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Soulnote entwickelt seinen Top-of-the-line DAC D-2 weiter. Mit neuen Technologien und feinsten Bauteilen im Gepäck, wollen die Japaner mit der Version 2 ein Upgrade bieten, das „die Seele der Musik wiederbelebt“. Und wie immer wandelt Chefentwickler Hideki Kato dabei teils auch auf ungewöhnlichen Pfaden.

Der Soulnote D-2 Ver.2 ist ein Wandler für hochwertige Klangketten, bei denen die Natürlichkeit der Wiedergabe im Fokus steht.
Entwickler von HiFi-Geräten sind auf eine gewisse Art auch Philosophen. Im High End Bereich muss eine Komponente durch ihren guten Klang überzeugen können, da sind sich alle einig. Doch wie so etwas gelingen soll, gerade bei so individuell unterschiedlichen Maßstäben, daran scheiden sich die Geister. Viele entscheiden sich also für eine von zwei Designphilosophien. Man kann ein Audiosystem konstruieren, dass nur die teuersten Bauteile und komplexe Technologien nutzt, um die bestmöglichen Messwerte zu liefern. Dinge wie Rauschabstände, Impulsantworten oder Verzerrung können schließlich objektiv gemssen werden und je weniger Störfaktoren im Signal sind, umso besser muss auch der Klang sein. Der zweite Weg ist hingegen tatsächlich nach Gehör zu bauen. Wie harmonieren die einzelnen Bauteile miteinander und wie wirken sich Änderungen nicht messtechnisch, sondern in der Praxis aus Hideki Kato, Chefentwickler und Geschäftsführer der japanischen High End Schmiede Soulnote, vertraut seinen Ohren und beschreitet dafür auch ungewöhnliche Wege.
Kato-Sans Ansatz bedeutet natürlich nicht, dass in seinen Verstärkern, Laufwerken oder DACs nicht auch feinste Bauteile zum Einsatz kommen, oder Technologien und Ansätze genutzt werden, die erwiesenermaßen die Signalübertragung verbessern. Der Unterschied bei Soulnote ist aber, dass diese Technologien nicht einfach implementiert werden, weil sie unter Laborbedingungen überzeugen. Stattdessen müssen sie ihre Effektivität immer im fertigen Produkt unter Beweis stellen. Dabei handelt es sich in unserem Fall um den Digital-Analog-Converter D-2 Ver.2, die nächste Generation des Referenz-DACs, der von Erkenntnissen aus der Entwicklung der großen E-3 Phono-Stufe profitiert. Im Vergleich mit anderen Wandlern fällt hier sofort die üppige Größe des D-2 auf. Ein erster Hinweis darauf, dass man hier mehr als die üblichen kleinen Platinen für Stromversorgung und DAC-Plattform genutzt werden. Entsprechend stehen hier auch statte 17 Kilo auf der Waage, an denen aber auch der Trafo und die hohen Materialstärken des Gehäuses Anteil haben.

Der D-2 tritt durchaus mächtig auf. Gerade die Höhe von 16 Zentimetern ist für einen DAC recht beachtlich.
Mit einem Grundriss von 42 mal 40 Zentimetern und einer Höhe von 16 Zentimetern, ist der D-2 Ver.2 also klar ein Fall für größere Anlagenkonzepte und passende Racks. Mit seinem eleganten Erscheinungsbild fügt sich der Wandler dort gut ein, wobei man passend zum Rest der Kette zwischen einem silbernen und einem schwarzen Finish wählen darf. Das Design der Front schwankt hier ein wenig zwischen zeitlos-minimalistisch und verspielt. Grundsätzlich ist das Layout klar strukturiert, Bedienelemente sind gut nutzbar und das monochrome Display beschränkt sich auf das absolut wesentliche. Gleichzeitig überrascht die große Anzahl von Schaltern, Statusleuchten und Anzeigen und auch die horizontalen Rillen im Aluminium, ein Markenzeichen aktueller Soulnote Systeme, lassen Front und Seitenteile etwas geschäftig erscheinen. Haptisch macht der D-2 dann einen tollen Eindruck. Oberflächen fühlen sich wertig an und alle Teile sind schön verarbeitet. Zwei ungewöhnliche Kleinigkeiten fallen hier allerdings auf.

