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Standlautsprecher bei begrenztem Platz im Raum? Die Orbid Sound Sabero tritt den Beweis an, dass dies bestens klappen kann: Der gerade mal 75 Zentimeter aufragende Schallwandler verspricht großen Klang trotz kleinem Format und verheißt mit Orbid-typischer Lebendigkeit und Dynamik einen hohen Spaßfaktor. Ob und wie die Sabero all dies einlöst, zeigt unser Test.

Die Orbid Sound Sabero ist gerade mal 75 Zentimeter hoch. Damit passt dieser kleine Standlautsprecher geschmeidig unter Fenster oder Zimmerschrägen und empfiehlt sich als kompakte Beschallungslösung, die nicht den Raum dominiert.
Orbid Sound steht in jeder Hinsicht für beste Tradition: Die im baden-württembergischen Balingen beheimatete Manufaktur baut seit nunmehr fast 60 Jahren Lautsprecher, der Sound Engineer und Entwickler Daniel Beyersdorffer führt den von seinem Vater gegründeten Betrieb zusammen mit dem Mitinhaber Thomas Feil und einem kleinen Team fort – und pflegt dabei den klassischen Ansatz: Hier werden Lautsprecher nicht nach Budget-Vorgaben oder aus Marketing-Gründen lanciert, sondern als Lautsprecher fürs Leben kreiert – entwickelt in unzähligen Hörsessions, gefertigt in Handarbeit. Jeder Lautsprecher wird als Unikat für den Kunden gebaut. Das gilt auch für die Sabero. Sie ist der zierlichste Standlautsprecher der Stereo Line, aus der wir bereits die große Telesto und die kleine Pluto zu Gast hatten. Ähnlich wie die Pluto präsentiert sich die Sabero als Antwort auf eine Frage, die viele Musik-Enthusiasten stellen: Kann ich trotz begrenztem Platz im Raum einen Standlautsprecher betreiben?

Die sanfte Rundung aller Kanten und die Fasung hin zur Front sorgen für die Geschmeidigkeit des schnörkellos-dezenten Designs. Mit der Farbwahl setzt man entweder diese Dezenz fort – oder verwandelt den kleine Lautsprecher in einen großen Blickmagneten.
Den Beweis, das dies möglich ist, tritt die Sabero als kleines Zwei-Wege-System mit noch kompakteren Maßen an: Sie ragt bei einer Korpus-Grundfläche von nur 22 Zentimetern gerade mal 75 Zentimeter in die Höhe. So lässt sich dieser Lautsprecher sogar unter Fenstern und Schrägen platzieren – und ist auch ideal für Musikhörer, die keine wuchtigen Boxen im Ambiente wünschen. Das Design ist, wie immer bei Orbid, gradlinig und schnörkellos: Die Sabero soll sich mit ihrem unaufgeregten Äußeren nicht in den Vordergrund drängen. Zugunsten der Geschmeidigkeit sind dabei alle Ecken und Kanten des Gehäuse sanft gerundet, der Übergang von den Wangen zur Front ist zudem fein gefast. Beim Finish hat der Kunde nun eine große Auswahl, Orbid ist ja eine Manufaktur. Standardmäßig wird der Lautsprecher in schwarzem oder weißem Strukturlack realisiert. Für einen geringen Aufpreis kann die Sabero aber auch mit einem Seidenmatt-Coating überzogen und in allen Kolorierungen des RAL-Kosmos lackiert werden.

Die Sabero wird auf Wunsch mit Abdeckungen ausgestattet. Hier stehen fünf verschiedene Farben zur Auswahl. Nur in diesem Fall besitzt die Front die beiden Aufnahmen für die Befestigungsstifte der Blenden.
Orbid kann ebenso Sonderwünsche wie eine Hochglanz- oder eine Metallic-Lackierung erfüllen. Möglich ist also fast alles. Unser Testmodell ist in einem ebenso außergewöhnlichen wie attraktiven hellen Orange gehalten. Mit dieser freundlichen Optik und im Verbund mit dem ungewöhnlichen Format erweist sich die Sabero nun doch als Hingucker – zumal die Verarbeitung ausgezeichnet ist. Wer von der Technik nichts sehen möchte, kann die Lautsprecher mit Blenden bestellen, hier offeriert Orbid fünf verschiedene Farben. Nur dann wird das Gehäuse mit Aufnahmen für diese Abdeckungen versehen. Wer sich für die blendenfreie Ausführung entscheidet, kann für den Woofer einen Aluminium-Zierring ordern. Er macht die Sabero optisch abermals attraktiver. Mit solchen Optionen ermöglicht Orbid eine ziemlich individuelle Gestaltung des eigenen Lautsprechers und erspart zugleich dem Kunden Features, die er nicht möchte. Fest integriert sind aber neuerdings die Bodenplatte und die in diese Basis eingepassten Schwingungsdämpfer. Diese aus Kunstkoralle bestehende Pucks entkoppeln den Lautsprecher vom Boden.

