In der Kantonsregierung werden mindestens vier Sitze frei. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu den Wahlen 2027.
In der Kantonsregierung werden mindestens vier Sitze frei. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu den Wahlen 2027.
Andrea Marti, Zeno Geisseler02.07.2026, 13.34 Uhr

Karin Hofer / NZZ
Im April 2027 wählt die Bevölkerung des Kantons Zürich ihren Regierungsrat. Zum neusten Stand des Wahlkampfs:
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Der Zürcher Regierungsrat besteht aus sieben Mitgliedern: Natalie Rickli (Gesundheit) und Ernst Stocker (Finanzen) von der SVP, Carmen Walker Späh (Volkswirtschaft) von der FDP, Silvia Steiner (Bildung) von der Mitte, Jacqueline Fehr (Justiz und Inneres) von der SP, Martin Neukom (Baudirektion) von den Grünen und Mario Fehr (Sicherheit), parteilos.
Von den sieben Bisherigen treten bis jetzt vier nicht mehr an:
Als Erste hat die Justizdirektorin Jacqueline Fehr (SP) mitgeteilt, dass sie nicht mehr zur Wahl stehe. Sie wurde 2015 in den Regierungsrat gewählt. Sie sagte, sie habe von Anfang an geplant gehabt, nur drei Legislaturen zu absolvieren. Bei ihrem Rückzug verwies sie ausserdem auf ihr Alter: «Ich fand immer, dass man mit 64 Jahren nochmals etwas Neues machen kann. Mit 68 ist es zu spät.»
Auch der Finanzdirektor Ernst Stocker (SVP) stellt sich nicht mehr zur Wahl. Erstmals in den Regierungsrat gewählt wurde er vor 17 Jahren, 2009. Zunächst amtete er als Volkswirtschaftsdirektor, 2015 wechselte er in die Finanzdirektion. Doch nun sieht Stocker die Zeit für den Abgang gekommen. Er ist nicht nur der am längsten amtierende Regierungsrat, er ist auch der älteste. Stocker ist 71 Jahre alt. Bereits 2023 trat er nur widerwillig nochmals an.
Carmen Walker Späh (FDP) ist seit 2015 Volkswirtschaftsdirektorin. Sie hört auf, weil sie nach 12 Jahren im Amt ihre Arbeit als getan betrachtet. Sie ist 68 Jahre alt. «Es ist ein guter Zeitpunkt, meine Dossiers weiterzugeben. Ich will nie, nie, nie Verwalterin werden», sagte sie der NZZ.
Die Bildungsdirektorin Silvia Steiner (Mitte) würde im Wahljahr bereits 69 Jahre alt. Sie politisiert seit 12 Jahren im Regierungsrat und wird nicht mehr zur Wiederwahl antreten. Sie sagte der NZZ: «Es ist Zeit für eine neue Ära.»

Karin Hofer / NZZ
Erneut antreten wird der Baudirektor Martin Neukom (Grüne). Neukom wurde 2019 gewählt, für ihn wäre die kommende Legislatur also die dritte. Er ist mit 39 Jahren das jüngste Regierungsmitglied.
Nach einem kleinen Umweg ebenfalls für eine weitere Amtszeit zur Verfügung steht die Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli (SVP). Sie hatte eigentlich bereits angekündigt, dass sie wieder für den Regierungsrat antreten werde. Doch Anfang Juni, am gleichen Tag, an dem der Zürcher Ständerat Daniel Jositsch seinen Austritt aus der SP bekanntgab, liess Rickli verlauten, dass sie eine Ständeratskandidatur prüfe. Eine Woche danach war dieser Plan aber wieder Makulatur. Sie werde für den Regierungsrat antreten und nicht für den Ständerat, hiess es nun. Der Parteivorstand entschied kurz darauf, sie offiziell als Kandidatin vorzuschlagen.

