Der Beitrag Canton Vento 31 – Frischer Wind erschien zuerst auf lite - DAS LIFESTYLE & TECHNIK MAGAZIN.
Canton überrascht bei der neuen Vento-Reihe mit einem weitreichenden Alles-anders-Ansatz: Der Novitäten-Reigen reicht von den schwarzen Top-Treibern über die Umkehr der Chassis-Abfolge bis hin zum modernen Clean-Design, das die Quadratur des Kreises zelebriert. Was das bedeutet und bewirkt, erkunden wir mit dem größten Kompaktlautsprecher der Premium-Serie, der Canton Vento 31.

Attraktiv und überraschend: Die neue Canton Vento 31 präsentiert den frische Clean Look der Vento-Reihe, dessen charakteristisches Element der quadratische Waveguide des Tweeters ist.
Canton hätte es sich einfach machen können: Eine leichte Design-Anpassung hier, ein bisschen Technik-Transfer von der Referenz-Reihe da – fertig wäre die moderate Modellpflege gewesen, um die beliebte Vento-Serie, die Canton seit über zwei Dekaden im Portfolio hat und die seit Jahr und Tag die wichtigste Lautsprecher-Linie des Schallwandler-Spezialisten ist, als nächste Neuauflage zu präsentieren. Doch die Weilroder haben sich nicht für ein Update, sondern für ein Upgrade entschieden und bei der mittlerweile siebten Generation der Vento so ziemlich alles anders gemacht. Diese Veränderung beginnt gleich bei der Formsprache: Die neun Modelle der Serie, die zwei Kompakt- und drei Standlautsprecher sowie einen Center, einen Subwoofer, einen Wandlautsprecher und einen Dolby-Atmos-Aufsatz für den Heimkino-Einsatz umfasst, präsentieren sich mit einem völlig neuen und frischen Design. So sorgt auch die Vento 31, die als erstes Modell der neuen Premium-Serie zu Gast im lite-Magazin ist, direkt für ein großes „Wow“ in unserer Redaktion.

Das modern-minimalistische Design entwickelt die traditionelle Bugform weiter: Neu sind etwa die ausgeprägten horizontalen Rundungen von Vorder- und Rückseite, die zudem auch vertikal minimal gewölbten Front und die nach hinten geringer ausfallende Verjüngung der Wangen.
Bei diesem neuen Design beweist Canton Cleverness: Es stellt nämlich eine gelungene Transformation der traditionellen Bugform in einen modern-cleanen Look dar. Dahinter steckt einerseits eine Rückbesinnung auf die Bedeutung des Modellnamens: Vento ist das italienische Wort für Wind – und so strahlt das Design mit fließenden Formen Leichtigkeit und Bewegung aus. Statt der Ecken und Kanten, die bei der Vento bislang gerade im Frontbereich für eine gewisse optische Härte sorgten, prägen nun geschmeidige Rundungen die Vorder- und Rückseite des Korpus. Auch die Schallwand weist eine minimale Wölbung in der Vertikalen auf. All dies harmoniert perfekt mit den nach wie vor geschwungenen Wangen, deren Verjüngung nach hinten nun etwas geringer ausfällt. Der modern-elegante Auftritt ist aber ebenso vom Chronometer-Design hochwertiger Uhren inspiriert. Hierauf geht die neue äußere Einfassung des Tweeters zurück, die das bei Canton bewährt runde Hochtonsystem nun erstmals eckig rahmt. Hier vollführten die Weilroder die Quadratur des Kreises.

Das quadratische Design-Element der Transmission-Frontplate wird auch durch dieGehäuse-Geometrie und die Korpus-Radien aufgegriffen, wie die seitliche Ansicht zeigt.