Für den Anschluss an den Verstärker steht ein Paar hochwertiger Klemmen parat. Sie unterstreichen die hochwertige Ausstattung der Sabero – wie auch das metallene Schild, auf dem sie montiert sind.
Damit auch die Sabero selbst gegen klangverschlechternde Schwingungen gefeit ist, besteht ihr Korpus aus massivem MDF und ist innseitig verstrebt. So bringt es der kleine Lautsprecher auf ein stattliches Gewicht von 13 Kilo. Dieser Materialeinsatz unterstreicht die Hochwertigkeit der Sabero. Sie zeigt sich ebenso bei den erstklassigen Lautsprecherklemmen, ebenso bei der Innenverkabelung mit ausgezeichneten Leitern des Spezialisten Sommer Cable und bei der Frequenzweiche, die mit hochwertigen Bauteilen des Premium-Herstellers Mundorf bestückt ist. Eine solche Ausstattung ist für die Einstiegsklasse, in der die Sabero spielt, außergewöhnlich und lässt uns über den günstigen Preis, den Orbid für diesen Lautsprecher aufruft, staunen. Bei der Frequenzweiche setzt Orbid zudem auf eine eigens entwickelte Technologie: Gerade diese spezielle Konfiguration, über die die Schwaben verständlicherweise Stillschweigen bewahren, sorgt laut Orbid für die perfekte Abstimmung und Präzision und zeichnet für das gewünschte offene und klare Klangbild der Sabero verantwortlich.
Hier haben aber natürlich auch die beiden Chassis dieses Zwei-Wege-Lautsprechers ein wichtiges Wörtchen mitzureden. Das Duo sitzt auf der Front auffallend eng beieinander. Diese unmittelbare Nähe der Chassis soll dafür sorgen, dass ihre Schallanteile als homogener Gesamtklang beim Hörer ankommen. Den Hochton übernimmt dabei eine einzöllige Seidenkalotte. Sie thront, leicht nach hinten versetzt, im Zentrum eines trichterförmigen Wave-Guide. Er befördert die gleichmäßige Abstrahlung der höheren Frequenzbereiche in den Raum. Die Rückversetzung des Tweeters bürgt dabei für ein stimmiges Timing mit dem darunter positionierten Woofer. Dieser 16 Zentimeter durchmessende Polypropylen-Konus zeichnet für die präzise und klare Wiedergabe der Mitten und Bässe verantwortlich. Er soll zudem die Orbid-typische Lebendigkeit und Dynamik bis in die unteren Frequenzregionen fortsetzen. Den ausgewiesenen Tiefgang bis 35 Hertz erreicht die Sabero auch dank einer Bassreflexabstimmung des Gehäuses. Ihr Rohr mündet auf der Vorderseite. Diese Lösung ermöglicht eine wandnahe Positionierung. Das erhöht abermals die Aufstellungsflexibilität der Sabero.

Tweeter und Woofer sitzen eng beieinander. Das befördert die Homogenität des Gesamtklangs.
Das alles wollen wir jetzt auch in der Praxis erleben. Im Hörraum stellen wir die Sabero in einem Abstand von zwei Metern voneinander auf. Zur Rückwand beträgt die Distanz 50 Zentimeter, zum Sofa zweieinhalb Meter. Über die angeschlossene Elektronik, die aus dem Streamer Eversolo DMP-A6 und dem Vollverstärker Hegel H360 besteht, spielen wir „Touch Of Trash“ von Patricia Barber zu. Mit dieser jazzig-bluesigen Nummer wollen wir auch die Aufstellung optimieren. Dabei klingt es bereits mit dieser Pi-mal-Daumen-Positionierung gut. Die Sabero stellt die Musiker auf eine breite und tiefe Bühne, auch die Staffelung der Instrumente bildet sie ab: Hinten das Schlagzeug, davor leicht rechts der Bass, mittig die Gitarre, leicht links das Klavier, im Vordergrund die Solo-Trompete und der Leadgesang. Stimmig ist die Abbildung aber noch nicht, deshalb winkeln wir die Sabero leicht Richtung Hörplatz ein. Jetzt ist die Wiedergabe konsistenter. Gerade das zuvor übergroße Schlagzeug hat nun die richtige Dimensionierung.