Soulnote lässt es nicht an Materialstärke mangeln, doch der Großteil des Gewichts des Gerätes kommt von den sorgfältig selektierten Bauteilen im Innern.
Bei einem eher wuchtig daherkommendem Gerät wie dem D-2 könnte man meinen, dass er sein Gewicht auf ebenso massive Füße verteilt. Doch hier irrt man, denn der Wandler nutzt lediglich drei winzige Füße, die sich auch durch die beiliegenden Spikes ersetzen lassen, an für die Gewichtsverteilung idealen Stellen an der Unterseite. Ebenfalls wird viele der vermeintlich lose, zweiteilige Deckel überraschen, der sich mit der Hand problemlos bewegen lässt. Hier kommt erneut Katos Philosophie zum Einsatz. Während andere Hersteller fanatisch versuchen, jede Vibration zu unterbinden, nimmt man sich bei Soulnote dieser Resonanzen an und lässt sie Teil des Soundings sein. Hier handelt es sich also um eine bewusste Entscheidung, den Deckel nicht starr einzusetzen. Etwas konventioneller geht es dann auf der Rückseite zu. Mittig findet man hier die fünf Eingänge des DACs. Jeweils zwei AES/EBU-Inputs mit XLR-Buchsen, sowie zwei koaxiale S/PDIF-Eingänge warten auf Disc-Transports oder Streamer.

Der Deckel besitzt an den Seiten ein wenig Spiel und liegt so nur lose auf. Eine bewusste Designentscheidung seitens des Herstellers.
High End Streamingsysteme, Musikserver oder Laptops nutzen am besten den USB-B-Port des D-2. Hier können die maximal möglichen Auflösungen übertragen werden, die der Wandler unterstützt. Bei PCM sind dies satte 768 Kilohertz bei 32 Bit, sowie DSD512 mit 22,6 MHz. Bei den anderen Eingängen sind stattdessen die herkömmlichen 192 Kilohertz und DSD64 möglich. Links und rechts neben den Inputs findet man dann die Ausgänge für die beiden Stereokanäle. Hier werden sowohl Cinch als auch XLR geboten, wobei sich die Pin-Belegung der symmetrischen Übertragung mit einem Schalter sogar manuell ändern lässt. Maximale Kompatibilität mit Vorstufen und Vollverstärkern ist also geboten. Letztlich bietet der DAC außerdem die Möglichkeit, die Taktung von einer externen Clock wie der Soulnote X-3 übernehmen zu lassen. Dafür steht ein SMA-Anschluss bereit, der ebenfalls mit einem Schalter aktiviert werden kann. Pflicht ist das nicht und auch der interne, temperaturstabilisierte LMX2594 Taktgeber arbeitet enorm präzise.
Der interne Aufbau des D-2 Ver.2 ist dann streng nach einem Twin-Mono-Prinzip vollzogen. Der linke und der rechte Kanal sind also vollständig von einander getrennt, nutzen unterschiedliche Signalwege und durchlaufen separate Bauteile. Hier muss also alles doppelt vorhanden sein, was auch auf den eigentlichen Digital-Analog-Wandler zutrifft. Überraschenderweise hält Soulnote dennoch am Dual-DAC-Prinzip Fest, so dass hier letztlich insgesamt vier ES9038PRO Chips von ESS zum Einsatz kommen. Diese kostspieligen High-Performance-Bauteile haben ihre Fähigkeiten schon in so manch feinem HiFi-Gerät unter beweis gestellt. Durch ihren hohen Ausgangsstrom reicht Soulnote dann je ein einzelner niederohmiger Widerstand, um die Strom-/Spannungswandlung zu vollziehen. Das ganze funktioniert also ohne das übliche Feedback, das wieder auf das Signal gegeben werden muss, was in einem klareren Klang resultieren soll. Ebenfalls fester Bestandteil der Philosophie von Kato-San, ist dann ein Non-Oversampling-Modus (NOS), der als Alternative zu den beiden verfügbaren FIR-Filtern genutzt werden kann.

