Der Kursrutsch von Samsung verstärkt die Flucht aus den hoch bewerteten KI- und Halbleiterwerten. Der Dax fällt, Siemens Energy und Infineon notieren kräftige Verluste. Auch in den USA zeigen sich die Anleger zurückhaltend, der Nasdaq knickt ein.
Auf und Ab an der Börse: Die wichtigsten Informationen zum Dax, Dow Jones, zu den Aktienkursen und den Ölpreisen
Foto: Westend61 / Getty ImagesKräftige Kursverluste von Aktien mit Bezug zu künstlicher Intelligenz (KI) haben dem Dax am Dienstag Verluste eingebrockt. Nach seinem Rekordlauf in den vergangenen drei Handelstagen gab der deutsche Leitindex um 1,4 Prozent auf 25.465 Punkte nach. Der MDax verlor 2 Prozent auf 32.627 Punkte. Der EuroStoxx 50 gab ebenfalls um 1,2 Prozent nach.
Am Donnerstag noch hatte der Leitindex seinen fast sechs Monate alten Höchststand getoppt, am Freitag erstmals die Marke von 25.800 Punkten übersprungen und am Montag die Marke von 25.900 Punkten erstmals getestet.
Am Dienstag dann übertrug sich die negative Stimmung in Asien auf Europas Börsen. Die Titel des Chipriesen Samsung rutschten am Dienstag um fast 7 Prozent ab und zogen damit den südkoreanischen Leitindex Kospi um knapp 5 Prozent nach unten.
Hinzu kommt, dass die US-Bank Morgan Stanley einen Wandel im KI-Markt sieht: weg von Chips und hin zu Hyperscalern. Das leicht verdiente Geld mit wachstumsgetriebenen Chip- und Speicheraktien dürfte zunehmend einer breiteren zyklischen Rotation weichen, die durch den Iran-Krieg unterbrochen worden sei. Nun aber fielen die Ölpreise wieder und die Zinsen stabilisierten sich.
Hierzulande traf der bereits eingesetzte Stimmungsumschwung besonders stark das Papier des Energietechnikunternehmens Siemens Energy, das fast 10 Prozent einbüßte. Zusätzlich belastete noch unter eine Abstufung durch die Bank Barclays auf „Underweight“. Laut Analyst Vlad Sergievskii preist die Aktie einen seit Generationen beispiellosen Aufschwung ein, der sich auf unbestimmte Zeit fortsetzen werde.
Infineon sanken um 8,3 Prozent, Hochtief um 5,1 Prozent, und im MDax sackten Elmos, Aixtron, Siltronic, Jenoptik und Suss Microtec zwischen bis zu 10 Prozent ab.
TKMS gibt nach Kursprung am Vortag wieder nach, Autowerte im AufwindFür TKMS ging es nach einem Kurssprung um 11 Prozent am Vortag am Nachmittag um 2,5 Prozent abwärts. Wie inzwischen bestätigt, kauft Kanada zur Erneuerung seiner U-Boot-Flotte auch beim Kieler Marineschiffbauer ein.
Europas Autowerte setzten ihre Erholung derweil fort. Der Branchenindex Stoxx Europe 600 Automobiles & Parts schaffte es an seine 50-Tage-Linie heran. Im Dax war Mercedes der stärkste Branchenvertreter mit einem Plus von 1,1 Prozent. BMW gewannen 1 Prozent, Volkswagen 0,5 Prozent und im MDax Porsche AG 0,5 Prozent.
Der Leitindex Dow Jones notierte zuletzt ein Minus von 0,3 Prozent bei 52.866 Punkten. Der Nasdaq verbuchte dagegen ein Minus von 1,9 Prozent auf 29.303 Punkte. Der S&P 500 lag mit 0,6 Prozent Abschlag und 7496 Punkten ebenfalls unter Vortagsschluss.
Die Papiere der Chip-Titel Micron, Intel und AMD verbuchten zuletzt Kursabschläge zwischen 3,5 und 4,7 Prozent. Sie litten unter Quartalszahlen von Samsung.
Die Resultate des Elektronikriesen seien auf den ersten Blick hervorragend gewesen, stellte Marktbeobachter Stephen Innes fest. Die Aktien seien aber mit derart hohen Ansprüchen der Investoren belegt, dass die Erwartungen kaum noch übertroffen werden konnten. Insgesamt ändere sich gerade die Erwartungshaltung, erklärte Innes. Nicht mehr die starke KI-Nachfrage sei entscheidend, sondern ob das Tempo dynamisch genug bleibe, um die bereits hohen Bewertungen zu rechtfertigen.