Die Sabero besitzt zur Kräftigung des Tieftons eine Bassreflex-Abstimmung. Der Port mündet auf der Schallwand. Das ermöglicht eine wandnahe Aufstellung.
Was uns bei der Wiedergabe sofort auffällt: Die Sabero bietet eine wunderbar lebendige Performance. „Touch Of Trash“ startet mit Bass und Schlagzeug, und Drummer Mark Walker nutzt dieses atmosphärische Intro, um uns quasi sein Kit vorzuführen: In sein Spiel integriert er neben den obligatorischen Snare- und Bassdrums Crash-und Ride-Becken, Toms und Kuhglocke sowie verschiedenste Percussion-Instrumente. Die Sabero liefert uns dieses Schlagwerk mit tollem Attack und anspringender Dynamik, das Drumming hat Verve und Frische. Diese Vitalität erleben wir ebenso bei der Gitarre, bei den eingestreuten Töne und Licks hören wir, wie John McLean die Saiten mit dem Plektrum anschlägt. So hat dieses Gitarrenspiel eine schöne Griffigkeit. Das gilt auch für die Solo-Trompete, die gerade bei den lauten, gestoßen Tönen mit Präzision, Brillanz und Druck beeindruckt und bei den gebundenen Melodiepassagen die Lautstärke-Abstufungen, mit denen Dave Douglas sein Spiel gestaltet, sauber wiedergibt.
Von diesem Dynamikvermögen profitiert natürlich auch der Gesang. Patricia Barbers Stimme steht in dieser Produktion prominent im Vordergrund, und Barber stand bei der Aufnahme hörbar nah am Mikrofon. Diese Nähe ist, weil die Sabero sehr sauber und klar schallwandelt, hörbar. Dadurch vermittelt der Gesang eine Intimität, denn wir hören jede kleine Wendung, als stünde Barber direkt vor uns. Ihre reine und attraktive Stimme, die bis runter in tiefe Altlagen reicht, hat eine schöne Fülle und Sonorität. Dabei kombiniert sie gekonnt Kühle und Distanziertheit mit Vertrautheit und Laszivität, sie setzt perfekt dosiert Vibrato und gehauchte Töne ein, variiert bei ihrem grundsätzlich sanften und leisen Gesang nur graduell die Lautstärke und die Eindringlichkeit. Es ist, als erzähle sie eine Geschichte – vor uns und für uns, denn wir können selbst die Atmer zwischen ihren Gesangsphrasen hören. All das bildet die Sabero sehr gut ab, und so hat der Gesang eine faszinierende Direktheit.

Der leicht überragende Sockel veredelt das Design der Sabero, befördert ihre Standfestigkeit und dient ebenso der Schwingungsdämpfung: Zwischen Korpus und Bodenplatte ist eine filzartige, vibrationsmindernde Matte eingezogen.
Von einem Instrument haben wir noch gar nicht gesprochen: dem Bass. Michael Arnopol spielt in dieser Aufnahme einen rein akustischen Kontrabass. Er zeichnet sich durch eine klangliche Vielfalt aus, für die ihn gerade Jazzmusiker lieben: näselnd in den hohen Lagen, gedeckt-knurrend in den mittleren Regionen und trocken-drahtig, aber trotzdem voll tragfähig und kräftig im tiefen Bereich. All das liefert die Sabero, wobei der Bass aber sehr konturiert und schlank im untersten Frequenzbereich ist. Diese Straffheit ist durchaus beabsichtigt. Sie sorgt dafür, dass das Fundament absolut aufgeräumt ist und sich das darüber abspielenden musikalische Geschehen sauber, frei und offen entfalten kann, ohne dass es zu Verdeckungs- und Verdrängungseffekten kommt. Diese Kontrolliertheit im Bass befördert bei der Wiedergabe insgesamt auch die schöne Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit, mit der die Sabero punktet. Wer nun etwas mehr Fülle im Frequenzkeller möchte, sollte mit den Abständen experimentieren – und genau das machen wir jetzt.