Keystone / Ennio Leanza
Rickli ist 49 Jahre alt. Die kommende Legislatur wäre ihre dritte. Bei den Regierungsratswahlen 2023 holte sie das zweitbeste Resultat.
Ein Regierungsmitglied hat sich noch gar nicht zu seinen Plänen geäussert, der Sicherheitsdirektor Mario Fehr. Er ist 67-jährig und seit 2011 im Amt. Er wurde als Vertreter der SP gewählt, trat 2021 aber aus der Partei aus. Seither politisiert er parteilos. Das tut seiner Beliebtheit aber keinen Abbruch: Er war 2023 der am besten gewählte Regierungsrat.
Die FDP wird mit zwei Personen in die Regierungsratswahlen steigen. Als Spitzenkandidat und wahrscheinlicher Nachfolger von Carmen Walker Späh gilt der Nationalrat Andri Silberschmidt. Gemeinsam mit ihm kandidieren wird Martin Huber. Er ist Kantonsrat und Alt-Gemeindepräsident von Neftenbach.
Für die SVP, der einzigen Partei mit zwei Sitzen im Regierungsrat, wird neben Natalie Rickli voraussichtlich Nationalrat Martin Hübscher als Nachfolger von Ernst Stocker antreten. Hübscher ist 57 Jahre alt, Landwirt und seit 2023 für die SVP im nationalen Parlament. Davor war er Kantonsrat. Offiziell nominieren wird die Partei im Juli.
Die SP ist die zweitstärkste Partei im Kanton und dürfte ihren einen Sitz in der Regierung halten können. Gleichzeitig strebt sie einen Sitzgewinn an. Die Delegierten haben für diese Aufgabe eine Frau und einen Mann nominiert.
Spitzenkandidatin der SP ist die Nationalrätin Priska Seiler Graf. 2023 kandidierte sie erstmals für den Regierungsrat und verfehlte die Wahl vergleichsweise knapp – sie war die am besten Nichtgewählte. Seiler Graf ist 57 Jahre alt. Neben ihr kandidiert der Winterthurer Stadtrat Nicolas Galladé. Der 51-Jährige gilt als profilierter Exekutivpolitiker.
Für die Mitte sind Regierungsratswahlen immer Zitterpartien, denn ihre eigene Wählerbasis ist klein. 2003 und 2011 flog die damals noch als CVP auftretende Partei aus der Kantonsregierung. Weil ihre Regierungsrätin Silvia Steiner nicht mehr antritt, kann die Partei bei den kommenden Wahlen nicht vom Bisherigenbonus profitieren.
Um den Sitz zu sichern, setzt die Mitte auf Philipp Kutter. Er ist langjähriger früherer Stadtpräsident von Wädenswil. Derzeit politisiert der 50-Jährige im Nationalrat.
Die Grünliberalen haben ihre Co-Präsidentin Nora Ernst als Regierungskandidatin nominiert. Die 39-Jährige sitzt seit 2022 im Winterthurer Stadtparlament, die Umweltwissenschafterin leitet die Partei seit 2024. Ernst ist noch relativ unbekannt. Die bekannteren Gesichter der Zürcher GLP – wie etwa die Ständerätin Tiana Moser oder die Nationalrätin Corina Gredig – zeigten an einer Kandidatur kein Interesse. Die Grünliberalen haben noch bei Zürcher Regierungsratswahlen noch nie einen Sitz gewonnen.
Eine Kandidatur lanciert hat auch die Evangelische Volkspartei (EVP). Sie will mit ihrem bekanntesten Mitglied, dem Kantonsrat Donato Scognamiglio, einen Anlauf wagen. Er ist Unternehmer und Immobilienexperte. Scognamiglio hat Jahrgang 1970.
Die Alternative Linke (AL) tritt ebenfalls an, und zwar mit der Kantonsrätin Nicole Wyss (Jahrgang 1976) und der Alt-Kantonsrätin Melanie Berner (Jahrgang 1981). Die beiden Frauen streben keine klassische Doppelkandidatur an, sondern würden das Amt am liebsten im Job-Sharing teilen. Weil das rechtlich nicht möglich ist, wollen sie die Arbeit auf eine andere Weise aufteilen. Denkbar sei, dass eine der Frauen als persönliche Mitarbeiterin der anderen angestellt werde.
Es ist davon auszugehen, dass wie in früheren Jahren weitere Gruppierungen und diverse Einzelpersonen eine Kandidatur ankündigen werden. Ihre Wahlchancen sind aber sehr klein bis nicht vorhanden.
Die Wahlvorschläge müssen bis am 17. Januar beim Kanton eintreffen.