Diese quadratische Außenkontur ist das prägende Element im Erscheinungsbild der gesamten neuen Vento-Serie – und zwar nicht nur auf der Front. Die abgerundeten Kanten der viereckigen Frontplatte passen nämlich perfekt zu den Radien des Gehäuses. Das wird einem klar, wenn man die 40 mal 22 mal 35 Zentimeter messende Vento 31 von der Seite betrachtet. In der Profilansicht ist auch erkennbar, dass diese Gehäuseproportionen ebenfalls eine Anlehnung an die quadratische Anmutung darstellen. Diese vielfältige Bezugnahme befördert die Stringenz und Stimmigkeit des gesamten Designs. Die frische Formgebung ist aber auch akustisch vorteilhaft. So verringern die neuen geschmeidigen Rundungen der Front Beugungseffekte an den Schallwand-Rändern. Doch grundsätzlich hält Cantons Chefentwickler Frank Göbl, der die Vento einst erfunden hat und seither ihre Evolution betreibt, an der traditionellen Bugform fest: Gebogene Wände sind immer resonanzärmer und steifer, was günstig für den Bassbereich ist, sich aber ebenso durch weniger Partialschwingungen im Mittelhochton auszahlt.
Um dies zu befördern, besteht der Korpus der Vento 31 aus einem Mehrschichtlaminat, das nunmehr MDF-basiert ist. Die aufwändige und dickwandige Multi-Layer-Struktur reduziert breitbandig Gehäuseresonanzen und minimiert effektiv unerwünschte Eigenresonanzen. Diese Schwingungsresistenz verstärken auch gezielt gesetzte Innenverstrebungen. Eine umfangreiche, präzise abgestimmte Dämmung wiederum verhindert unerwünschte Schallreflexionen von den Gehäusewänden. Der formverwandelte Vento-Korpus erfährt nun auch beim Coating Neuerungen. Die schwarze Version wird nach wie vor in Hochglanz realisiert. In Weiß hingegen ist die Lackierung nun seidenmatt. Hinzu tritt als neues Finish die Farbe Sand, die auch unser Testmodell ziert. Canton hat sie erstmals für die Reference 5 GS Edition angeboten – und hier kommt die mattbeige Kolorierung derart gut an, dass sie bei der neuen Vento-Serie nun gleich von Anfang an offeriert wird. Als Furnier-Variante tritt noch Nussbaum hinzu. Das Echtholzfurnier wird aber nicht mehr hochglänzend in hellem oder dunklem Holz angeboten, sondern entspricht dem matten Nussbaum-Furnier der Reference-Reihe.

Mit ihrem modern-minimalistischen Design fügt sich die Vento 31 leicht in das Ambiente ein. Zur Aufgeräumtheit der Optik tragen die komplett schwarzen Treiber und Einfassungen bei. Die neue Sand-Lackierung erweist sich als besonders wohnraumfreundlich.
In diesem Korpus sitzen nun zwei Chassis – und auch bei diesen Treibern für den Hochton sowie den Mitten- und Bassbereich, die die Vento 31 als Zwei-Wege-Lautsprecher ausweisen, mutet alles anders an. Bei der alten Vento-Serie hat Canton eine dunkel erscheinende Kalotte mit hellen Konus-Woofern kombiniert und alle Chassis mit schimmernden Diamond-Cut Aluminiumringen eingefasst. Darauf wurde nun zugunsten einer puristischen Ästhetik verzichtet. Zudem sind jetzt alle Treibereinheiten gänzlich in Schwarz realisiert. Das komplettiert den aufgeräumten, modernen Clean Look. Ebenso fällt auf den ersten Blick die Umkehr der Treiber-Abfolge auf: Erstmals ist der Mitteltöner über dem Hochtöner positioniert. Abseits dieser neuen Optik bietet die Treibersektion auch aktuelle Technik: Um ein Performance-Plus und geringere Verzerrungen zu erzielen, setzt Canton hier auf neu entwickelte Chassis. Dabei profitiert die Vento als Premium-Serie natürlich immer auch vom Technik-Transfer, also von Innovationen, die zuerst in der Reference-Serie eingesetzt werden und nun rangnächste Vento-Reihe erreichen.
