Zum Auftakt der Schlussphase im Saarbrücker Mordprozess sorgt eine Zeugin für Aufsehen: Sie will den Vermissten Martin H. lebend auf einem Fahrrad gesehen haben.
Saarbrücken · Zum Auftakt der Schlussphase im Saarbrücker Mordprozess sorgt eine Zeugin für Aufsehen: Sie will den Vermissten Martin H. lebend auf einem Fahrrad gesehen haben.
Nach gut vierwöchiger Pause ist am Montag der Mordprozess ohne Leiche in Saarbrücken in seine finale Phase gestartet – und hat mit einer völlig überraschenden Zeugenbefragung begonnen. Eine Saarbrückerin sagte aus, den seit über einem Jahr verschwundenen Martin H. vor wenigen Wochen an der Saar in Saarbrücken gesehen zu haben.
Prozess Martin H. in Saarbrücken – Zeugin will ihn an der Saar gesehen haben
Er sei ihr auf einem „alten Herrenfahrrad" begegnet, als sie am 2. Mai gegen 18 Uhr ebenfalls per Rad vom Einkaufen aus Frankreich zurückgekommen sei. Martin H. sei sehr gepflegt gewesen, sie habe seine grauen Haare erkannt und vor allem seine markanten „runden Augen“.
Sie sei über die Begegnung „entsetzt" gewesen, denn es sei ihr klar gewesen, dass die eigentlich nicht sein könne, erklärte die Zeugin. Nach mehreren Tagen des Überlegens, ob es sich doch um einen Irrtum handeln könnte, habe sie im Anschluss an ein Gespräch mit ihrer Tochter entschieden, zur Polizei zu gehen und von der Beobachtung zu berichten: „Vielleicht lebt jemand, der totgeglaubt ist.“ Später schränkte sie ein, dass es auch eine Person sein könnte, die Martin H. „sehr ähnlich“ sehe. Allerdings hätten sie die „runden Augen“ extrem an die kursierenden Fotos der Vermisstensuche rund um Ostern 2025 erinnert: „Diese Augen haben mich angeguckt.“
Keine anderen Zeugen können bestätigen, dass Martin H. noch am Leben ist
Die Frau gab weiter an, sie sei sehr nah an H. vorbeigefahren, dieser habe ein dunkles Sweatshirt getragen, sei insgesamt schwarz gekleidet gewesen und habe mit dem Rad viele Einkaufstaschen transportiert. Sollte die Beobachtung der Frau stimmen und es sich tatsächlich um den Vermissten handeln, wäre das eine spektakuläre Wende in dem seit Januar laufenden Mordprozess. Allerdings gibt es keine weiteren Zeugen, die H. seit seinem Verschwinden gesehen haben wollen. Und keine konkreten Hinweise darauf, dass er überhaupt noch am Leben ist.
Die Anklage geht davon aus, dass H. von seinem guten Freund und Geschäftspartner Werner S. ermordet wurde – aus Habgier und zur Verdeckung vorangegangener Straftaten im April 2025 in einem Büro im Nauwieser Viertel. (nfo)