Aufgrund des Twin-Mono-Aufbaus liegen die beiden Ausgänge weit auseinander. In der Mitte tummeln sich dann die Eingänge, inklusive des SMA-Anschlusses für eine exterene Clock. Auch FIR-Filter und Pinbelegung lassen sich an der Rückseite einstellen.
Üblicherweise nutzen DACs massives Oversampling der Signale, um am Ende ein genaueres analoges Wellensignal zu erhalten. Man kann es sich so vorstellen, wie ein Bild bei dem man nacheinander Punkte verbinden muss, um das Motiv zu erkennen. Mehr Punkte bedeuten dabei eine deutlichere Abbildung. Ähnliches geschieht bei der D/A-Wandlung. Ein solches Oversampling setzt aber den Einsatz komplexer Filter voraus, die vor und nach dem eigentlichen Signal zu kleinen Schwingungen führen, die man Pre- oder Post-Ringing nennt. Durch sie verschwimmt die analoge Abbildung letztlich wieder ein wenig, was klanglich zu weniger Klarheit und negativen Auswirkungen auf die Räumlichkeit des Klangs führt. Der NOS-Modus soll also zu besseren Impulsantworten und einer genaueren zeitlichen Verarbeitung führen, was letztlich eine optimierte räumliche Darstellung und Natürlichkeit der Musik bedeuten soll. Entsprechend ist der NOS-Modus die eindeutige Empfehlung des Herstellers.
Ebenfalls erwähnenswert ist außerdem die aufwändige Stromversorgung des D-2 Ver.2 mit einem wirklich überdimensionierten Ringerkerntrafo, dessen Vibrationen direkt durch den darunter befindlichen Gerätefuß abgeleitet werden. Die größte Neuerung gegenüber der ersten Modellreihe des DACs ist dann die „Type-R“ Technologie, die Soulnote bereits in der Phono-Stufe E3 zum Einsatz brachte. Dieses diskret aufgebaute Schaltungsdesign arbeitet nach dem Prinzip eines Leistungsverstärkers ohne negatives Feedback. Erneut ein Ansatz, dessen Messwerte auf dem Papier zwar nachteilig erscheinen mögen, der aber klanglich deutliche Vorteile bei der empfundenen Natürlichkeit eines Gerätes besitzen kann. Durch den Einsatz möglichst weniger Transistoren soll der D-2 außerdem eine verbesserte Transientenwiedergabe und eine gewisse Spritzigkeit an den Tag legen können. Genau wie bei Kato-San muss unser Testmodell letztlich aber eben bei uns im Hörraum überzeugen. Per USB mit einem Musikserver und via XLR an einen Vollverstärker verbunden, legt der DAC dann los.

Die drei recht schlanken Füße des DAC sitzen an Stellen, die für die Gewichtsverteilung optimal sind. Erneut eine bewusste Entscheidung für die Klangqualität, die aber einen weniger stabilen Stand zur Folge hat.
In der Playlist landet „Bond 25“ des Royal Philharmonic Orchestra. Gleich beim ersten Track, dem „James Bond Theme“ aus „Dr. No“, stößt der Soulnote eine durchdringende Bläserfanfare in den Raum, die neben ihrer immensen Dynamik auch mit einer sehr schönen Definition überzeugt. Keine Spur von unschönem Übersteuern oder Ausfransen an den Grenzen des Frequenzspektrums. Der D-2 behält hier klar die Zügel in der Hand, zieht dabei aber glücklicherweise nicht zu stramm am Leder. Stattdessen lässt er den einzelnen Instrumenten des Orchesters genau den Raum den sie benötigen, um sich frei zu entfalten. Posaunen, Trompeten und Tubas wirken stimmig, bringen ihre Feinheiten zum tragen und lassen sich dennoch alle für sich klar erkennen und orten. Dabei zieht der Wandler die Bühne weit auf und projiziert die Musiker schön nach vorne auf den Hörer zu. Aufgeräumt aber mit dem Blick fürs große Ganze, wähnt man sich mitten im Geschehen.
Bei „Goldfinger“ übernehmen die Streicher die Führung und überzeugen bei der Darstellung der eigentlichen Gesangsstimmen mit dem geschmeidigen Dahingleiten von Bögen über Saiten. Gleichzeitig entwickeln Violinen und Celli dabei füllige Körper und strahlen so eine schöne Präsenz aus. Die Bläser halten sich hier als Zweitstimme weiter im Hintergrund auf, während eine Harfe immer wieder mit straffer Kontur nach vorne blitzt und das silbrige Klingeln einer Triangel mit toller Brillanz auf die Bühne strahlt. Hier zeigt sich auch die wirklich exzellente Transparenz des D-2 Ver.2. Auch während Bläser und Streicher sich ins Zeug legen bleiben Kleinigkeiten in den anderen Sektionen erkennbar und wirklich alle Elemente können mit Feinheiten und einem natürlichen Timbre aufwarten. Das funktioniert auch beim zwischen gemächlich und hektisch hin und her pendelden „Live And Let Die“, bei dem sich zarte Xylophonklänge und schnelle Flöten zu einem druckvoll angeschlagnen Klavier gesellen.