Schauen wir zuerst auf den Hochtöner: Hier agiert nach wie vor eine 25 Millimeter durchmessende Kalotte, die von einem Gitter geschützt wird, in das eine Linse eingearbeitet ist. Durch diesen Vorsatz wird Schallabstrahlung der Kalotte optimiert. Neu ist nun insbesondere ihr Material: Der Dom besteht jetzt aus nochmals aufwändiger keramisiertem Aluminium. In einem komplexen elektrochemischen Oxidationsprozess wird etwa ein Viertel der metallenen Molekularstruktur in Keramik umgewandelt. Das erhöht die Härte und Steifigkeit der Membran – bei nach wie vor geringem Gewicht und vorteilhafter innerer Dämpfung. Durch diesen aufwändigen Produktionsprozess entsteht eine Beschichtung, die zudem Break-Up-Moden reduziert, also Partialschwingungen in bestimmten hohen Frequenzbereichen, in denen die Membran nicht mehr gleichmäßig-kontrolliert wie ein starrer Kolben agiert. Der optische Nebeneffekt dieser komplexen Keramisierung ist die schwarze Färbung der Membran. Deshalb spricht Canton von der „Black Ceramik-Technologie“. Sie ist vom Herstellungsprozess der Reference-Reihe abgeleitet – und so ist der Vento-Tweeter eigentlich ein Reference-Hochtöner.

Der Hochtöner ist quasi ein Reference-Tweeter: Die Kalotte durchläuft einen ähnlichen Keramisierungsprozess wie das Modell der Flaggschiff-Serie – und erreicht daher auch die schwarze Färbung. Prägnant ist der Waveguide: Die komplex geformte Transmission-Frontplate geht von einer runden Geometrie in eine quadratische Außenrahmung über.
Mit dieser Spezial-Membran soll der Hochtöner noch sauberer, feinauflösender und detailreicher bis rauf zu 40 Kilohertz agieren. Damit der Schall perfekt abgestrahlt wird, setzt Canton neben der vorgesetzten Linse einen die Kalotte umgebenden Waveguide. Diese neu entwickelte Transmission-Frontplate ist ebenfalls von der Reference-Serie abgeleitet und nun auf die Vento angepasst. Hier tritt sie als Zweiteiler auf, bei dem die runde Innen-Geometrie in eine fast quadratische Außenkontur überführt wird. Diese neue Transmission-Frontplate hat nicht nur eine optische Markanz, sondern auch mehrere akustische Meriten. Sie sorgt für eine kontrollierte, gleichmäßige Abstrahlung, indem sie eine bessere Dispersion im oberen Frequenzgebiet ermöglicht. Hier wird die Abstrahlung nicht, wie üblich, enger, sondern breiter. Im unteren Frequenzbereich hingegen ermöglicht sie eine Wirkungsgrad-Steigerung um etwa drei Dezibel. Der Waveguide unterstützt als prägender Bestandteil des akustischen Konzepts auch die optimale Abstimmung von Hochtöner und Mitteltieftöner im Übernahmebereich – zugunsten einer homogenen Abstrahlung und einer stimmigen Wiedergabe.
