Die Wohlhabenden sind mobiler denn je. Umso mehr müssen die Länder aufpassen, dass sie ihre guten Steuerzahler nicht verlieren. Die Schweiz kann bis jetzt als «sicherer Hafen» profitieren.
Die Wohlhabenden sind mobiler denn je. Umso mehr müssen die Länder aufpassen, dass sie ihre guten Steuerzahler nicht verlieren. Die Schweiz kann bis jetzt als «sicherer Hafen» profitieren.

Matthias Jurt / CH Media
Normalerweise klagen westliche Länder darüber, dass zu viele Menschen einwandern. Doch nun entsteht plötzlich das gegenteilige Problem: Immer mehr begehrte Steuerzahler und Arbeitskräfte wandern aus. Die Zeitschrift «The Economist» spricht vom «Aufstieg der Expat-Wirtschaft». Denn viele dieser Emigranten sind äusserst wohlhabend und gut qualifiziert.
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Nicht weniger als 165 000 Millionäre werden im laufenden Jahr ihre Heimat verlassen, schätzt die Firma Henley & Partners. Das ist ein Rekord und entspricht einer Verdreifachung seit dem Jahr 2013. Die Mobilität der Reichen ist das Spezialgebiet von Christian Kälin. Der gebürtige Schweizer ist Präsident der in London domizilierten Henley & Partners. Das Unternehmen ist der weltweit grösste Berater in diesem Bereich und betreibt Niederlassungen in über siebzig Ländern.
«Die Zeiten sind vorbei, in denen ein Land seine kapitalkräftigen Einwohner als fixe Grösse behandeln konnte», sagt Kälin. «Durch die starke Zunahme der Vermögensmigration ist eine neue globale Konkurrenz um Investoren, Unternehmer und gebildete Fachkräfte entstanden.» Ein Land müsse diese Menschen an sich binden können, um seine Wettbewerbsfähigkeit und den Wohlstand zu sichern.
Zu den Ländern, die besonders unter der Abwanderung von Millionären leiden, gehören Grossbritannien, Frankreich und Norwegen. Im April vergangenen Jahres hatte das Vereinigte Königreich den sogenannten Non-Dom-Status abgeschafft. Seither gelten für zugezogene Superreiche die gleichen Steuertarife wie für gebürtige Briten.
Der Regimewechsel veranlasste viele Vermögende, dem Land den Rücken zu kehren. Laut einer Analyse von Henley & Partners wanderten allein im vergangenen Jahr mehr als 10 000 Millionäre aus. Die Absetzbewegung wurde zum Politikum. «Keine Regierung gibt gerne zu, dass sie umworbene Steuerzahler vertreibt und auf diese Weise Einnahmen und Leistungsträger verliert», sagt Kälin.
Einen Exodus an Reichen hat ebenso Norwegen erlebt. Der Auslöser war eine Erhöhung der Vermögenssteuer. Gemäss Schätzungen haben daraufhin 300 Personen mit einem Vermögen von mindestens 100 Millionen Euro das Land verlassen – viele sind in die Schweiz umgezogen. Dies betrifft Gelder im Umfang von 50 Milliarden Euro. Die Regierung versuchte deshalb, den Kapitalabfluss mit der Einführung einer Wegzugssteuer zu stoppen.
Auch in Deutschland habe neuerdings eine bemerkenswerte Emigration eingesetzt, stellt Kälin fest. Die Lage müsse inzwischen als «dramatisch» bezeichnet werden. «Zwar sind die Verhältnisse nicht mit Grossbritannien vergleichbar. Dennoch zeigt sich, dass die Unzufriedenheit unter den Wohlhabenden stark zugenommen hat.» Neben der hohen steuerlichen Belastung seien der wirtschaftliche Stillstand sowie die politische Blockade wichtige Gründe.
Laut deutschen Bundesangaben haben im vergangenen Jahr 290 000 deutsche Staatsbürger ihr Land verlassen, was einem neuen Höchststand entspricht. Eine Studie der Universität Duisburg-Essen hat ergeben, dass drei Viertel der Auswanderer einen Hochschulabschluss besitzen. Die Mehrheit ist zudem jünger als vierzig Jahre. Bei den Emigranten handelt es sich somit um begehrte Leistungsträger.
Namentlich die Reichen verlassen Deutschland immer häufiger: Eine neue Erhebung von Henley & Partners zählt 29 Milliardäre, welche ins Ausland gezogen sind – 10 von ihnen in die Schweiz. In dieser Statistik rangiert Deutschland weltweit auf Platz vier: Nur China, Russland und Indien kommen auf mehr emigrierte Milliardäre.
Doch warum hat dieser Trend zur Auswanderung gerade jetzt eingesetzt? Aufgrund von Gesprächen mit Klienten nennt Kälin drei Faktoren: «Viele Leute sind enttäuscht von der deutschen Regierung und befürchten, dass die Politik zunehmend ins Chaos abgleitet.» Frankreich und Grossbritannien befänden sich zwar in einer ähnlichen Misere. «Dass Deutschland nun aber denselben Weg einschlägt, hat viele Bürger aufgeschreckt.»
