Es scheint, dass Mallorca die Hemmungen abgelegt hat, sich zu wehren. Der Protest gegen den Massentourismus, der vor einigen Jahren noch wie die Wahnvorstellung einiger weniger verrückter Umweltschützer erschien, ist längst in der gesellschaftlichen Mitte angekommen. Wie sehr, wird sich an diesem Sonntag (26.7.) zeigen. Bereits zum dritten Mal nach 2024 und 2025 ruft die Plattform "Menys turisme, més vida" zur Demonstration (19 Uhr, Plaça d'Espanya) auf. Der Vorsitzende der Organisation, Pere Joan Femenia, erwartet bis zu 40.000 Teilnehmer.
Es scheint, dass Mallorca die Hemmungen abgelegt hat, sich zu wehren. Der Protest gegen den Massentourismus, der vor einigen Jahren noch wie die Wahnvorstellung einiger weniger verrückter Umweltschützer erschien, ist längst in der gesellschaftlichen Mitte angekommen. Wie sehr, wird sich an diesem Sonntag (26.7.) zeigen. Bereits zum dritten Mal nach 2024 und 2025 ruft die Plattform "Menys turisme, més vida" zur Demonstration (19 Uhr, Plaça d'Espanya) auf. Der Vorsitzende der Organisation, Pere Joan Femenia, erwartet bis zu 40.000 Teilnehmer.

Mallorca steht nicht zum Verkauf: Die Bilder der Massendemonstration vom Samstag / Manu Mielniezuk
Gegenüber der MZ-Schwesterzeitung "Diario de Mallorca" erklären Menschen der Insel, warum sie sich dem Protest anschließen. Sie fordern einen „Wechsel des Tourismusmodells“, bei dem auch die Bedürfnisse der einheimischen Bevölkerung berücksichtigt werden. Der Zugang zu Wohnraum, der Verlust von Identität, Kultur und Sprache sowie das Gefühl, ständig eingeengt und im Stau gefangen zu sein, zählen zu den größten Sorgen der Befragten.
"Am Tiefpunkt angekommen"„Wir sind am Tiefpunkt angekommen, mehr geht nicht. Es macht mich traurig, dass die Menschen von hier sich keine Wohnung mehr kaufen können“, erklärt Javi Martorell aus Santa Maria. Der Krankenpfleger hält eine Reduzierung des Tourismus für notwendig, da das derzeitige Modell den öffentlichen Dienstleistungen und den Beschäftigten schade. „In dem Krankenhaus, in dem ich arbeite, gibt es so gut wie keine Bewerber mehr. Ich weiß nicht, inwiefern es sich lohnt, dass die großen Hotelunternehmen Millionen verdienen, während uns immer weniger Mittel zur Verfügung stehen:"
Auch die Journalistin Neus Gil hält einen Wechsel des Wirtschaftsmodells für notwendig und erklärt, Mallorca habe „die Belastungsgrenze des Tourismus bereits vor langer Zeit erreicht“. „Bei den meisten Entscheidungen wird nicht an die Einwohner gedacht. Der Protest ist ein Aufschrei gegen den Massentourismus und gegen seine Folgen für das tägliche Leben der Menschen auf der Insel“, sagt sie.

Overtourism auf Mallorca: Viele Bewohner der Insel fühlen sich von den Menschenmassen belastet. / DM
Aina Maria Obrador ist Lehrerin und lebt seit 32 Jahren im Viertel Es Molinar. Sie hat miterlebt, wie es zunehmend seinen Charakter verliert. „Es ist kein richtiger Wohnort mehr, sondern verwandelt sich immer mehr in ein touristisches Schaufenster." Obrador bezeichnet die Wohnungsnot als eines der größten Probleme und kritisiert die Umwandlung traditioneller Wohnhäuser in Touristenunterkünfte. „Das größte Drama besteht darin, dass Häuser, in denen früher meine Nachbarn lebten, renoviert und zu Ferienunterkünften gemacht wurden – und anschließend das ganze Jahr über leer stehen."
Fremd in der eigenen StadtDie Berufsberaterin Carlota Padilla erklärt, sie werde an der Demonstration teilnehmen, weil Mallorca ihrer Ansicht nach vor einem Modell geschützt werden müsse, das wirtschaftliche Gewinne über das Wohlergehen der Einwohner stelle. „Es macht mich sehr traurig, durch das Zentrum meiner eigenen Stadt zu gehen und mich dort wie eine Fremde zu fühlen.“
Ariadna Bacigalupe beklagt derweil, dass die Insel wie ein Freizeitpark behandelt wird. „Jedes Jahr gibt es mehr Touristen, mehr Hotels, mehr Ferienvermietungen und eine stärkere Überlastung der Straßen, Strände und Ortschaften. Gleichzeitig wird es für uns Einwohner immer schwieriger, eine Wohnung zu finden. Wir verbringen Stunden im Stau und können unsere Insel nicht mehr genießen, ohne sie ständig mit riesigen Menschenmengen teilen zu müssen."

Ariadna Bacigalupe bei der Demo im vergangenen Jahr. / P.M.
Die 17-jährige Neus Vidal wird an diesem Sonntag bereits zum zweiten Mal in Folge an einer Kundgebung gegen den Massentourismus teilnehmen. Ihre Beweggründe sind einfach: „für das zu kämpfen, was uns gehört“. Vidals größter Wunsch ist eine Zukunft, in der die Inseln nicht mitansehen müssen, wie ihre Sprache, ihr Land und ihre Bräuche auf ein Geschäft reduziert werden, von dem nur einige wenige profitieren. „Auf die Straße zu gehen, ist die einzige Möglichkeit, Veränderungen zu erreichen."
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