Bei rund drei Kilohertz übernimmt dann der ebenfalls neu entwickelte Mitteltieftöner. Er ist auf kontrollierte Dynamik und präzise Impulsverarbeitung ausgelegt. Dafür agiert er mit einem kraftvolleren Antrieb und einer frischen „Aluminium Titan Black“-Membran. Sie löst die bisherige Titanium-Graphit-Schwingfläche ab. Die ATB-Membran erfährt bei der Herstellung vor dem Eloxieren eine zusätzliche chemische Behandlung. Dies ähnelt dem Oxidationsprozess, durch den beim Hochtöner das Aluminium keramisiert wird. So findet auch bei der Woofer-Membran eine Oberflächen-Veredelung statt, die die Steifigkeit erhöht und gleichzeitig die Resonanzdämpfungseigenschaften verbessert. Mit diesen Eigenschaften kommt die Membran näher an die im Hochtonbereich eingesetzte Keramikstruktur heran. Die Einfassung der sieben Zoll durchmessenden „Aluminium Titan Black“-Membran übernimmt dann eine modifizierte Version von Cantons bewährter, mehrfach gewölbter Wave-Sicke. Sie ermöglicht durch ihre Bögen einen großen Hub mit zugleich linearer Auslenkung der Membran und verhindert die Entstehung von Resonanzen, die beim Einsatz einer konventionellen Einfassung entstehen.

Der neue Mitteltieftöner agiert mit einer „Aluminium Titan Black“-Membran. Sie kommt in puncto Steifigkeit und Resonanzdämpfung der keramisierten Membran des Tweeters nahe. Die Einfassung übernimmt Cantons bewährte Wave-Sicke.
Diesen Woofer hat Entwicklungschef Frank Göbl bei der Vento 31 nun über dem Tweeter platziert. Die Umkehr der Chassis-Abfolge wurde ebenfalls erstmals in der Reference-Serie umgesetzt. Göbl war es wichtig, diese Lösung trotz des konstruktiven Mehraufwands beim Innenaufbau für die Vento 31 zu übernehmen: Dieser Anordnung schreibt Göbl eine besser Abbildung zu. Der Mitteltöner sei maßgeblich für das Staging verantwortlich, also für die Positionierung von Stimmen und Instrumenten – und dieses Staging gelingt mit dieser Konfiguration noch überzeugender. Natürlich ist der Woofer auch für den Bass zuständig. Damit die Wiedergabe bis in den Frequenzkeller reicht, agiert die Vento 31 mit einer Bassreflexabstimmung. So soll sie trotz des kompakten Formats bemerkenswerte 27 Hertz erreichen. Der Port dieser Abstimmung mündet auf der Rückseite. Diesem Backfire-Basskonzept attestiert Canton eine gleichmäßige Raumanregung. So soll auch eine wandnahe Aufstellung möglich sein, was die harmonische Integration der Vento 31 in das Ambiente umso leichter macht.

Rückseitig mündet der Port der Bassreflex-Abstimmung. Auch dank ihr spielt die Vento 31 runter bis 27 Hertz.
So macht sich die Vento 31 nun auch ausnehmend gut in unseren Hörraum. Hier schließen wir sie an unseren Hegel H360 an. Als Zuspieler dient der Eversolo DMP-A6. Via Qobuz streamen wir Lady Blackbirds „Blackbird“ und nehmen erst einmal die Aufstellung vor. Die Lautsprecher haben zueinander einen Abstand von 2,10 Meter, von der Wand sind es 45 Zentimeter. Das Sofa steht anfangs etwa zweieinhalb Meter entfernt. Mithilfe von Lady Blackbirds Gesang kommen wir zur richtigen Ausrichtung: Leicht zum Hörplatz hin eingewinkelt stellt die Vento 31 die charismatische Sängerin genau mittig vor uns in der Hörraum und liefert eine stimmig-stabile Abbildung. Dann setzt der Bass ein – und hier darf es gerne etwas mehr sein. Also rücken wir probeweise das Sofa etwas näher – und schon passt es prima, weil wir nun eine Distanz gefunden haben, die für die abgestrahlten und im Raum reflektierten Tieftöne vorteilhaft ist.
