Gesperrte Smartphones, verlorene Passwörter und Zwei-Faktor-Authentifizierung können Erben vor große Probleme stellen. COMPUTER BILD zeigt, wie Sie legal an wichtige Daten gelangen – und welche Fehler Sie vermeiden sollten.
Für Erben ist die Suche nach Zugangsdaten und Konten von Verstorbenen oft sehr frustrierend.
Foto: COMPUTER BILD (KI generiert)
Gesperrte Smartphones, verlorene Passwörter und Zwei-Faktor-Authentifizierung können Erben vor große Probleme stellen. COMPUTER BILD zeigt, wie Sie legal an wichtige Daten gelangen – und welche Fehler Sie vermeiden sollten.
Wenn ein Angehöriger stirbt, beginnt oft eine schwierige Suche: die nach seinem digitalen Leben. Wo sind wichtige Dokumente gespeichert? Welche Online-Konten existieren überhaupt? Gibt es Fotos in der Cloud, laufende Abos oder gar Vermögenswerte wie Kryptowährungen?
Oft sind es ausgerechnet die Sicherheitsfunktionen moderner Geräte, die Erben vor die größten Probleme stellen. PINs, Zwei-Faktor-Authentifizierung und verschlüsselte Geräte schützen die Daten des Verstorbenen – erschweren aber auch berechtigten Erben den Zugang. COMPUTER BILD erklärt, wie Sie legal an wichtige Informationen gelangen und welche Fehler Sie vermeiden sollten.
Viele Angehörige kündigen nach einem Todesfall zunächst Mobilfunkverträge oder setzen Geräte zurück. Das kann schwerwiegende Folgen haben. Deshalb gilt: Smartphones, Tablets und Computer niemals voreilig zurücksetzen, verkaufen oder entsorgen. Das ist insbesondere bei Smartphones wichtig, da Sie diese möglicherweise auch für Zwei-Faktor-Authentifizierungen brauchen.
Der
Bundesgerichtshof (BGH) entschied 2018, dass digitale Konten grundsätzlich vererbbar sind. Erben treten damit in die Rechtsposition des Verstorbenen ein. Trotzdem verlangen die meisten Anbieter Nachweise wie Sterbeurkunden oder Erbscheine, bevor sie Informationen herausgeben. Einige Anbieter geben auch gar keine Zugangsdaten raus.
Wer Zugriff auf das E-Mail-Postfach erhält, kann häufig einen Großteil des digitalen Lebens rekonstruieren. Denn dort sind oft Registrierungsmails, Rechnungen und Ähnliches enthalten. So lassen sich Konten bei Amazon, PayPal, Streaming-Diensten, Cloud-Anbietern oder sozialen Netzwerken identifizieren.
Um Zugriff auf die Daten eines Verstorbenen zu erhalten, müssen Sie sich in der Regel direkt an den Anbieter wenden. Welche Unterlagen erforderlich sind, hängt vom jeweiligen Unternehmen ab. Häufig werden Sterbeurkunde und Erbnachweis verlangt.
Auch die Zugänge zu den Konten von Apple, Google und Microsoft sind Gold wert. Denn diese Konten sind oft mit Smartphones, Tablets und Computern verknüpft. Wer darauf Zugriff erhält, kann häufig Fotos, Dokumente, E-Mails und weitere wichtige Informationen finden.
Die Anbieter gehen aber sehr unterschiedlich damit um, welchen Zugriff Erben erhalten. Google überträgt Hinterbliebenen grundsätzlich nicht die Kontrolle über das komplette Konto eines Verstorbenen. Stattdessen prüft das Unternehmen im Einzelfall, welche Daten herausgegeben werden können. Dazu müssen Sie einen
Antrag stellenund brauchen die Sterbeurkunde, den Erbschein, gegebenenfalls Vollmachten und den Ausweis der oder des Verstorbenen.
Hinterbliebene können sich an den
Microsoft-Kundensupportwenden und einen Antrag auf Zugang zu den Daten eines Verstorbenen stellen. Dafür verlangt das Unternehmen einen Nachweis der Rechtsnachfolge. Nach Angaben von Microsoft müssen Angehörige unter anderem die Sterbeurkunde, einen Erbschein oder einen vergleichbaren gerichtlichen Nachweis sowie Ausweisdokumente des Verstorbenen und des Antragstellers vorlegen. Gibt es mehrere Erben, kann zudem eine Zustimmung der übrigen Erbberechtigten erforderlich sein.
Wenn Sie Zugriff auf einen Computer oder ein Smartphone des Verstorbenen haben, schauen Sie nach
Passwort-Managern. Darin finden Sie Zugangsdaten für fast alle Dienste.
Googleund Apple speichern die Passwörter auf Wunsch direkt im Account, weshalb Sie dort ebenfalls nachschauen sollten.
Nicht immer wissen Angehörige, bei welchen Banken der Verstorbene Konten geführt hat. Wer keine Kontoauszüge oder Unterlagen findet, kann bei den großen Bankenverbänden Suchaufträge stellen:
Senden Sie dazu eine E-Mail an die Adresse nachforschung@dsgv.de und fügen Sie folgende Dokumente bei:
Für Volksbanken und Raiffeisenbanken gibt es keine zentrale Anlaufstelle. Stattdessen öffnen Sie die
Übersichtsseiteund klicken auf der Karte auf das Bundesland, in dem der oder die Verstorbene gewohnt hat oder in dem Sie Konten vermuten. Sie bekommen dann die Kontaktdaten der örtlichen, zuständigen Bank. Dort müssen Sie Ihr Auskunftsrecht mit dem Erbschein, Testament nebst Eröffnungsniederschrift, einem Betreuerausweis oder dem Testamentsvollstreckerzeugnis nachweisen.
Besonders schwierig ist die Lage bei
Kryptowährungen. Mit Glück finden Sie in Passwort-Managern oder E-Mail-Konten Hinweise darauf oder sogar Passwörter. Andernfalls sind die Vermögenswerte leider oft verloren. Hinterbliebene sollten aber keine Geräte zurücksetzen, bevor sie nach
Wallet-Apps,
Börsenkontenoder Sicherungscodes gesucht haben.
Viele Probleme entstehen gar nicht erst, wenn Nutzer zu Lebzeiten vorsorgen. Google bietet dafür den sogenannten
Kontoinaktivität-Manageran. Apple ermöglicht die Einrichtung eines
Nachlasskontakts. Sind diese Funktionen eingerichtet, erhalten zuvor festgelegte Vertrauenspersonen deutlich einfacher Zugriff auf wichtige Daten.
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