Artikeln stellen wir temporäre Refugien von bedeutenden Künstlern, Dichtern und Musikern in der Schweiz vor. Am 1. November lesen Sie an dieser Stelle über Roman Polanski, der seit Jahrzehnten ein Chalet in Gstaad besitzt und sich bis heute ins Saanenland zurückzieht. Hier verbrachte der polnisch-französische Regisseur Ende 2009 seinen Hausarrest, als die USA ein Auslieferungsgesuch stellten wegen eines weit zurückliegenden Vergewaltigungsfalls. Journalisten aus aller Welt belagerten damals Chalet und Gemeinde.

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