Nun können wir uns der Musikwiedergabe von „Blackbird“ widmen – und die ist ein Genuss. Bleiben wir beim Bass: Nach einem atmosphärischen Intro spielt Jon Flaugher auf seinem Kontrabass ein kurzes, rhythmisch markantes Motiv, das er den ganzen Song hindurch wiederholt. So entwickelt der Bass einen fast hypnotischen Effekt und einen tollen Groove. Das liegt auch daran, dass die Vento 31 diesen Bass mit Volumen, Tiefgang und Tragkraft liefert. So füllt er anstrengungslos den Raum und bietet ein festes Fundament. Dabei hütet sich die Vento 31 davor, ihm mehr Fülle zu verleihen als ein Kompaktlautsprecher vermag und ein rein akustischer Viersaiter liefert. So ist dieser Kontrabass schön konturiert – und kann seinen druckvollen und sonoren, aber trotzdem trocken-knurrigen Klangcharakter, den er in den unteren Regionen hat, bestens zeigen. Dank der Konturiertheit hören wir auch sofort, dass ein Cello ergänzend auf jede erste Zählzeit mit beherztem Bogenstrich einen Zweiklang setzt.

Auch die mitgelieferten Blenden sind mit ihren Abrundungen auf das neue Design abgestimmt und bewahren so die Stimmigkeit des Erscheinungsbilds.
Das verleiht jedem Taktanfang noch mehr Antrieb und Gewicht. Ein cooler Effekt – der aber eine knifflige Aufgabe für den Lautsprecher ist, weil auch das Cello weit im tiefen Frequenzbereich agiert. Der Vento 31 gelingt es aber, diese beiden Instrumente sauber und singulär abzubilden. Das klappt übrigens auch mit wandnäherer Aufstellung der Lautsprecher. Dabei sind in der Aufnahme Bass und Cello direkt nebeneinander positioniert: Sie stehen vor dem Schlagzeug und links vom später einsetzenden Klavier. Diese Verortung der Musiker und ihre Tiefenstaffelung auf der imaginierten Bühne gelingt der Vento 31 sehr gut. Hier zahlt sich aus, dass Entwicklungschef Frank Göbl viel Wert auf dieses „Staging“ gelegt hat. Diese 3D-Abbildung gelingt freilich nur mit einer feinen Auflösung, die für Detailreichtum sorgt und uns auch jene Reflexionen hören lässt, die der Schall im Raum der Aufnahme liefert. Auch das gelingt der Vento erstklassig – und zwar gleich beim atmosphärischen Intro des Songs.
Hier stellen sich drei Instrumente quasi kurz vor: der Bass mit Halbton-Slides in den hohen Lagen, das Cello mit eingestreuten Flageoletts, das Schlagzeug mit leisem Shuffle, den Drummer Jimmy Paxson sanft mit Besen auf der Snare spielt. Schon dieser wenigen Sekunden reichen, um uns akustisch in den Aufnahmeraum des Sunset Studio zu versetzen, in dem dieser Song eingespielt wurde – weil die Vento 31 dieses Ambiente sehr überzeugend abbildet. Die feine Auflösung ermöglicht es auch, dass wir überhaupt heraushören können, was Paxson da auf seinem Kit spielt: Das Schlagzeug steht nämlich nicht nur räumlich im Hintergrund, sondern auch aufgrund der Dezenz des Drummings. Trotz der leisen Besen-Anschläge hören wir, dass Paxson auch eine Tom in sein Rhythmus-Pattern integriert. Später intensiviert er seine Anschläge – und hier beweist die Vento 31 mit akribischer Abstufung ihre dynamische Klasse. Die genießen wir auch beim Klavier: Bei Deron Johnsons Akkorden hören wir jeden Tastenanschlag.

Für den Anschluss an den Verstärker bietet die Vento 31 ein Paar hochwertiger vergoldeter Klemmen. Sie nehmen auch Litzen mit großem Querschnitt auf. Bananenstecker lassen sich zwar nicht komplett einführen, doch die Steckerstifte haben trotzdem strammen Sitz und guten Halt.
