Sonne und Lebensqualität locken viele nach Portugal. Doch der Neustart gelingt meist nur mit Kompromissen und solidem Finanzpolster.
Sonne und Lebensqualität locken viele nach Portugal. Doch der Neustart gelingt meist nur mit Kompromissen und solidem Finanzpolster.
Mildes Klima, entspannte Lebensweise und vergleichsweise niedrige Lebenshaltungskosten sind nur einige der Gründe, warum Menschen aus Deutschland nach Portugal auswandern wollen. Was viele jedoch zögern lässt oder sogar davon abhält, ist das deutlich geringere Einkommen.
Laut dem portugiesischen Statistikamt Instituto Nacional de Estatística (INE) lag das durchschnittliche Bruttomonatsgehalt in Portugal 2024 bei 1602 Euro. Der gesetzliche Mindestlohn wurde zum 1. Januar 2026 auf 920 Euro brutto pro Monat festgelegt, gezahlt in 14 Monatsraten. Damit liegt das Einkommensniveau deutlich unter dem in Deutschland.
Svenja Stapper ist 2021 nach Portugal ausgewandert und unterstützt heute vor allem Solo-Selbstständige dabei, den portugiesischen Bürokratie-Dschungel zu meistern. Sie ist Teil unseres Expertennetzwerks EXPERTS Circle.
Viele zögern, weil sie ihren sicheren und gut bezahlten Job in Deutschland nicht aufgeben wollen. Doch diese Sicherheit ist meiner Meinung nach trügerisch, denn Kündigungen oder Insolvenzen können jederzeit passieren, auch in Deutschland.
Wer auswandern möchte, entscheidet sich bewusst für mehr Eigenverantwortung. Das kann beängstigend sein, eröffnet aber auch neue Freiheiten.
Für mich persönlich war die Auswanderung aus Deutschland und die damit verbundene Kündigung meiner Festanstellung auch der Schritt in die Selbstständigkeit. Ich habe mir zunächst nebenbei mein erstes Online-Business aufgebaut und nach einem Jahr in Portugal das zweite.
Das war kein leichter Weg. Er erfordert Disziplin, Durchhaltevermögen und die Bereitschaft, gerade am Anfang finanziell zurückzustecken. Wer sich selbstständig macht, verdient oft zunächst weniger als in einer Festanstellung und lebt entsprechend mit einem niedrigeren Lebensstandard als zuvor.
Ich habe jedoch festgestellt, dass ich deutlich weniger materielle Dinge brauche, um glücklich zu sein. In den vergangenen Jahren bin ich noch minimalistischer geworden. Die deutlich höhere Lebensqualität in Portugal ist für mich unbezahlbar und hat positive Auswirkungen auf meine physische und mentale Gesundheit.
Für alle, für die Selbstständigkeit nicht infrage kommt, kann eine Festanstellung für deutschsprachige Mitarbeitende ein guter Einstieg sein, vor allem im Kundensupport. Viele Unternehmen suchen gezielt deutsche Muttersprachler und bieten attraktive Einstiegspakete.
Dazu gehören häufig Unterstützung bei bürokratischen Themen, manchmal auch eine Unterkunft oder Hilfe bei der Wohnungssuche sowie organisierte Portugiesisch-Kurse. Die Arbeit ist nicht immer die erfüllendste, kann aber ein erster Schritt sein, um im Land Fuß zu fassen.
Sobald man vor Ort ist, lässt sich vieles leichter aufbauen: Netzwerke, Kontakte, Empfehlungen und neue berufliche Möglichkeiten. Oft ist es am Ende auch eine Frage, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.
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Viele warten auf den perfekten Zeitpunkt: den perfekten Job, das perfekte Haus, perfekte Sprachkenntnisse. Doch nichts im Leben ist perfekt. Wer darauf wartet, wird den Schritt vermutlich nie gehen.
Auswandern bedeutet, Kompromisse einzugehen und auch Opfer zu bringen. Genau darin liegt aber oft die Chance für persönliches Wachstum. Am Ende geht es doch darum, sich weiterzuentwickeln, Erfahrungen zu sammeln und ein Leben aufzubauen, das wirklich zu einem passt.
Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass man einfach mit seinem bisherigen Job nach Portugal auswandern kann, nur weil die Arbeit auch remote möglich ist oder im Vertrag eine Homeoffice-Regelung steht.
Mit einem Wohnsitzwechsel ändern sich jedoch steuerliche und sozialversicherungsrechtliche Pflichten grundlegend. Ein deutscher Arbeitsvertrag lässt sich nicht ohne Weiteres ins Ausland „mitnehmen“. Möglichkeiten können sein:
Wer den Schritt nach Portugal gehen will, sollte unbedingt einen finanziellen Puffer einplanen. Sinnvoll ist es, sich zusätzliches Einkommen oder ein eigenes Business bereits neben dem bisherigen Job aufzubauen. Das reduziert das Risiko und erleichtert den Übergang erheblich.
Arbeiten in Portugal bedeutet oft weniger Einkommen, aber auch die Chance auf mehr Freiheit und ein bewussteres Leben. Wer bereit ist, Sicherheit neu zu definieren und Kompromisse einzugehen, kann dabei viel gewinnen.