St. Pauli-Trainer Marcel Rapp spricht über das heiße Duell in Kiel, wo er weiterhin wohnt. Auch sein einstiger Entdecker traut ihm vieles zu.
FC St. Pauli
Rapp-Rückkehr nach Kiel: Wie St. Paulis neuer Trainer „begeistern“ kannNeuer Mann an der Seitenlinie: Trainer Marcel Rapp (47) bei St. Paulis Auftakt gegen Fürth (1:1) WITTERS
St. Pauli-Trainer Marcel Rapp spricht über das heiße Duell in Kiel, wo er weiterhin wohnt. Auch sein einstiger Entdecker traut ihm vieles zu.
Zweiter Spieltag, zweites Heimspiel. Das gilt zumindest für St. Pauli-Trainer Marcel Rapp. Für ihn geht es zurück an seine alte Wirkungsstätte, zu seiner alten Liebe Holstein Kiel. Fast fünf Jahre lang war er dort der Coach der „Störche“. Zwar glaube der Trainer nicht, dass noch „viel Rapp in Kiel steckt“, andersherum kann man aber durchaus davon sprechen, dass noch jede Menge Kiel in Rapp steckt. Das weiß auch einer, der ihn einst an die Förde holte und für beide Klubs arbeitete, die nun Gegner sind.
„Für immer Aufstiegstrainer“, huldigte sein ehemaliger Arbeitgeber Holstein den Coach zu seinem Abschied im Februar. Eine äußerst erfolgreiche Zeit ging für den gebürtigen Pforzheimer zu Ende. „Es ist eine Zeit, die ich nie vergessen werde“, betont Rapp vor der Partie am Freitag (18.30 Uhr). „Ich war lange da und wir haben den Verein auf ein neues Level gehievt.“
In Kiel knallen die Korken! 2024 steigt Holstein unter Marcel Rapp erstmals in die Bundesliga auf. picture alliance/Eibner-Pressefoto/Marcel von Fehrn
Kein Wunder also, dass Rapp ein „besonderes Spiel“ erwartet. „Trotzdem“, stellt der Mann, der nicht für seinen ausufernden verbalen Enthusiasmus bekannt ist, klar, „ist es vorbei. Ich fahre als Trainer des FC St. Pauli da hin und will das Spiel gewinnen.“ Es ist das zehnte Aufeinandertreffen mit seinem Kiel-Nachfolger Tim Walter (keinem Trainer stand Rapp häufiger gegenüber) und er freue sich „brutal auf das Spiel“.
St. Pauli-Trainer Rapp wohnt weiter in KielAuch nach seinem Wechsel zum Kiezklub hat der 47-Jährige seinen Hauptwohnsitz mit seiner Familie, Ehefrau Bettina und den beiden Töchtern weiterhin am Kieler Stadtrand. Anreisen wird Rapp dennoch nach einer Übernachtung in seinem Zweitwohnsitz in Hamburg, gemeinsam mit dem Team.
„Nach dem Spiel fahre ich mit der Mannschaft zurück und schlafe wieder in Hamburg. Völlig unspektakulär“, verrät Rapp, der die Hansestadt schon zu Kieler Zeiten gelegentlich besuchte und nun pendelt. „Deswegen hat sich jetzt nicht so viel verändert. Hamburg ist eine schöne Stadt, von daher bin ich sehr zufrieden, wie mein Leben im Moment ist.“ Eine außergewöhnliche Konstellation ist es dennoch, dass sein Zuhause nach wie vor in der Stadt seines alten Vereins ist, bei dem er jetzt antritt – zum „Heim-Auswärtsspiel“.
Ein Ex-St. Paulianer machte Rapp zum Profi-TrainerDass Rapp im Jahr 2021 überhaupt in Kiel gelandet ist und mit seiner Familie Wurzeln geschlagen hat, verdankt er Uwe Stöver. Der 59-Jährige war damals Sportchef bei Holstein und holte den aufstrebenden Jugendtrainer aus Hoffenheim an die Förde – Rapps erste Station als Profi-Chefcoach. Eine mutige und wegweisende Entscheidung, die für alle Seiten höchst erfolgreich werden sollte.
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„Mit Marcel verbindet mich einiges“, betont Stöver, mittlerweile Geschäftsführer Sport bei Drittligist SV Wehen Wiesbaden, im Gespräch mit der MOPO. „Wenn man gemeinsam so etwas aufbaut, wie es uns in Kiel gelungen ist, auch mal in stürmischen Zeiten und gegen Widerstände, dann schweißt das zusammen.“ Bis heute haben beide regelmäßig Kontakt. „Natürlich habe ich Marcel auch zum neuen Job bei St. Pauli gratuliert.“ Und sicher auch den einen oder anderen Tipp gegeben, denn Stöver war von 2017 bis 2019 Sportchef des Kiezklubs.
Stöver traut Rapp mit St. Pauli einiges zuDer FC St. Pauli habe mit Rapp einen Trainer bekommen, „der brennt“, wie Stöver sagt. „Marcel ist sehr fleißig, sehr akribisch, taktisch äußerst versiert und bereit, mehr für den Erfolg zu geben, als ein Trainer normalerweise tun muss.“ Zudem zeichnen Rapp sein „aufrichtiger Charakter und seine Menschlichkeit“ aus, wie Stöver sagt. Aus Erfahrung nennt er wichtige Rahmenbedingungen für ein erfolgreiches Arbeiten Rapps: „Es ist notwendig, dass sich Marcel wohlfühlt, Vertrauen und Rückendeckung spürt, auch allein wichtige Entscheidungen zu treffen.“
Dass es grundsätzlich passt mit „Rappo“ und St. Pauli, daran hat Stöver keinen Zweifel: „Marcel kann überzeugen und begeistern. Ich denke, er wird mit seiner positiven und kommunikativen Art sehr schnell eine gute Verbindung zu den Spielern aufbauen und mit Erfolgen kann dann eine echte Dynamik entstehen. Das kann sehr erfolgreich werden.“
Als klaren Aufstiegskandidaten sieht Stöver die Kiezkicker zwar nicht, weil die Zweite Liga umkämpft und „eng beieinander“ sei, „aber ich glaube, dass sie eine von sieben, acht Mannschaften sein können, die am Ende vorne dabei sind. Dafür drücke ich St. Pauli und Marcel die Daumen.“ Nur für das anstehende Spiel nicht. „Da halte ich zu Kiel, das muss man mir nachsehen, aufgrund meiner Geschichte mit Holstein. Das wird auch Marcel verstehen.“ Besser als jeder andere im St. Pauli-Kosmos.
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