Das Schuldenpaket von Bundeskanzler Friedrich Merz habe das Vertrauen in die Regierung geschädigt, bestätigt ein Kadermitglied einer Schweizer Kantonalbank. Als Reaktion hätten deutsche Kunden in den letzten Monaten deutlich mehr Gelder in die Schweiz transferiert. Denn sie gingen davon aus, dass sie als Reiche dereinst die Zeche für die höheren Staatsausgaben bezahlen müssten.
Als zweiten Faktor nennt Kälin den russischen Angriff auf die Ukraine. «Neben der geografischen Nähe zu diesem Krieg kommt hinzu, dass Deutschland die doppelte Staatsbürgerschaft zulässt: Wer die Heimat verlässt, verliert nicht mehr automatisch seinen deutschen Pass.»
Ein dritter Grund sei die Covid-Pandemie: Diese habe eindrücklich gezeigt, wie rasch und bedenkenlos der Staat die Rechte der Bürger einschränken könne, sagt Kälin. Er kenne viele, denen die staatliche Bevormundung in die Knochen gefahren sei. «Das nährt die Sorge, dass die Regierung bei einer Finanzkrise ähnlich drastisch vorgehen könnte und zum Beispiel Kapitalverkehrskontrollen einführt.»
Alexander Schiemenz ist Gründungspartner der Kanzlei Lindemann Law in Zürich, welche Investoren in steuerlichen und rechtlichen Fragen berät – unter ihnen Milliardäre. Er beobachte ebenfalls ein stark gestiegenes Interesse von Deutschen, ins Ausland umzuziehen – eine Entwicklung, die er als gebürtiger Münchner sehr bedaure: «Der Vermögensschutz ist ein wichtiges Bedürfnis meiner Kunden: Doch die hohe Steuerlast, verbunden mit der jahrelangen Stagnation der Wirtschaft, zwingt diese Leute dazu, sich nach Alternativen ausserhalb Deutschlands umzusehen.»
Es dominiere die Befürchtung, dass sich die gegenwärtige Abwärtsspirale weiterdrehe, was die Spitzensteuersätze noch mehr in die Höhe treibe. «Diese Familien wollen ihr hart erarbeitetes Vermögen für die kommenden Generationen bewahren», sagt Schiemenz. «Schon jetzt sorgt die verschärfte Wegzugsbesteuerung für grossen Unmut.» In manchen Fällen müsse man diese als geradezu prohibitiv bezeichnen. Immerhin lasse sich die Steuerlast mit einer langfristigen Planung oftmals reduzieren.

Fokke Baarssen / Zoonar / Imago
Die Schweiz stehe bei den Auswanderern unverändert hoch im Kurs, erklärt der Anwalt. Die Rechtssicherheit und die wirtschaftliche Stabilität seien wichtige Argumente. «Bei den Steuern für Expats können zwar auch andere Länder punkten – beispielsweise Italien. Dabei handelt es sich aber teilweise um Lockvogelangebote.» So hat Italien eine Pauschalsteuer eingeführt, welche ursprünglich bei 100 000 Euro lag. Mehrere tausend Millionäre nutzten dieses Angebot. Inzwischen jedoch hat die Regierung die Flat Tax auf 300 000 Euro angehoben.
Auch ausserhalb von Europa sind viele Wohlhabende derzeit in Aufruhr. In den USA bemühe sich eine Rekordzahl an Reichen, einen zusätzlichen Pass oder eine Niederlassung zu erhalten, sagt Christian Kälin. Bei den Amerikanern liege die Karibik stark im Trend, ebenso südeuropäische Länder wie Griechenland, Portugal, Italien oder Malta. «Immer mehr Länder nutzen erfolgreich die Chance, um neue Investoren und Steuerzahler zu gewinnen.» Diese Konkurrenz werde sich in den nächsten Jahren weiter verschärfen.
Wo in DE wohnen die Superreichen, in Berg am Starnberger See natürlich, am Tegernsee, in Grünwald bei München sowie am Tegernsee (zB. Rottach-Egern), dann vielleicht immernoch Hochtaunus über dem Frankfurter Kessel und mutmaßlich in Baden-Baden. Kürzlich war ich in Baden-Baden im Kasino, ein riesiger Kasten am Kurpark, es war etwas glamourös, waren doch gerade Abi-Feiern dort, alle im Abendkleid, Casino Royale - mäßig dachte ich zuerst, aber das Spielcasino ist hinten links, niedrige Sicherheitszone, zwei osteuropäische Hostessen machen ein Webcamfoto, schauen ob man spielsüchtig ist oä. und dann geht’s rein. Da hockten also die Superreichen unter opulenten Stuckaturen, zu zehnt eng sitzend & schwitzend am Pokertisch, nur Männer, viele teure weisse Hemden, andere zitterten bereits in diversen Nischen in weichen Fauteuils und versuchten runterzukommen. Ich denke, diese Leute zahlen gerne eine Reichensteuer. Vielleicht tut man ihnen sogar einen Gefallen damit. Zumindest ist‘s ihnen offensichtlich egal. Der größte Status konstruiert sich über die sinnlosesten Ausgaben. Der schlumpfblaue Ferrari - Effekt.
Daniel Billeter
03.07.2026
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