So vermittelt uns die Vento 31 auch Körperhaftigkeit und Materialität: Das Klavier liefert keine amorphen Töne, wir hören stattdessen heraus, dass filzbezogene Hämmerchen auf metallene Saiten prallen. Gleiches gilt für Paxsons Besenborsten, die das Snarefell touchieren und für Flaugher Basspiel, bei dem wir den Fingeranschlag der umsponnenen Stahlsaiten wahrnehmen. Dadurch haben die Instrumente Physis und Präsenz. Das gilt dann insbesondere für Lady Blackbird: Die Gegenwärtigkeit der Soul-Sängerin ist großartig. Sie scheint förmlich vor uns zu stehen! Die Vento 31 lässt uns jedes Detail dieser tief timbrierten, rauen bis rauchigen und trotzdem sonoren Stimme erleben – und ebenso, wie Lady Blackbird alle Register einsetzt, um uns in ihren Bann zu ziehen: Mal klingt ihre Stimme verführerisch gurrend, mal haucht sie die Silben, dann schmirgelt sie geradezu die Töne, um hernach die Phrasenenden mit behutsamem Vibrato ausklingen zu lassen. Die Vento 31 offenbart uns das alles – bis hin zum zarten Atmer.
Ihre Klasse zeigt die Vento 31 dann auch bei etlichen Tracks anderer Genres: Bei „Never Mind“ vom Psytrance-Duo Infected Mushroom hämmert sie uns die harten Beats, Samples und Sounds souverän, aber erbarmungslos mit Power und Pegel-Potenz um die Ohren. Beim jazzrockigen „Godzilla’s Birthday“ liefert sie mit satter Dynamik das Drum/Percussion-Feuerwerk, das Charly Antolini und Nippy Noya zünden, und ebenso druckvoll Wolfgang Schmids Tiefton- und Slap-Orgie am Bass. Bei Trentemøllers Electro-Nummer „Nightwalker“ schichtet sie sauber die Soundlayers, lässt sie schweben und sich ins Unendliche ausdehnen, während verteilt im Raum immer wieder Stimmen-, Instrumenten- und Geräusch-Samples aufploppen und für ein immersives Erlebnis sorgen. Auch im großen Format überzeugt die Vento 31: Bei Rossinis Opern-Arie „Riedi al soglio“ setzt sie uns ins Lyoner Opernhaus, stellt das Orchester gut gestaffelt als Klangkörper auf die imaginierte Bühne – und davor beeindruckt uns im Nu Star-Sopranistin Joyce DiDonato mit spürbarer Aura und strahlender Vokalkunst. Top!

Die Vento 31 im Hörtest: Hier spielt sie mit Audio-Elektronik von Unitra, nämlich dem CD-Player CSH-801 und dem Vollverstärker WSH-805.
Die neue Canton Vento 31 sorgt für frischen Wind – optisch, technisch und akustisch. So überrascht der Kompaktlautsprecher trotz der traditionellen Bugform mit einem völlig veränderten, modern-minimalistischen Clean Design. Technisch bietet er komplett neue Treiber, in die viel Know-how aus der Reference-Serie eingeflossen ist. Dies gilt auch für die erstmalige Platzierung des Woofers über dem Tweeter. Akustisch führt das alles zu einer Performance mit ausgezeichneter Räumlichkeitsabbildung und Bühnendarstellung. Stimmen und Instrumente haben eine sehr gute Körperhaftigkeit und Präsenz. Dies verdankt sich auch der feinen Auflösung: Durch sie ist das musikalische Geschehen bis in die Details erlebbar. Ebenso trägt die tolle Dynamikfähigkeit mit feiner Abstufung und satter Power zur Lebendigkeit der Wiedergabe bei. Für die saubere Durchhörbarkeit sorgt nicht zuletzt der Bass: Er beeindruckt mit Volumen, Tiefgang und Tragkraft – und ist dabei sehr konturiert sodass er ein aufgeräumtes Fundament bietet. Mit diesen Pluspunkten ist die Vento 31 ein echtes Highlight!
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