Eine Zeugenaussage sorgt im Mordprozess ohne Leiche in Saarbrücken für Aufsehen. Was der Chefermittler dazu sagt.
Saarbrücken · Eine Zeugenaussage sorgt im Mordprozess ohne Leiche in Saarbrücken für Aufsehen. Was der Chefermittler dazu sagt.
Werner S. ist vor dem Landgericht Saarbrücken wegen Mordes angeklagt.
Foto: Thomas SchäferIm Mordprozess ohne Leiche vor dem Landgericht Saarbrücken sorgte am Montag die Aussage einer Zeugin für Aufsehen: Die Frau erklärte, sie habe das mögliche Mordopfer, den seit über einem Jahr vermissten Martin H., Anfang Mai am Saarbrücker Osthafen auf einem „alten Herrenfahrrad“ gesehen. Am Donnerstag war diese angebliche Begegnung erneut Thema.
„Fehlidentifikationen“ sind offenbar häufig
Der Chefermittler der Kriminalpolizei erzählte von einer Unterredung mit dem Beschuldigten Werner S. und dessen Ehefrau in der Justizvollzugsanstalt. Dabei sei er nach seiner Meinung zu der angeblichen Sichtung von H. gefragt worden. Er habe deutlich gemacht, erklärte der Beamte, dass er aufgrund der Ermittlungsergebnisse Zweifel an der Aussage der Zeugin habe, auch deshalb, weil es in größeren Verfahren häufig zu Sichtmeldungen komme, die sich im Nachhinein als „Fehlidentifikationen“ herausstellten.
Interessant, auch das sagte der Chefermittler aus: Der Beschuldigte habe seine Einschätzung sinngemäß mit dem Satz „Das glaube ich auch“ kommentiert.
Urteil fällt wohl erst im September
Wie am Donnerstag bekannt wurde, gab es außer der Wahrnehmung der Frau auf dem Radweg keine weiteren Meldungen von Personen, die H. gesehen haben wollen. Der Chefermittler betonte, nach kriminalistischen Aspekten halte er S. für überführt. „Ich bin davon überzeugt, dass der Beschuldigte seinen Freund getötet hat“, sagte er.
Zuvor hatte der Beamte über „Unregelmäßigkeiten“ und Widersprüche in der kürzlich erfolgten Einlassung von S. zum Tatvorwurf der Untreue berichtet. Dabei ging es unter anderem um Rechnungen, Internet-Suchen, eine Überweisung von 1.000 Euro sowie E-Mails, die Arbeitsleistungen von H. für die Frankfurter Firma von S. beweisen sollen. Die Anklage geht davon aus, dass S. die Firma um über eine halbe Million Euro betrogen hat. Und zwar mittels Scheinrechnungen im Namen von H. Als der Betrug auffiel, soll S. seinen Freund in einem Büro im Nauwieser Viertel ermordet haben.
Der Prozess soll kommende Woche fortgesetzt werden und wird sich aufgrund der anstehenden Urlaubszeit bis mindestens Ende August, wohl sogar bis September hinziehen. (lck)