Einer der insgesamt vier Schwingungsdämpfer, die in die Bodenplatte eingelassen sind. Diese Pucks bestehen aus Kunstkoralle: Das harte Material sorgt mit seiner geringen Dichte und offenporigen Struktur für eine effektive Entkopplung des Lautsprechers vom Untergrund. Die darauf aufgeklebten schwarzen Filz-Scheiben sorgen dafür, dass der Fußboden unversehrt bleibt.
Als erstes probieren wir es mit einem geringeren Abstand der Lautsprecher zur Wand. Dabei verändert sich wenig – und das ist auch gut so: Die Sabero empfiehlt sich ja als Lösung für Räume mit begrenztem Platzangebot, da ist die Möglichkeit einer wandnahen Aufstellung ein großer Pluspunkt. Deshalb können wir die Sabero locker bis etwa 30 Zentimeter ans Gemäuer rücken – prima! Die dabei stattfindende Bass-Zunahme erklärt sich eher aus dem nunmehr veränderten Abstand zum Sofa: Die Wellenlängen von Bassfrequenzen sind so groß, dass wir durch die nun größere Distanz in einem Bereich sitzen, an dem Direktschall und Wandreflexionen unseres Raums für einen Zugewinn im Tiefton sorgen. Wir rücken das Sofa noch einige Zentimeter nach hinten, um diesen Effekt zu intensivieren – und so erreichen wir einen immer noch sehr konturierten, aber satteren Bass. Dieser Effekt kann aber auch durch eine Verkleinerung des Lautsprecher-Hörplatz-Abstands erzielt werden. Einfach mal ausprobieren!

Die Klemmen ermöglichen den Einsatz selbst querschnittstarker Kabel. Zudem besitzen sie eine freilaufende Andruckscheibe. So werden, wenn man blanke Litze verwendet, die feinen Drähtchen geschont.
Konstant bleiben bei allem Ausprobieren das gute Timing und die Homogenität der Wiedergabe. Hier zahlt sich die Nähe der beiden Chassis auf der Front aus. Ebenso konstant sind die Frische und Lebendigkeit: Auch bei geringer Lautstärke hat die Wiedergabe eine Direktheit, Dynamik und Unmittelbarkeit, die ein Nicht-Hinhören eigentlich unmöglich macht. Zudem merken wir bald, dass wir unwillkürlich bei der Musik mitwippen. Klare Sache: Die Sabero liefert den versprochenen Spaßfaktor. So macht auch härtere Kost richtig Laune: Bei Danko Jones‘ Hard Rock-Hit „My Little RnR“ ist der Gesang wunderbar dreckig, die verzerrte E-Gitarre klingt herrlich räudig, während Bass und Schlagzeug es amtlich krachen lassen. Pinks Live-Version von „U + Ur Hand“ bringt uns die Energie und das Entertainment ins Wohnzimmer, mit der die amerikanische Sängerin und ihre Band ihre Fans im Sydney Entertainment Center begeistert haben. Und bei den Psytrance-Attacken von Infected Mushroom wird aus unserer Hörsession schließlich eine Redaktions-Party.

Die Orbid Sound Sabero im Hörraum: Hier beweist sie, dass großer Klang auch im kompakten Format möglich ist.
Die Sabero hält, was Orbid verspricht: Sie liefert trotz kleinem Format einen großen Klang und bietet dabei eine Performance mit hohem Spaßfaktor. Das gelingt diesem Zwei-Wege-Lautsprecher zuallererst durch Dynamik und Direktheit. Im Verbund mit dem guten Timing und der Offenheit der Wiedergabe führt das zu einer frischen und lebendigen Wiedergabe. In Kombination mit der Sauberkeit der Schallwandlung sorgt dies zudem selbst bei niedrigem Lautstärkepegeln für eine Unmittelbarkeit, der man sich schlichtweg nicht entziehen kann und möchte. Die Aufgeräumtheit der Wiedergabe verdankt sich auch dem konturiert-drahtigen Bass. Er ermöglicht eine freie Entfaltung des musikalischen Geschehens. Dabei bietet die Sabero den Musikern eine breite und tiefe Bühne mit guter Tiefenstaffelung. Diese Wiedergabe gelingt der Sabero auch bei wandnaher Aufstellung, dank ihrer kompakten Maße kann sie zudem auch unter Fenster und Zimmerschrägen aufgestellt werden. So ist die Sabero ein Überall-Spieler – und mit Blick auf das Preisschild ein echtes Highlight.
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