Die Quellenwahl erfolgt mit einem griffigen Drehregler. Das Display gibt lediglich die verwendete Abtastrate in Kilohertz oder Megahertz an. Wer mag kann die Anzeige auch komplett deaktivieren.
Smooth und füllig rollt die markante Bassline von „Goldeneye“ durch den Hörraum. Erneut sorgt der D-2 für das richtige Timbre, gerade wenn man im Laufe des Tracks praktisch spürt wie eine Hand gefühlvoll ein paar Bongos trifft. Beim nachfolgenden Album „Cry No More“ von Danielle Nichole setzen ebenfalls zunächst die Drums ein Ausrufezeichen. Unvermittelt, satt und kontrolliert donnert die Bassdrum bei „I’m Going Home“ nach vorn. Während die leicht verzerrten Gitarren sich dann groß an den Seiten der Bühne aufbauen, überzeugt auch hier der von Nichole selbst gezupfte Bass mit vollen Körper und lässigem Flow. Wem das zu viel ist, der kann das analoge Tiefpassfilter aktivieren, doch mich überzeugt der lebendige Auftritt des DACs. Dynamisch und mit schönem Punch nimmt das Spiel des Wandlers wunderbar mit, besonders wenn die tragende Stimme der Amerikanerin sich von den Lautsprechern löst und direkt vor dem Hörer auf der Bühne schwebt.

Mit einzelnen Tasten kann das Signal invertriert, das Low-Pass-Filter aktiviert, zwischen NOS-Modus oder FIR-Filtern umgeschaltet, oder die Eingangssynchronistation aktivert werden. Je nach genutztem Eingang sind manche Funktionen jedoch nicht wählbar.
Wucans „Reap the Storm“ präsentiert die japanische Klangmaschine mit ebenso packendem Groove. Im Tiefton gibt es das bekannte Volumen, die Gitarrenriffs haben Power und die besonders die Drums setzen sich schön vom dunklen Hintergrund ab und jagen zielstrebig nach vorne. Doch gerade bei der Feinauflösung legt sich der D-2 Ver.2 hier nochmal ins Zeug. Filigran und ätherisch schwebt so das helle Glockenspiel im Raum, ergänzt durch leise Synthesizer-Zips. Die schnell gespielte Querflöte bereitet dem DAC ebenfalls keinerlei Probleme. Er sorgt mit seinem offenen Spiel auch hier für genügend Luft und eine facettenreiche Darstellung mit toller Räumlichkeit. Diese Darbietung geht dem Wandler scheinbar kinderleicht von der Hand. Niemals angestrengt oder schwerfällig, legt er eine sympathische Spielfreude an den Tag. Hier scheint die Abwesenheit der Filter im NOS-Modus wirklich fürchte zu Tragen und das Konzept von der „Wiederbelebung der Musik“, die der DAC vollziehen soll, geht wunderbar auf.
Unerschrocken arbeitet sich der Soulnote durch die Tiefen und Untiefen unserer Musiksammlung. Dabei stellt sich heraus, dass der DAC es versteht, auch weniger hoch aufgelöste Alben und Tracks auf ein HiRes-Klangniveau zu heben. Ob die rot leuchtenden Zahlen auf dem Display nun 44.1 oder 192 darstellen, der D-2 Ver.2 liefert unabhängig von der Abtastrate die angesprochene räumliche, saubere und natürliche Darstellung. Bei 24 Bit ist die Detailtiefe hier und da natürlich besser und auch andere Faktoren kommen etwas deutlicher zur Geltung, doch grundsätzlich spielt der Soulnote einfach lebendig auf. Etwas weniger gnädig ist hingegen bei mäßigem Mastering der Musik. Dynamische Kompression bei der Abmischung quittiert er mit leicht reduzierter Räumlichkeit. Das kann man ihm allerdings nicht wirklich vorwerfen. Vielmehr fällt der Qualitätsunterschied aufgrund der allgemein tollen Darstellung wohl einfach etwas offensichtlicher aus und letztlich unterhält der D-2 auch hier wunderbar und holt das Beste aus den Aufnahmen heraus.

Der Soulnote D-2 Ver.2 überzeugt bei jeder Art von Musik mit seiner offenen, lebendigen Spielweise.
Eine sorgfältige Konstruktion mit NOS-Modus, konsequentem Twin-Mono-Aufbau und NNF-Ausgangsstufe machen sich bezahlt. Mit seiner exzellenten Räumlichkeit, einem natürlichen Timbre und seiner generellen Spielfreude ist der Soulnote D-2 Ver.2 ein echtes Erlebnis. Seine potente DAC-Plattform erlabt auch die Nutzung besonders hoher Samplingraten, während der Clock-Eingang sogar noch ein zusätzliches Upgrade durch einen externen Taktgeber ermöglicht. Äußerlich bietet der High-End-Wandler die in dieser Preisklasse geforderte Wertigkeit und Eleganz, wobei Eigenheiten wie vermeintlich lose Gehäuseteile oder eher filigrane Füße zum klanglichen Konzept gehören. Wer auf der Suche nach einem hochwertigen DAC ist, der nicht ganz alltäglich ist und vornehmlich seinen Sound ins Zentrum stellt, wird mit dem Soulnote D-2 Ver.2 garantiert glücklich.
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