Für die Papiere von Nvidia ging es um 1,6 Prozent abwärts. Sie litten unter einem Medienbericht, wonach der chinesische Konkurrent Deepseek einen eigenen Chip für KI-Anwendungen entwickelt. Wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Insider berichtete, ist der Chip für Inferenz gedacht, also die Phase, in der ein trainiertes KI-Modell Antworten für Nutzer erzeugt, und nicht für das Training neuer Modelle. Der Schritt könnte Deepseeks Abhängigkeit von Nvidia- und Huawei-Chips verringern.
SpaceX gibt trotz Nasdaq100-Aufnahme nachTrotz der Aufnahme in den Nasdaq100 und positiver Analystenkommentare rutschen Aktien von SpaceX ab. Die Titel des Raumfahrtkonzerns des Milliardärs Elon Musk geben bis zu 6 Prozent nach. Seit ihrem Börsendebüt vor rund drei Wochen haben die Papiere mehr als 8 Prozent an Wert verloren.
Die Ölpreise haben am Dienstag im frühen Handel etwas zugelegt. Für etwas Anspannung im Handel sorgten Nachrichten über einen Angriff auf einen Tanker in der Straße von Hormus. Der Preisanstieg hielt sich aber in Grenzen. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im August stieg zuletzt um 0,74 Prozent auf 72,52 US-Dollar an.
Die Crew eines Tankers in der Straße von Hormus hatte einen Angriff auf ihr Schiff gemeldet. An Bord sei ein Feuer ausgebrochen, teilte die britische Behörde für Sicherheit der Handelsschifffahrt (UKMTO) unter Berufung auf Angaben der Schiffbesatzung mit. Der Tanker sei rund acht Seemeilen vor dem omanischen Küstenort Lima von einem „unbekannten Geschoss“ getroffen worden. Verletzt worden sei niemand.
Wer hinter dem Angriff steckt, blieb zunächst unklar. Das Portal „Axios“ berichtete unter Berufung auf zwei US-Beamte, die iranischen Revolutionswächter hätten mindestens zwei Raketen auf den Frachter abgefeuert. Einer der Beamten sagte demnach, zwei Schiffe seien durch den Beschuss stark beschädigt worden. Eine offizielle Reaktion der US-Regierung blieb zunächst aus.
Die strategisch wichtige Meerenge, die die Produzenten am Persischen Golf mit den Weltmärkten verbindet, ist nach einer fast vollständigen Schließung infolge des US-Iran-Kriegs wieder teilweise geöffnet. „Die jüngsten Angriffe auf Schiffe im Persischen Golf zeigen, dass wir von einer Normalisierung noch weit entfernt sind“, sagte Warren Patterson, Rohstoffstratege bei ING in Singapur, der Nachrichtenagentur Bloomberg. Eine begrenzte Reaktion der USA auf den Angriff könne den Ölpreis kurzfristig stützen, doch angesichts der negativen Stimmung und der Nachfrageschwäche dürfte jede Erholung nur von kurzer Dauer sein.
Gestern hatte zudem Saudi-Arabien die größten Preissenkungen seit Jahren vorgenommen. Händler werteten dies als Zeichen für den wachsenden Wettbewerb, da die Lieferungen aus dem Persischen Golf wieder anlaufen. Die Öl-Notierungen haben bisher kaum auf die neuesten Nachrichten von Opec+ reagiert. Wie am Sonntag mitgeteilt wurde, will das Ölkartell mehr Öl in den Markt pumpen. Im August werde die Produktion um täglich 188.000 Barrel (je 159 Liter) ausgeweitet, teilte eine Kerngruppe aus sieben Staaten mit. Zugleich behielten sich die Länder vor, den Produktionszuwachs je nach Marktsituation zu beschleunigen, auszusetzen oder rückgängig zu machen, hieß es.
Im zweiten Quartal war der zwischenzeitlich stark gestiegene Preis für Brent-Rohöl am Ende um 30 Prozent gefallen, nachdem Washington und Teheran ein vorläufiges Friedensabkommen geschlossen hatten. Dieses machte den Weg für eine zügige, wenn auch noch unvollständige Normalisierung des Verkehrs durch die Straße von Hormus frei. Vor diesem Hintergrund gehen nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg mehrere Wall-Street-Banken davon aus, dass die Preise in der zweiten Jahreshälfte weiter fallen könnten. Experten von Citigroup halten einen Rückgang bis auf 60 US-Dollar je Barrel bis zum Jahresende für möglich.
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